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Gesucht: Der Spitzenkandidat

Drei Vorwahlen, drei Sieger, und immer noch haben mindestens fünf Kandidaten reelle Chancen auf die Nominierung ihrer Partei. Anders als bei den Demokraten ist das Rennen der Republikaner trotz der ersten Wahl-Ergebnisse immer noch undurchsichtig und das liegt vor allem an den unterschiedlichen Strategien der Kandidaten.

Mitt Romney geht dabei den eher klassischen Weg in einer Vorwahl-Saison. Da die Staaten nicht am selben Tag, sondern verteilt über mehrere Monate ihre Stimmen abgeben, war es in der Vergangenheit ratsam in den ersten Wettbewerben zu gewinnen. Mit einem Sieger-Image, und der dadurch gewonnenen Aufmerksamkeit in den Medien war es von da an ein leichtes die nachfolgenden Staaten auf seine Seite zu bringen und die Nominierung sicher zu stellen.

Der ehemalige Gouverneur aus Massachusetts spendete von Beginn an viel Zeit und vor allem Geld in Iowa und New Hampshire und sah sich durch die erfolgreichen Umfrage-Werte in seiner Strategie bestätigt. Dem amerikanischen Wahlvolk vor allem bekannt durch seine Arbeit an den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City, konzentrierte Romney sich auf seine Macher-Qualitäten als erfolgreicher Geschäftsmann und hoffte durch ein paar Ideologie-Umschwünge in der konservativen Basis zu punkten.

Jedoch hat Romney nun ein großes Problem: seine Strategie ging nicht auf. Weder Iowa, noch New Hampshire konnte er gewinnen und nun steht er in seinem Heimatstaat Michigan bei der Wahl am Dienstag vor der vielleicht letzten Chance. Sollte er auch dort, im Bundesstaat den sein Vater einst regierte, entweder hinter McCain oder Huckabee zurückbleiben, wird er als großer Verlierer der ersten Wahlen keine Chance mehr auf ein Comeback haben.

Mike Huckabee hofft bei seiner Strategie weniger auf die ersten Wahlen, sondern auf zwei bestimmte Gruppen unter den Republikanischen Wählern. Da wären vor allem die Christen, die der ehemalige Pfarrer umwirbt und die bisher in der Nominierungs-Geschichte eine große Rolle spielten – da brauch man nur Präsident Bush fragen. Die hohe Wahlbeteiligung dieser Gruppe bescherte ihm in Iowa einen ersten Sieg und wird auch in South Carolina am nächsten Samstag für gute Chancen sorgen.

Eine zweite Gruppe wird für den ehemaligen Gouverneur aus Arkansas vor allem in Michigan wichtig werden: Die konservative Arbeiterklasse. Bislang konnte er mit populistischen Standpunkten zum Thema Steuern und Regierungsgewalt im Staat der gebeutelten Autoindustrie viele Punkte sammeln. Obwohl Huckabee in Sachen Finanzen dem Multimillionär Romney nicht das Wasser reichen kann, so ist er trotzdem im Rennen um die Nominierung – mindestens noch bis South Carolina.

John McCain hat, wie schon berichtet, einiges durchgemacht. Als Kandidat des Etablissements war er früh im Rennen Favorit, vor allem als die Terrorbekämpfung und die Lage im Irak dem Kriegshelden die nötige Erfahrung als obersten Befehlshaber zusprach. Dem Kandidaten vom Jahr 2000 gingen aber schnell die Argumente aus, als mit Rudy Giuliani ein anderer auf nationaler Ebene sein Thema aufgriff und Mitt Romney die Umfragen der ersten Wahlen zu dominieren schien.

Trotz Erfolg in New Hampshire ist McCain noch lange nicht in der Basis der Republikaner angekommen. Seine Einwanderungspolitik ist immer noch unbeliebt und der Senator aus Arizona hofft in seiner Strategie vor allem auf die Stimme der unabhängigen Wähler. Die so genannten „Independents“ können in Vorwahlen bei beiden Parteien mitwählen und sind in Staaten wie New Hampshire und Michigan der größte Wählerblock. Gute Chancen also für McCain am nächsten Dienstag. Diesen Erfolg wird er jedoch brauchen um ein paar Tage später im konservativen South Carolina gegen Huckabee zu bestehen.

