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Ein Mann für sein Land

Manchmal kann man versuchen Dinge zu beschreiben und läuft dabei Gefahr sie nicht vollkommen wieder- zugeben. In seltenen Momenten brauch man sie lediglich zu zeigen - in diesem Fall den Werbespot von John McCain, seinem ersten für die Hauptwahl gegen seinen Gegner aus der Demokratischen Partei. Mit diesem Spot wird deutlich warum der Senator aus Arizona im November eine mehr als gute Chance haben wird zum 45. Präsidenten der USA gewählt zu werden. Es beschreibt genau jenes Amerikanische Phä- nomen, welches die Deutschen nie richtig verstanden haben.

 

In dem Spot beginnt McCain in einer Rede zu tosendem Applaus mit den Worten: "Bewahrt den Glauben. Behaltet euren Mut. Haltet zusammen. Bleibt stark. Ergebt euch nicht. Tretet hervor. Wir sind Amerikaner. Und wir werden niemals kapitulieren." Zu Bildern von McCain heute und damals als Soldat fragt danach eine tiefe Stimme: "Was muss ein Präsident über uns denken? Über Amerika? Das es wert ist, es zu verteidigen? Das Freiheit unbezahlbar ist? Unsere Leute: ehrenhaft? Unsere Zukunft: wohlhabend, außergewöhnlich und frei?

 

"Und, was müssen wir über diesen Präsidenten glauben? Was denkt er? Wo ist er gewesen? Hat er die Erfahrung?" Abschließend sieht man McCain als gefangener Soldat im Vietnam als er im Bett liegend, sichtlich geschwächt Fragen zu seinem Rang und seiner offiziellen Nummer beantwortet. Die Stimme spricht über der Einblendung seines Namens: "John McCain. Der amerikanische Präsident auf den Amerika gewartet hat."

 

Im Moment konzentriert sich nicht nur die amerikanische Presse auf das enge Rennen der Demokraten, sondern auch die Medien in Deutschland scheinen vergessen zu haben, dass die Präsidentschaft nicht zwischen Hillary Clinton und Barack Obama, sondern zwischen John McCain und einem Demokraten entschieden wird. Es ist nicht außergewöhnlich, dass man mit der aktuellen Wirtschaftslage, oder unbefriedigenden Situation im Irak einen Wechsel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erwartet. Jedoch entscheiden die amerikanischen Wähler, aus europäischer Sicht, nicht immer rational wenn es um ihren obersten Befehlshaber geht. Sie wollen Typen wie Bill Clinton oder George W. Bush – Anführer, die sich aber nicht auf eine höhere Stufe stellen.

Wie sonst könnte man einen Wahlsieg eines unerfahrenen Gouverneurs Bush aus Texas über einen Vizepräsidenten und Kriegsveteranen wie Al Gore erklären? Oder die Niederlage eines gewürdigten Senator und Veteran John Kerry. Oder den Wahlsieg eines charismatischen Gouverneur Clinton aus Arkansas über den amtierenden Präsidenten Bush Sr.? John McCain ist genau dieser besondere Typ, den wo andere gerne Biographien schreiben, bietet seine Lebensgeschichte gleich den Stoff für Kinofilme.

Während alle Umfragen, bei denen sich Wähler zwischen Demokraten und Republikaner entscheiden müssen, ziemlich deutlich für die Partei von Clinton und Obama ausfällt, so zeichnet sich das direkte Duell – Clinton gegen McCain, Obama gegen McCain – eindeutig enger ab. Mit der Fehlerquote könnte man zurzeit bei beiden Paarungen von einem statistischen Unentschieden reden. Natürlich will das Land den Wechsel nach acht Jahren Bush, jedoch könnte dieser Wechsel auch John McCain heißen und genau das versucht der Senator den Wählern im Land gerade klar zu machen.

In einer aktuellen Rundfahrt durch das Land, mit den Namen „Dienen für Amerika,“ beleuchtet McCain seine biographischen Wurzeln und besucht seine Militärstationen in Florida und der Akademie der Navy. Er zeigt Presseleuten ein Feld im Bundesstaat Mississippi, das nach seinem Vater, ebenfalls einem Navy-Piloten, benannt wurde. Er redet dabei immer wieder gerne über seinen selbstlosen Dienst für das Land in dem er aufgewachsen ist. Er stellt sich einem amerikanischen Publikum vor, dass bisher nur seine aktuellen Positionen kennt, allerdings nicht seine Vergangenheit.

Diese Strategie halten Wahlstrategen für wichtig, wissen aber auch, dass es nicht alles ist. Genau wie man die letzten Wahlen im Sinne für McCain erklären kann, so könnte man sie auch gegen ihn auslegen. Die Niederlagen von Bush Sr., Dole, Gore und Kerry haben in den letzten 20 Jahren gezeigt, dass die Leute lieber nach vorne schauen als nach hinten. Sie wollen wissen wo der Mann sie hinführt. Das ist ein schmaler Grat den auch Barack Obama noch beschreiten muss. Er bietet eben diesen Blick in die Zukunft, allerdings scheint ihm dabei jede neue Entdeckung aus seiner Vergangenheit zu schaden. McCain hat im Gegensatz zu ihm genug Zeit den richtigen Weg zu finden.

Am Ende wählen die Leute mit ihrem patriotischen Herz und ihrem Bauchgefühl, aber nur selten mit dem Verstand. Es wird Zeit für uns diese Realität endlich zu begreifen und uns auf ein vollkommen offenes Rennen einzustellen – zwischen John McCain und einem Kandidaten der Demokratischen Partei.

 

> Interaktive Graphik zu John McCain's Leben (NYT)

> McCain's überraschender Auftritt bei David Letterman vom 1. April (YouTube)

 
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