Kubas rüstige Rentner
19.01.2012 | 17:02 Uhr 2012-01-19T17:02:00+0100„The Bar at Buena Vista“ präsentiert ab März wieder die swingenden Altstars von der Karibikinsel
Unserer modernen Gesellschaft wird nachgesagt, einen Kult um die Jugend zu betreiben und das Altern am liebsten auszublenden. Ganz besonders, so ist zu hören, gelte dies fürs Musik- und Showgeschäft, in dem zum Star nur tauge, wer jung und knackig ist. Mag daran auch viel Wahres sein – diese Herren können wahrscheinlich trotzdem herzlich darüber lachen: Reynaldo Creagh, Guillermo „Rubalcaba“ Gonzáles und José „Maracaibo“ Castañeda zählen zusammen rund 260 Jahre und werden als „Grandfathers of Cuban Music“ dennoch frenetisch gefeiert. Daran dürfte sich auch im kommenden März nichts ändern, wenn die musikalischen Opas mit der Show „The Bar at Buena Vista“ einmal mehr in der Region gastieren.
Die Zugkraft der Revue, die Jahr für Jahr erfolgreich durch Deutschland tourt, ist zum einen mit Wim Wenders’ preisgekrönten Film „Buena Vista Social Club“ zu erklären – die Dokumentation machte 1999 den Klang Kubas weltweit populär. Zum anderen ist das Konzept, mit kubanischer Musik und Lebensfreude pures Urlaubsfeeling in die Konzertsäle zu zaubern, aber auch schlicht unwiderstehlich. Wenn draußen Schmuddelwetter und Alltagsgrau dominieren, lässt sich der sonnenhungrige Teutone nur zu gerne von Sound und Zauber der Karibik betören.
Auch bei der aktuellen Tournee bleiben die Macher ihrem Erfolgsrezept treu und inszenieren auf der Bühne ein Treiben, wie es sich einst in der Bar des legendären Social Club von Buena Vista, einem Stadtteil Havannas, abspielte. Ein Tresen im schummrigen Licht, Eiswürfel klirren im Glas – so ungefähr muss es gewesen sein im Kuba der 40er und 50er Jahre, als Hemingway hier Mojitos schlürfte und dazu mal melancholische, mal mitreißende Rhythmen erklangen. Gespielt von jenen Musikern, die über sechzig Jahre später nun an die goldene Ära der kubanischen Musik erinnern.
Erstmals steht im März bei „The Bar at Buena Vista“ jener Mann als Conférencier mit auf der Bühne, der den 93-jährigen Reynaldo Creagh und seine jeweils zehn Jahre „jüngeren“ Kollegen in Havanna aufspürte: Regisseur Toby Gough traf in Havanna einst den ehemaligen Barkeeper Arturo Lucas aus dem Buena Vista Social Club, der ihn mit seinen Erinnerungen zur Show inspirierte. „Er nahm mich mit zu den Großvätern der kubanischen Musik, die mir ihre Geschichten erzählten“, so der Schotte, der die Alt-Stars nicht lange überreden musste, mit ihm auf Tournee zu gehen: „Musik zu machen hält sie am Leben – es ist ihr Leben.“
Gemeinsam mit dem Pianisten Guillermo Gonzáles – in Kuba als „der Mann mit den goldenen Händen“ bekannt –, Gitarrist José Castañeda und Sänger Reynaldo Creagh steht Siomara Valdés auf der Bühne. Auch die kubanische Diva hat bereits einige karibische Sommer erlebt, ihr Alter gibt sie freilich – ganz Dame – nicht preis. Dafür beweist die stimmgewaltige Sängerin in der Show, dass sie zu tanzen versteht. Schließlich ist der Tanz untrennbar mit der kubanischen Musik und Kultur verbunden. Dies eindrucksvoll zu belegen, dafür hat Regisseur Gough überdies Eric Turro engagiert. Der Meister des traditionellen Son sorgt mit seinen Tänzern und Tänzerinnen für reichlich rassige Bewegung auf der Bühne.
Und auch in puncto Tanz gibt es auf der Karibikinsel keine Altersbeschränkung: Zu den drei hochbetagten musikalischen Veteranen im Ensemble von „The Bar at Buena Vista“ gesellt sich ein Altmeister auf dem Parkett: Luis Chacón „Aspirina“ Mendive wird in diesem Jahr 80 Lenze alt, die Rumba tanzt er aber noch so geschmeidig wie ein Junger. Auf Kuba zählt man eben jenseits der Pensionsgrenze noch lange nicht zum alten Eisen – selbst im Showgeschäft nicht. Das meint auch Reynaldo Creagh, der mit seinen 93 Jahren Folgendes zu Protokoll gab: „Ich fühle mich, also ob meine Karriere gerade erst beginnt!“
„The Bar at Buena Vista – Grandfathers of Cuban Music“:
27.3. Recklinghausen (Festspielhaus)
28.3. Essen (Colosseum)
30./31.3. Dortmund (Konzerthaus)
7.-9.4. Köln (Philharmonie).
Karten für ca. 37-69 € gibt es in unserem TICKET-SHOP unter Tel. 01805 / 280 123 oder www.DerWesten.de/tickets.
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