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Der Schutzwall mit Namen New Hampshire

 

Im Januar 2007 sahen es die Experten genauso voraus: Hillary Clinton gewinnt die Vorwahl der Demokraten in New Hampshire, John McCain wird dort Sieger der Republikaner. Die zweite, bzw. dritte Vorwahl beider Parteien sollte einen Schutzwall für die etablierten Senatoren Clinton und McCain darstellen. Egal wie die vorherigen Abstimmungen in Iowa und Wyoming abliefen, sollte diese Wahl ihnen hingegen sicher sein und sie damit zur Nominierung führen.

Ergebnisse wie am letzten Wahlabend im fünftkleinsten Staat der USA sehen daher wenig überraschend aus - könnte man meinen. Wenn man sich allerdings die Entwicklung des letzten Jahres anschaut liegt man mit dieser Annahme falsch.

Nach einer steten Führung in den Umfragen zu Beginn des Jahres fand sich John McCain im Sommer plötzlich ganz allein auf dem Flughafen in New Hampshire ein. Seine Spendenkasse war fast leer und neue Gelder auch nicht in Aussicht. Der Kriegsveteran reiste von da an allein in der Holzklasse auf Linienflügen und ließ sich an Wahlkampf-Stopps von freiwilligen Helfern herumfahren. Die Mehrheit der Strategen wurde entlassen, der Wahlkampfbus verkauft.

Für Hillary Clinton kam dieser Tiefpunkt sehr viel später. Noch im September führte sie in New Hampshire laut Umfragen mit 15% vor Barack Obama. Der Schutzwall schien zu halten, obwohl die Unterstützung in Iowa bereits bröckelte. Seit der Niederlage dort in der letzten Woche und der klaren Stimmung des Umbruches sah es auch in der Festung nicht mehr so sicher aus. Am Wochenende zeigten die neuesten Umfragen Obama mit einem zweistelligen Vorsprung vor der ehemaligen First Lady. Eine Niederlage für Clinton und McCain, so waren sich sowohl die Presse als auch die Strategen einig, würde für eine kleine Vorentscheidung sorgen.

Wie haben es die alten Profis des Geschäfts also doch noch geschafft, lautet die Frage. – Indem beide zum richtigen Zeitpunkt zu sich selbst fanden.

Der älteste aller Kandidaten, John McCain, fühlte sich noch nie wohl als Spitzenreiter. Im Jahr 2000 besiegte er als Außenseiter den damaligen Gouverneur George W. Bush in New Hampshire mit 14%. Sein „Straight Talk Express“ rollte damals durch das Land und verkündete unkonventionell die Wahrheit, ganz gleich wie es das Wahlvolk aufnahm. Er fand viele Sympathien in dieser Rolle des „Maverick“, und genau in diese Funktion wurde er in jenen Krisen-Tagen im Sommer zurück gezwungen.

Auch Clinton öffnete sich den Wählern im richtigen, vielleicht letzten Moment. Abgestempelt als kalte, berechnende Kandidatin, die dem jungen, hoffnungsfrohen Wahlsieger aus Iowa das Wasser nicht reichen konnte, vergoss sie auf einem Wahlkampfstopp in New Hampshire am Wochenende Tränen. Ob letztendlich geplant oder nicht – und diese Stimmen gibt es auch - gefiel das Bild vor allem den Frauen im Bundesstaat, die erst in den letzten Stunden ihre Entscheidung trafen. Frauen von jung bis alt gaben diesmal, anders als in Iowa, der Senatorin den Sieg.

 

Eigentlich hätte es Senator Obama bereits um 0:06 Uhr in der Nacht vor dem Wahltag wissen müssen. Um diese Zeit gab die Gemeinde Dixville Notch in New Hampshire in alter Tradition ihre Wahl-Ergebnisse bekannt. Von insgesamt 10 Stimmen fielen 7 auf den Senator aus Illinois, keine davon auf Hillary Clinton. Bis auf Bill Clinton hat der Sieger in der Stadt nahe der kanadischen Grenze seit 1984 nicht die Wahl im gesamten Bundesstaat gewinnen können.

Aberglaube war auch im Camp von John McCain im Mittelpunkt. Der Sieger vom Jahre 2000 buchte dasselbe Hotelzimmer, trug den gleichen Pullover und mietete denselben Festsaal wie acht Jahr zuvor. Allerdings wird auch McCain wissen, dass in den letzten beiden offenen Wahlen – 1996 und 2000 – der Zweitplatzierte von New Hampshire die spätere Nominierung der Partei gewann. Der heißt diesmal Mitt Romney.

Der hier für lange Zeit als Favorit geltende Romney versuchte nach dem Iowa-Sieg von Obama auf den Zug des Wandels aufzuspringen, schaffte dies laut der Wähler-Umfragen aber nur bedingt. Die Hälfte der Republikanischen Wähler denkt negativ über Präsident Bush, und wählte mehrheitlich John McCain. 37% hingegen sind gegenüber dem obersten Befehlshaber positiv eingestimmt, und wählten mehrheitlich Romney. Ein schlechtes Zeichen für einen Kandidaten der mit dem Spruch „Washington ist beschädigt“ auf Wählersuche geht.

Fakt ist, die alte Garde ist noch am Leben, aber nur weil sie gelernt hat zu sich zu finden und sich den Bedingungen anzupassen. Sah man hinter Hillary Clinton auf der Bühne in Iowa noch ältere Politiker wie Madeleine Albright, Bill Clinton und Wesley Clark stehen, zeigten sich diesmal im Fernseher hinter der Senatorin sieben junge Leute, sechs davon Frauen.

Das Rennen ist heute Nacht nochmal spannender geworden, aber eines steht jetzt schon fest: Die Amerikaner sind wie nie zuvor in diesem Prozess involviert. 63% mehr Wähler in Iowa und sogar 74% mehr Beteiligung in New Hampshire im Vergleich zu 2004. Die nächsten Wahlen kommen schon nächste Woche in Michigan für die Republikaner, die Demokraten können sich erstmal 10 Tage bis Nevada ausruhen. Wir hingegen bleiben am Ball.

 

> Markus Günther: "Rennen zwischen Obama und Clinton wieder offen" (DerWesten)

> Klaus-Dieter Frankenberger: "Nichts ist entschieden" (FAZ)

> Christina Bergmann: "Das Comeback der Hillary Clinton" (DW)

 
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