Ein Stopp in Kuwait, ein kurzes Basketballspiel mit den Soldaten vor Ort, und dann weiter Richtung Afghanistan. Barack Obamas 1-wöchige Auslandsreise hat nach vielen Spekulationen, Berichten und Kontroversen nun endgültig begonnen. Dabei wird er im ersten Teil neben Afghanistan auch den Irak, Jordanien und Israel besuchen, bevor er dann Mitte der nächsten Woche in Frankfreich, Deutschland und England erwartet wird. Am Donnerstag wird er an der Siegessäule in Berlin seine einzige öffentliche Rede dieser Informationsreise halten.
Für Barack Obama beginnt damit ein Ausflug mit viel Potential, aber auch mit vielen Gefahrenstellen. Anders als bei den letzten Auslandsreisen seines Gegners, John McCain, wird ihm die volle Aufmerksamkeit der nationalen und internationalen Presse gewiss sein. Die drei großen Fernsehstationen ABC, CBS und NBC schicken alle ihre Hauptnachrichtensprecher, die ihre Sendungen live von seinen Besuchsorten aus moderieren werden; nationale Zeitungen wie die New York Times und Washington Post entsenden ihre Star-Journalisten um den Senator auf Schritt und Tritt zu verfolgen.
Sie alle greifen aber erst in Jordanien ins Geschehen ein, da der Presse aus Sicherheitsgründen so gut wie keine Informationen über seine Besuche in Afghanistan und Irak vorliegen. Fotos von seinem Basketballspiel in Kuwait und seiner Ansprache vor Landsleuten in Kabul lieferten Soldaten. Obama will vor allem das Image des „Zuhörers“ in die beiden Kriegsländern zur Schau stellen. Sein Gegner, John McCain, hatte ihm vor seinem Ausflug vorgeworfen mit zu viel Vorurteilen in die Region zu fliegen.
McCain weiß auch, dass in den nächsten Tagen sein Verlangen nach Aufmerksamkeit auf eine harte Probe gestellt werden wird, und so veröffentlichte er kürzlich den ersten Werbespot der Obama direkt kritisiert und beim Namen nennt. Es sind die alten Vorwürfe der Republikaner gegen Demokraten: Sie wollen nicht unsere Soldaten finanzieren und tun nicht genug für unsere Nationale Sicherheit. Die Kampagne steht vor einer schweren Aufgabe, da sie lange einen Besuch von Obama in den Krisenregionen gefordert hatte und nun zusehen muss wie sie zum Medienspektakel ausartet.
Obama muss im Nahen Osten den verunsicherten Wählern der USA zeigen, dass er das Land in militärischen Angelegenheiten führen kann. Er schlägt zusätzliche 7,000 Soldaten in Afghanistan vor, die nach einem Rückzug aus Irak wieder zur Verfügung stehen könnten. Für seinen Rückzugsplan bekam er unlängst Unterstützung vom Irakischen Ministerpräsident, seinen Fokus auf Afghanistan halten unter Anderen Präsident Bush und Senator McCain für eine gute Idee.
In Europa wartet jedoch seine größten potentielle Falle. Es ist ein Drahtseilakt aus einer neuen Ära der transatlantischen Beziehungen und einer traditionell amerikanischen Wählerbasis zu Hause. Dabei muss er es vermeiden als Europas favorisierter Kandidat zu erscheinen, da ihm das einige Wähler übel nehmen könnten. John Kerry galt vor vier Jahren als zu „französisch“ und die konservativen Werbemacher freuen sich sicherlich schon auf Fotos von Obama beim Baguette mit Sarkozy, oder kreischenden Deutschen vor der Siegessäule.
Es wird für Obama und seine Strategen eine Herausforderung diese Bilder und Geschichten zu kontrollieren, vor allem wenn die ganze Welt auf ihn schaut. Ich kann nur empfehlen genau auf die Fotos und Zitate zu achten die wir von diesem Ausflug erhalten werden. Es wird viel darüber aussagen wie sich Obama seinen Wähler zu Hause präsentieren will. Ein international beliebter Staatsmann der ihre Interessen vertritt.
> Christoph von Marschall: "Wahlkampf in Afghanistan" (Tagesspiegel)





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