Unter der Woche veröffentlichte das Magazin „The New Yorker“ sein Titelbild für die kommende Ausgabe (klick Foto zum Vergrößern) und trat dabei eine Diskussion des guten Geschmackes los. Wie viel Ironie ist erlaubt und wann hört der Spaß auf, vor allen vor dem Hintergrund einer historischen Kandidatur. Der Komik zeigt einen Präsidenten Barack Obama mit seiner Frau Michelle im Oval Office des Weißen Haus. Sie trägt ein Maschinegewehr um ihre Schulter und er ein Gewand mit Turban. Im Hintergrund hängt ein Bild von Osama bin Laden während eine Amerikanische Flagge im Kaminfeuer brennt. Dabei grüßt sich das Präsidentenpaar mit einem Faustgruß.
Die Zeichnung von Barry Blitt ist laut Herausgeber David Remnick eine „Kombination einer Vielzahl von ausgedachten Eindrücken über die Obamas und zeigt sie als die offensichtlichen Verzerrungen die sie sind.“ Er führt weiterhin an, dass Satire teil der Zeitschrift ist und das sie einen Spiegel vor die Vorurteile gegenüber des Kandidaten halten soll. Für viele Kritiker schürt die Zeichnung der Titelseite jedoch die schlimmsten Ängste der Leute vor einer Präsidentschaft Obamas. Sie würde vielleicht vom elitären Leserkreis der liberalen Zeitschrift für das verstanden was sie ist – Ironie - nicht jedoch von Wählern des ländlichen Amerika.
Die entscheidende Frage stellte der erst kürzlich verstorbene Tim Russert am 20. April an den Chefstrategen der Obama-Kampagne, David Axelrod: „Nach den letzten paar Wochen fürchten viele Demokraten, dass die Republikaner im Herbst einen Werbespot zusammen schneiden, in dem Michelle Obama sagt sie wäre nie stolz auf Amerika gewesen - bis jetzt wo Barack Obama antritt. Barack Obama seine Hände vor sich gefaltet hat, und nicht über seinem Herz während dem Treueid. Barack Obama der keine Flagge als Anstecknadel trägt. Barack Obama der über das ‚klammern’ an Religion und Waffen spricht. Barack Obama der sich mit Bill Ayers, einem Mitglied der Weathermen (= militantische Gruppe) trifft. Sind sie besorgt, dass all diese Themen zusammengefasst werden können um einen Eindruck von Obama zu kreieren der ihn für unentschlossene Wählern als nicht wählbar dastehen lässt?“
Mit genau dieser Frage spielt die Zeichnung des New Yorker. Gekonnt und dennoch hätte dem Bild etwas mehr Zusammenhang gut getan. So lautet der Titel der Zeichnung „Die Politik der Angst,“ und ist eine Anspielung auf eine jahrelange Strategie der Republikaner. Dieser Titel hätte als Überschrift geholfen und sofort erklärt worauf die Zeitschrift hinaus will. Das Problem der meisten Kritiker sind zwei: 1. Es ist einfach nicht lustig. 2. Es wird von Vielen missverstanden. Gegen ersteren Punkt kann man einwenden dass nicht alle satirischen Zeichnungen schallendes Lachen hervorrufen müssen, gegen zweiten Punkt möchte ich mich insofern verwehren, da man sich erstens nicht auf das Niveau der Dümmsten angleichen sollte, und zweitens diejenigen ihn sowieso nicht gewählt hätten, die diese Zeichnung als bare Münze nehmen.
Am Ende ist es einfach eine Frage wie angreifbar Barack Obama wirklich ist. Viele Kommentatoren und Comedians halten sich bei ihm zurück, das ist mehr als offensichtlich und wird von den meisten sogar zugegeben. Aber warum? Weil sie ihn vielleicht mögen, oder weil sie Angst vor Vorwürfen des Rassismus haben? Es liegt nicht daran, dass er schlichtweg zu gut ist, denn auch über Al Gore wurden viel mehr Witze gerissen als über seinen Konkurrenten, George W. Bush. Es ist vielmehr seine Hautfarbe und seine historische Kandidatur die Berufs-Witzemacher dazu veranlasst zu sagen: Gebt ihm eine Chance.
> Maureen Dowd: "May We Mock, Barack?" (NYT)
> Timothy Egan: "They Get It" (NYT)
> Philip Kennicott: "It's Funny How Humor Is So Ticklish (WP)
> Alexander Burns: "Cartoonists mixed on New Yorker cover" (Politico)





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