Wenn vorher schon keiner wusste, wer von den Republikanischen Kandidaten einen Vorteil haben könnte: nach der Wahl in Michigan ist das Rennen um die Nominierung der Partei offener als je zuvor.
Was waren die Vorraussetzungen:
John McCain zog von New Hampshire nach Michigan als der große Gewinner, der Mann mit dem meisten Schwung. Mitt Romney auf der anderen Seite musste in seinem Heimatstaat endlich beweisen, dass er eine wichtige Wahl gewinnen kann. Mike Huckabee kam in den Norden des Landes um neben den Christen auch einige Wähler der Arbeiterklasse zu gewinnen. Alle drei brauchten sie ein gutes Ergebnis für die anstehende Wahl in South Carolina.
Romney besann sich im Wahlkampf in Michigan zum ersten Mal auf seine Wurzeln als erfolgreicher Geschäftsmann, der in Krisenzeiten den Umschwung schaffen kann. Anders als in Iowa und New Hampshire verzichtete der ehemalige Gouverneur auf negative Werbung die seine Gegner attackierte, und konzentrierte sich vollkommen auf seine Stärken und die Wirtschaftskrise im Automobilstaat. Es war fast so als würde er für das Amt des Präsident von Michigan kandidieren und nicht für das gesamte Land.
McCain fuhr dieselbe Strategie wie in den Tagen und Wochen zuvor: Erzähl die Wahrheit, egal wie viele sie nicht hören wollen. In Michigan, dem Staat mit der höchsten Arbeitslosenquote im Land, beichtete er den Leuten, dass viele ihrer Jobs nicht zurückkehren würden und er sich um Alternativen bemühen müsste. Mitt Romney fand darin eine Gelegenheit und nutzte sie. Er würde um jeden Job kämpfen und sie nicht verloren geben wie die Washington-Leute – sprich McCain.
Huckabee hoffte in Michigan auf einen ebenso großen Wähleranteil der Christen wie in Iowa. Mit seinen populistischen Aussagen zur Wirtschaft wollte er dem unglaubwürdigen Romney ebenfalls ein paar Stimmen wegnehmen.
Wie lautet das Ergebnis:
Romney gewinnt aufgrund der Wirtschaft und wegen einem großen Anteil an konservativen Wählern. 55 Prozent der Befragten nannten die Wirtschaft als wichtigstes Thema und wählten Romney mit 42-29 Prozent gegenüber McCain. In Iowa war die Wirtschaft nur für 26 Prozent der Wähler das Topthema.
68 Prozent bezeichneten sich als Republikaner und wählten Romney mit 41-27 gegenüber McCain. Die Anzahl der Republikaner war vor acht Jahren lediglich 48 Prozent, und damals gewann McCain gegen George W. Bush, vor allem wegen einer großen Unterstützung unter den Unabhängigen und den Demokraten.
John McCain kann also weiterhin nicht die Basis seiner Partei gewinnen. In Michigan war er Favorit unter Wählern die den Irak-Krieg für eine falsche Entscheidung halten, für das Recht zur Abtreibung tendieren, und negativ über den Präsidenten denken. Alles andere als ein typisch konservativer Wähler also.
Wer mit einem Heimspiel Bonus für Mitt Romney rechnete, der im Staat geboren ist und dessen Vater hier einst Gouverneur war, der lag richtig. Immerhin 42 Prozent nannten die Herkunft von Romney als wichtiges Kriterium, und wählten ihn mit 58 Prozent. Und selbst unter den Christen war der Mormone Romney erfolgreicher als erwartet. Mit 34 Prozent holte er sogar mehr als der ehemalige Priester Mike Huckabee.
Diesmal schien die Strategie des notorischen Zweitplatzierten Romney endlich aufzugehen. In den Tagen nach New Hampshire beendete er alle Werbespots in South Carolina und konzentrierte sich vollkommen auf Michigan. Wähler, die erst in den letzten Tagen eine Entscheidung fällten, gaben Romney ihre Stimme.
John McCain’s Niederlage in Michigan sollte nicht unterschätzt werden. 2000 gewann er hier mit 56 Prozent der Stimmen gegen Bush - ein Einbruch von satten 26 Prozent. Er konnte weder die Republikanischen Wähler überzeugen, noch die Unabhängigen und Demokraten dazu bewegen in großer Anzahl zu erscheinen. In einem Staat indem die Wahl der Demokraten nichts bedeutete, hatte der Senator auf viele Stimmen aus dem Lager der Moderaten gehofft.
Wie geht das Rennen weiter:
Die Wahl hat mehr Fragen offen gelassen als sie beantworten konnte. Die Republikanischen Wähler können und wollen sich auf keinen Kandidaten festlegen. Sie wollen nicht, weil sie immer noch nicht das Gefühl haben ihre Auswahl zur Genüge zu kennen. Es scheint fast so als wolle das konservative Amerika die Nominierung so weit wie möglich hinausziehen, um ihre Auswahl noch besser analysieren zu können.
Mitt Romney verlässt seinen Heimatstaat mit einem wichtigen Sieg. Es wird sich aber zeigen inwieweit er diesen in South Carolina und Florida in Stimmen verwerten kann.
Huckabee wird in South Carolina mit Fred Thompson um die Stimmen der Christen kämpfen müssen. Der ehemalige Senator aus Tennessee und Schauspieler hat bisher in keinem der bisherigen Wahlen einen ernsthaften Wahlkampf betrieben und griff Huckabee zuletzt scharf an. Romney hat zwar gezeigt, dass er unter den Christen gewinnen kann, allerdings sollte man den Nordstaat Michigan nicht mit dem Südstaat South Carolina vergleichen.
Für John McCain ist der Kampf um die Nominierung schwerer geworden. In South Carolina gibt es viele Wähler die ihm seinen Wahlkampf gegen Bush vor acht Jahren immer noch übel nehmen. Er hofft dort auf viele Stimmen der Kriegsveteranen, wird aber wegen seiner Immigranten- und Steuerpolitik einen schweren Stand haben.
Der Gewinner der Wahl in Michigan könnte Rudy Giuliani sein. Obwohl er mit 3 Prozent der Stimmen erneut hinter Ron Paul lag, fokussiert sich die Strategie des ehemaligen Bürgermeisters vor allem auf Florida und die Wahlen am 5. Februar. Solange das Wahlvolk bis Florida keinen Kandidaten zu finden scheint, bleiben die Chancen von Giuliani groß.
Laut CNN’s Gloria Borger, könnte der Verlierer des letzten Abend das Portemonnaie von Mitt Romney sein, denn der Multimillionär hat bereits viel von seinem privaten Geld in den Wahlkampf gesteckt. In den kommenden Wochen wird man wegen des intensiven Wahlkalenders vor allem auf teure Fernsehspots zurückgreifen müssen. Bislang gab Romney mehr Geld für Werbespots aus als jeder andere Kandidat.
> Michigan Primary Exit Polls (CNN)
> Christina Otten: "Michigan stürzt Republikaner ins Chaos" (Handelsblatt)





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