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Bikepark Winterberg

Talfahrt über Stock und Stein

20.09.2012 | 12:00 Uhr

Im Bikepark Winterpark fahren Mountainbiker gemütlich mit dem Sessellift gen Gipfel - um anschließend rasant über verschiedene Pisten ins Tal zu brettern.

Auf den letzten Kilometern zwischen der Autobahn und Winterberg gewinnt die Straße sanft an Höhe, am Rand bewerben Schilder die Skiverleihe, die Sonne scheint und die kleinen Wolken am Himmel sind schneeweiß. Doch niemand wedelt hier auf Brettern die Hänge hinunter, denn noch sind die Wolken das Einzige, was hier schneeweiß ist. Trotzdem zieht es zahlreiche Sportler ins Sauerland: Einer der spektakulärsten Bikeparks Europas lockt Fahrradfahrer an, die es ein bisschen wilder mögen.

Auf dem Weg vom Parkplatz hinüber zur Bikestation spazieren die ersten Gestalten mit Vollvisierhelm, Knieschützern, Brust-, Rücken- und Schulterprotektoren über die Straße. Mit dem Bundeswehrstützpunkt an der Ecke haben sie nichts zu tun. Nein, so sehen die meisten Gäste des Bikeparks Winterberg aus. Denn so viel Spaß es auch macht, durch enge, hochgezogene Kurven zu zirkeln, über kleine oder große Hindernisse zu hüpfen, mit grobstolligen Reifen durch Schotterpisten zu pflügen – immer ist Vorsicht geboten. Denn Mountainbike fahren ist nicht nur Spaß, sondern vor allem auch eine sportliche Herausforderung.

Video
Mutige Sprünge, coole Tricks und rasante Abfahrten: Die Dirt Masters in Winterberg boten Radsport auf höchstem Niveau.

Auf zehn verschiedenen Wegen geht es im Bikepark Winterberg abwärts. Niklas Hellebrandt kennt hier jede Kurve. Der 29-Jährige sorgt als Streckenbauer dafür, dass die Fahrer Spaß haben und gefordert werden. Wenn er nicht am Parcours feilt oder an Rennserien teilnimmt, gibt Niklas im Bikepark Kurse, damit auch Anfänger unbeschadet am Fuße des Hügels ankommen. „Man muss Respekt vor der Strecke haben, aber keine Angst“, sagt er auf dem Weg zum Sessellift. Der Neuling neben ihm wurde an der Bikestation schon mit Protektoren, Helm und Rad ausgestattet. Aber noch nicht mit genügend Tipps: Während der Abfahrten sitzt man nicht im Sattel, in Rechtskurven geht das linke Pedal nach unten, in Linkskurven das rechte, bevorzugt mit dem Hinterrad bremsen, „und immer mit einem Lächeln fahren, dann klappt’s besser“, sagt Niklas. Der blumigste Satz in der Einweisung: „Den Lenker muss man greifen wie einen Vogel. Er darf nicht sterben, er darf aber auch nicht wegfliegen.“

Tollkühne Männer fliegen mit ihren...

Wer sich sonst auf einem Rad sicher fühlt, ist mit diesen Tipps schon vorbereitet für eine erste Abfahrt. Zum Beispiel auf dem „Continental Track“, dessen Kurven bei gemäßigter Geschwindigkeit eine Menge Spaß machen. Wie auf allen Strecken kann man auch hier jenen Hindernissen ausweichen, die etwas mehr Fahr- und schließlich auch Flugtechnik erfordern. Immer gilt: „Der Schwächere hat Vorfahrt“, erklärt der Streckenbauer. „Man hilft sich, fragt natürlich nach, wenn jemand gestürzt ist. Und man kann vor Hindernissen auch an den Rand fahren und sich die Strecke erst mal anschauen.“ Das machen viele, schämen muss man sich nicht.

Etwas anspruchsvoller als der „Continental Track“ ist in Winterberg der „Giro Free Cross“. Hier schaut Niklas häufiger zurück zum Bikepark-Neuling und gibt am Ende der Strecke noch ein paar Tipps, um das Fahrrad in Kurven besser zu beherrschen. Mit jeder Abfahrt wird’s sicherer, spaßiger und neue Wege eröffnen sich. Doch selbst mit einem erfahrenen Guide sollte man nicht zu schnell anspruchsvollere Pisten wie den „iXS Downhill“ unter die Räder nehmen, denn hier ist eine Menge technisches Können gefragt. Sonst rappelt’s ordentlich zwischen den Protektoren.

„Viele Cracks wünschen sich, dass wir die Strecken noch anspruchsvoller anlegen“, erzählt Ilka von der Heid in der Bikestation, nachdem sie gerade noch zwei Gäste mit einem freundlichen „Hals- und Beinbruch“ auf die Piste verabschiedet hat. „Aber hier sollen alle fahren können.“ Ob es nun der Sechsjährige ist, den Niklas Hellebrandt schon in einem seiner Kurse hatte, oder der Streckenbauer selbst: Wer die passende Abfahrt wählt, kommt zu seinem Vergnügen.

Für Anfänger und Profis

In den Ferien folgen besonders viele Fahrer dem Ruf des Berges. Dann wird, wie auch an den Wochenenden, zusätzlich zum Sessellift noch ein Schlepplift in Betrieb genommen, um die Besucher mit ihren Bikes zu den Startbereichen zu bringen. Insgesamt sind zehn Strecken im Angebot – Staus wie an der Spielplatzrutsche sind also nicht zu befürchten.

Für jede kleine Pause ist der Anfänger nach den ersten Runden allerdings dankbar. Mit dem Sessellift hoch, dann fast nur bergab – das klingt zwar zunächst recht einfach. Und doch melden sich bald die Muskeln in den Oberschenkeln. Wer mit Schwung in die Kurven geht, fühlt sich schon mal wie in einer Achterbahn: Das Hinterteil wird bis auf den Sitz gedrückt. „Stehen bleiben“, erinnert Niklas Hellebrandt. „Ellbogen weiter nach außen, Hintern rausstrecken.“ So kommt man gesund unten an. Aber mal ehrlich: Gut, dass die Lenkergriffe mehr aushalten als zwei kleine Vögelchen...

Bike-Akrobaten in Aktion

 

Info: www.bikepark-winterberg.de

Zlatan Alihodzic

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