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Atze Schröder

Ein Meister derSchmerzen

18.10.2012 | 06:00 Uhr
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Ein Meister derSchmerzen

Der „schmerzfreie“ Comedian im Interview.

Atze Schröder ist der Mann fürs Grobe, doch seine Therapie ist „Schmerzfrei“ – das verspricht jedenfalls sein aktueller Programmtitel. Bald ist der Porschefahrer mit der Pilotenbrille wieder unterwegs, die Nation mit seinen Macho-Geschichten zu unterhalten. Wir sprachen mit dem Comedian aus Essen-Kray.

Herr Schröder, Ihr aktuelles Programm trägt den Titel „Schmerzfrei“. Warum? Weil Sie immer dort hingehen, wo es weh tut?

Ja, zumindest gehe ich dahin, wo es kribbelt. Auf die Idee zum Programm bin ich durch Kleinigkeiten gekommen. Ein Beispiel: Nürnberg, ein kleiner Coffee-Shop, draußen hängt ein Schild mit der Aufschrift „Coffee to go – jetzt auch zum Mitnehmen!“. Das sind dann so Schmerzfreiheiten. Weh tut aber auch das Nachmittagsprogramm auf RTL und Sat1.

Was schmerzt Sie denn mehr: Das TV-Programm oder ein Kratzer am heiß geliebten Porsche?

Och, wahrscheinlich der Kratzer am Porsche. Denn Fernsehen gucke ich fast gar nicht mehr. Da geht’s ja nur noch darum, den Leuten vorzuführen: Es gibt immer noch jemanden, der dümmer ist als du.

Mit solchen Statements driften Sie ja fast ins Politische ab. Ist das denn noch Comedy?

Gute Comedy kann sich von Politik gar nicht freimachen. Vor vier Jahren war ich mit „Mutterschutz“ unterwegs. Das war zu der Zeit, als die Hannoveraner Wurfmaschine Ursula von der Leyen Familienministerin war. Und dann kam „Revolution“ – obwohl damals alle sagten, die Deutschen würden nicht mehr auf die Straße gehen. Aber dann ging es ausgerechnet mit den Stuttgartern los.

Sie sind dem Zeitgeist also immer eine Nasenlänge voraus?

Ich bemühe mich jedenfalls. Und im Moment liegt in der Luft, dass vielen Menschen alles scheißegal ist. Hauptsache, man hat das neueste Handy.

Fühlen Sie sich dann nicht dazu aufgerufen, zumindest im TV einen Gegentrend einzuleiten?

Nein, ich habe sieben Jahre lang „Alles Atze“ gemacht. Das ist ja auch gut gewesen. Ich muss jetzt keinem mehr etwas beweisen. Stattdessen mache ich jetzt nur noch das, was ich am liebsten tue: auf der Bühne stehen.

Wo wir gerade von Dingen reden, die Sie gerne machen: In Zeiten sinkender Geburtenraten sind Sie doch mehr denn je in der Pflicht – das Land braucht mehr Atzen!

(lacht) Ja, das mit der Geburtenrate betrifft aber nicht nur uns in Deutschland. Ich habe zuletzt gesehen, dass in Mallorca die ersten Liegestühle frei waren! Aber Uli Wickert, Jean Pütz und Fritz Wepper – all die alten Männer – sorgen ja immer wieder für Nachwuchs.

Und Sie? Sie müssten doch eigentlich eine zusätzliche Testosterondrüse im Körper haben, oder?

Das wäre schön. Leider wird man nicht jünger. Wenn ich so 25-jährige Testosteron-Hengste sehe, bei denen die Hormone über die Bordwand des Körpers schwappen, dann denke ich: Ach, das waren noch Zeiten...

Jetzt kokettieren Sie aber!

Nein, nein. Ich hatte vor einem halben Jahr einen Nabelbruch. Da musste ich zeitweise ein Korsett tragen. Das sah zuweilen richtig gut aus!

Damit kennen wir jetzt Ihr Beauty-Geheimnis. Neues Stichwort: Eurokrise. Was raten Sie als gemachter Mann den Menschen, die sich um ihr Erspartes sorgen?

Ist es nicht schön, dass wir irgendwann alle wieder gleich sind?

Wie darf ich das verstehen? Haben Sie sich verspekuliert?

Man weiß ja nie, was das Geld morgen noch wert ist. Ich brauche zum Glück nicht so viel, insofern hat mich das nie interessiert. Und mit den Griechen haben wir ja Jahrtausende lang unseren Spaß gehabt, doch irgendwann muss man dafür bezahlen. Dabei haben wir 40 Jahre lang geglaubt, der Ouzo nach dem Essen wäre umsonst.

Der Grieche kann aber nicht nur Souvlaki – ohne Griechenland hätten wir keine Philosophie...

Klar. Hippokrates, der alte Radiologe, hat gesagt: „Das Leben ist eine Komödie für den Denkenden.“ Da müssen wir uns jetzt wieder dran halten.

Sie überraschen mich, Herr Schröder. Sie wirken so gesetzt und reif. Streben Sie ein Staatsamt an?

(lacht) Nein, dann wären wir spätestens in zwölf Monaten pleite. Ich traue mir zwar einiges zu, aber nur im privaten Bereich. Eine Frau zum Beispiel kann ich sehr, sehr glücklich machen.

Atze Schröder „on tour“: Termine gibt’s hier.

Carsten Dilly

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