Fred Thompson war in einem Vakuum im Frühjahr und Sommer von 2007 einer der großen Favoriten auf die Nominierung. Der Schauspieler und ehemalige Senator aus dem Südstaat Tennessee lag in Umfragen sehr weit vorne, obwohl er noch nicht einmal offiziell im Rennen war. Die christliche Fraktion der Partei war zu diesem Zeitpunkt mehr als unzufrieden mit ihrer Auswahl zwischen einem Gouverneur aus dem liberalen Massachusetts (Romney), einem Bürgermeister aus der Sündenstadt New York (Giuliani) und dem langjährigen Parteigegner (McCain) des geliebten Präsidenten Bush.

Als Thompson im Spätsommer offiziell seine Kandidatur in der Late-Night-Show von Jay Leno bekannt gab, fragten sich bereits viele Experten ob er nicht zu lang gewartet habe. Es wurden Stimmen laut, dass Thompson für den erforderlichen Haustür-Wahlkampf von Iowa und New Hampshire schlicht und einfach zu faul war. Durch den Sieg von Huckabee in Iowa und dessen Unterstützung der Christen wird es für Thompson mehr als schwer werden.

Für Thompson, dem „Sohn des Südens,“ bleibt South Carolina die letzte Chance, aber eine Gute. Der Süden der USA ist traditionell eine Festung der Republikaner und South Carolina, als erster Südstaat auf dem Wahlkalender, wählte bislang immer den späteren Sieger der Nominierung. Thompson zeigte sich in der gestrigen Debatte angriffslustig gegenüber Huckabee und bewies damit, dass er den Wahlkampf noch nicht aufgegeben hat.

Rudy Giuliani, hingegen, kümmert sich nicht um South Carolina, oder Iowa, New Hampshire und Michigan. Der ehemalige Bürgermeister aus New York führte bis vor kurzem die nationalen Umfragen an und hat, wenn man Experten fragt, eine sehr unkonventionelle Strategie auf dem Weg zur Nominierung.

Während Mitt Romney und der Rest der Kandidaten sich in den ersten Staaten bekämpfen, wartet Giuliani auf den 5. Februar, an dem 21 Staaten ihr Vorwahl abhalten und an diesem Tag die Nominierung wohl entscheiden. Ein Wahl-Sieg in Florida am 29. Januar soll ihm den notwendigen Schwung zu diesem „Super Dienstag“ geben, wo er sich in Staaten wie New York, New Jersey und Kalifornien gute Chance ausrechnet.

Giuliani und seine Strategen wissen, dass er mit seinen sozialen Standpunkten in der Basis nicht gut ankommt. Sie bauen auf seine Glaubwürdigkeit im Kampf gegen den Terror und werden nicht Müde seine Heldentaten in New York am 11. September 2001 zu erwähnen. Giuliani ist ebenfalls nicht gut für den traditionellen Wahlkampf geeignet, kann aber in TV-Spots überzeugen. Diese sind an einem Tag wie dem 5. Februar gefragt, denn keiner der Kandidaten wird es schaffen durch persönliche Wahlkampfauftritte in 21 Staaten auf Stimmenfang zu gehen.

Während sich also Giuliani in den ersten Wahlen nie unter den fünf Besten platzierte, hat er allein schon alle Chancen weil es seine Strategie nicht anders voraussieht. Er ist mindestens bis zum 5. Februar im Rennen - komme was da wolle. Die Frage ist ob er sich nicht dann, als Verlierer abgestempelt, schon alle Chancen verbaut hat.

Für die Kandidaten wird es sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen wo die Fahrt aufhört. Dank des speziellen Wahlsystem, haben sie sich die Weichen dahin aber schon längst gestellt.

 
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