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Scorpions: ZumAbschiedein lautes Servus

01.11.2012 | 06:00 Uhr
Scorpions: ZumAbschiedein lautes Servus

Im Interview spricht Bandgründer Rudolf Schenker über die letzte Tournee der Scorpions - und was danach kommt.

Deutschlands erfolgreichste Rocker nehmen Abschied: 47 Jahre nach Bandgründung absolvieren die Scorpions ihre letzte Konzertreise. Zum Finale der „Farewell“-Tour kommen die Hannoveraner am 15.12. nach Oberhausen. Im Interview blickt Gitarrist Rudolf Schenker u.a. auf denkwürdige Auftritte zurück und erklärt, dass ein Abschied noch nicht das Ende sein muss.

Sie stehen seit fast einem halben Jahrhundert an der Verstär­einem halben Jahrhundert an der Verstärkerfront: Wie geht’s Ihren Ohren?

Ich kann Sie zumindest gut verstehen – von daher ist alles in Ordnung. Es sei denn, Sie schreien extra und ich merke das nicht. (lacht)

Ihre Abschiedstour dauert bereits drei Jahre – wann spielen Sie denn nun Ihr letztes Konzert?

Schwer zu sagen. Die Leute verbinden mit dem Begriff „Farewell-Tour“ immer, dass eine Band sich auflöst. Das tun wir aber nicht. Wir machen nur Schluss mit dem „heavy touring“. Dass wir hier und da noch mal bei einer Charity-Veranstaltung oder so auftreten, ist nicht ausgeschlossen.

Man wird zukünftig also noch von den Scorpions hören?

Ja, wir arbeiten derzeit auch noch an einigen Projekten, u.a. einem Scorpions-Film fürs Kino, der gerade aufgenommen wird. Darüber hinaus haben wir noch 800 Stunden Filmmaterial von unseren Live-Auftritten, das muss ja auch mal an die Öffentlichkeit. Genauso wie zahlreiche unveröffentlichte Songs aus den Zeiten der Vinylschallplatte – da passten damals immer nur neun Songs drauf, wir haben aber immer 14 aufgenommen.

Was wird Ihnen vom Tournee-Leben am meisten fehlen?

Das wird man sehen. Wir haben ja in vielen Dingen Erfahrung, aber mit dem Aufhören nicht. Auf jeden Fall werden wir Zeit haben, Sachen zu machen, die wir lange schon vorhatten. Zum Beispiel mal wieder ein Album mit meinem Bruder Michael Schenker aufnehmen. Vielleicht holen wir ja diesmal meine Schwester dazu und machen ein schönes Schenker-Album...

Blicken wir zurück: An welches Kon­Blicken wir zurück: An welches Konzert erinnern Sie sich am liebsten?

Das außergewöhnlichste war ein privates: die Einladung in den Kreml, als wir uns 45 Minuten mit Michail und Raissa Gorbatschow über Gott und die Welt unterhalten und dann „Wind Of Change“ gespielt haben. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte war es schon eine bedeutende Sache, dass der Präsident der Sowjetunion uns empfängt.

Bei Ihrer Abschiedstournee sind Sie auch in der bolivianischen Hauptstadt La Paz aufgetreten.

Das war der Hammer! Das Fußball-Stadion, in dem wir gespielt haben, war auf einer Höhe von 3780 Metern – wegen der dünnen Luft verlieren dort immer alle ausländischen Mannschaften. Wir sind mit Sauerstoffgeräten empfangen worden und haben Coca-Blätter zum Kauen bekommen.Coca-Blätter zum Kauen bekommen!

In Bangkok sollen Ihnen die Fans mal lebende Skorpione auf die Bühne geworfen haben...

(lacht) Das stimmt! Damit wollten die thailändischen Fans uns nur ihre Begeisterung ausdrücken. Dazu muss man sagen, dass wir in Thailand alle Rekorde gebrochen haben: Für unsere Compilation „Still Loving You“ wurden wir dort 20 Mal mit Platin ausgezeichnet.

„Wind Of Change“ war Ihr größter Erfolg, hat aber auch das Renommee der Scorpions als Hardrock-Act beschädigt. Ist der Song eher Fluch oder Segen?

Ein Segen. Wir haben bei unseren Konzerten in der damaligen Sowjetunion den Wandel miterlebt, mitgefühlt und mit „Wind Of Change“ musikalisch ausgedrückt. Der Song war der Soundtrack zur friedlichsten Revolution, die es jemals gegeben hat.

Von dem gepfiffenen Part sollen Sie aber erst nicht begeistert gewesen sein…

Nein, es war die Plattenfirma, die gesagt hat: Der Song ist ja ganz gut, aber das Pfeifen muss weg. Also haben wir versucht, es durch eine Gitarre zu ersetzen oder es ganz wegzulassen. Aber wir haben immer wieder festgestellt, dann fehlt dem Song was. Da haben wir gesagt: Scheiß ‘drauf, was die anderen denken, wir lassen das Pfeifen ‘drin – auch wenn es nicht Rock’n’Roll-typisch ist.

Scorpions auf „The Final Sting“- Tour: 15.12. Oberhausen (KöPi-Arena); Karten für ca. 60-70 € im
TICKET-SHOP:  Tel. 0201/804 60 60, www.DerWesten.de/tickets

Stefan Moutty



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