Dass John McCain seinen Rhythmus noch nicht gefunden hat, sah man bei seinem Besuch in Südamerika und Mexiko in den letzten Tagen. Redet ganz Amerika über die hohen Benzinpreise, die steigenden Arbeitslosenzahlen oder die hohe Inflation, besucht der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei den Präsident von Kolumbien um über Freihandelsabkommen zu sprechen. In Mexiko war dann die Einwanderungspolitik auf der Tagesordnung.
Sicherlich sind diese Themen ebenfalls mit der schlechten Wirtschaftslage verbunden, dennoch dürften sie auf der Prioritätenliste der Amerikaner im Moment nicht viel höher stehen als Obamas Ankündigung auf offizielle Gelder im Wahlkampf zu verzichten. Manche Themen sind eben wichtig, und manche werden von Politikern und Medien als wichtig empfunden.
In Kolumbien wollte McCain kein böses Wort über seinen Kontrahenten verlieren, da der eigene Wahlkampf an der Landesgrenze aufhört, so der Senator. Dennoch konnte er nicht widerstehen auf dem Flug nach Kolumbien Barack Obama für seine Schutz- und Isolationspolitik zu kritisieren. Mit ihm werde sich Amerika wie zu Zeiten Herbert Hoovers vom Welthandel abspalten, während McCain gesunde Lösungen zu den aktuellen Problemen liefern kann.
Mit der zweiten Auslandsreise nach seinem Besuch in Kanada vor wenigen Wochen, will McCain seine Erfahrung in internationalen Angelegenheiten unterstreichen, und gleichzeitig die Naivität seines Gegners in manchen Äußerungen hervorheben. Letzten Sonntag hatte eine ehemaliger General und aktueller Unterstützer Obamas, Wesley Clark, in einer Talk Show behauptet, dass ein feindlicher Abschuss eine Person nicht für das Präsidentenamt qualifizieren würde. McCain war im Vietnam-Krieg als Pilot abgeschossen und anschließend als Kriegsgefangener gehalten wurden.
Unterdessen startete Barack Obama eine weitere Vorstellungs-Tour durch das Land um diesmal seine patriotischen Wurzeln hervorzuheben. Ein Viertel aller registrierten Wähler denken immer noch hätte zu wenig Patriotismus in sich, und so ziemlich jeder Analyst sieht in dieser Frage die große Chance für John McCain am Ende doch noch als Sieger hervorzugehen. Amerikaner wählen ihren Präsidenten anders als ihren Bürgermeister oder ihren Gouverneuren, und das aus diesem Grund sah man Obama vor mehr Flaggen als sonst durch das Land reisen.
So sah man ihn am Montag in Missouri über seinen Patriotismus reden, am Dienstag in Ohio über seine Arbeit als Gemeindearbeiter und am Mittwoch in Kalifornien über die Werte die ihm seine Mutter und Großeltern gelehrt haben. In der Zwischenzeit wird klar, dass Obama viel Wert auf die religiösen Wähler im Land legen wird. Er hofft auf liberale und moderate Kirchengänger die eine weitere Vergrößerung der Klassenunterschiede stark ablehnen und sich in dieser Wahl gegen einen Konservativen entscheiden könnten.
Und so schreitet der parallele Wahlkampf der Beiden dahin. Bis zur Parteiversammlung sind es noch zwei Monate, und ab dann darf man auch Umfragen Ernst nehmen in denen Barack Obama in der letzten Zeit oft große Vorteile vorhergesagt wurden.





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