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Die Macht der Bilder

Von Barack Obama hat die Presse schon jedes erdenkliche Foto veröffentlicht bei dem der Präsidentschaftskandidat in positives Licht gerückt ist: Vor abertausenden von Menschen bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen im Frühjahr; eins mit mächtigen Politikern wie Teddy Kennedy, John Edwards oder Hillary Clinton; lächelnd mit seiner Hochglanz-Familie; oder dynamisch auf einem Basketball Feld. Das Team um Obama lieferte den Pressefotografen nur die richtige Leinwand, die Medien dankten es mit einem erinnerungswürdigen Foto nach dem anderen.

Fragt man die Wähler der USA nach Eigenschaften der beiden Kandidaten dann taucht „unerfahren“ bei Obama oft auf. Zu oft wenn man seine Kampagne fragt und deswegen bot der Auslandstrip des Senators aus Illinois auch die Chance ein paar neue Bilder in die Vorstellung der Amerikaner zu senden. Dynamisch ja, lächelnd auch, aber vor allem wie ein Oberbefehlshaber sollte der jüngste Kandidat der Wahlsaison erscheinen und seinen Wählern zu Hause das letzten Quäntchen Unsicherheit über seine Führungsqualitäten nehmen. Bisher, das darf und muss man von der McCain-Seite anerkennen, ist das dem Demokraten mit großem Erfolg geglückt.

So sah man ihn nicht nur mit General Petraeus im Helikopter über Baghdad, sondern bei Gesprächen mit Staatsführern Karzai, Maliki oder Talabani. Seinen Gegner, John McCain, durfte man hingegen beim Ausflug mit Ex-Präsident George Bush Senior im Golfwagen beobachten. Zwei weiße, träge Männer jenseits der 70: alles andere als das geeignete Kontrastprogramm zu Obamas „Fotoreise,“ wie sie McCain-Berater bezeichnet hatten.

Den Republikanern halfen vor vier Jahren Bilder den Demokraten John Kerry als realitätsfremden Elitären zu brandmarken als sie Fotos von seinem Ausflug auf dem Windsurf-Brett in Werbungen verwendeten. Da stand er also: der zukünftige Mann am roten Knopf – auf einem Surfbrett. 1988 war es für Michael Dukakis, ebenfalls Demokrat, ein Panzer der ihm zum Verhängnis wurde. Mit Helm aus der Panzerluke herausschauend, ließ der hügelige Parcours den Kopf des Kandidaten hin und her schaukeln und sorgte für urkomische Aufnahmen.

Dieses Jahr bekamen Bilder von Obama auf der Bowlingbahn zwar die notwendige Aufmerksamkeit, gebrandmarkt haben sie ihn jedoch nicht, denn für jeden schlechten Bowlingwurf gab es einen besseren beim Basketball - zuletzt sein erfolgreicher Drei-Punkte Wurf zu grölendem Jubel auf der Militärbasis in Kuwait. McCain kann mit ähnlichen Fotos nicht punkten, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Leute sind vom Senatoren-Veteran gewöhnt, dass er die Hände von hochrangigen Gastgebern schüttelt. In Sachen Auslandsahngelegenheiten liegt er zwar vorn, kann dadurch aber auch kein Boden mehr gut machen. Sein jüngerer Konkurrent aber schon.

Dabei hilft Obama wie immer das Glück des richtigen Moments. In derselben Woche in der er die Kriegsgebiete der USA besucht, wartet der Irakische Ministerpräsident indirekt mit der Unterstützung seines Abzugsplanes auf. Auch der Irak hätte gerne bis 2010 sämtliche Amerikanische Streitkräfte von seinem Boden, und stellt McCain damit unter Druck. Der will sich zu ähnlichen Ankündigungen nämlich nicht hinreisen lassen und kritisierte bislang die naive und vorschnelle Taktik seines Gegners.

Der schwierigste Teil ist überstanden. Nun geht es für Obama auf seine durchgeplante Reise durch die Partnerländer Jordanien, Israel, Deutschland, Frankreich und England. War er bislang offiziell als U.S.-Senator auf einer Delegationsreise, kann sein Beraterstab nun jeden Auftritt und dessen Ablauf genau kontrollieren. Dabei können wir noch mehr auf die Bilder achten und dessen Konstruktion bewundern, denn schmeicheln werden sie dem Kandidaten so oder so.

 
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