Wenn es darum geht wer denn der nächste Präsident des Landes wird, rückt die Amerikanische Hauptstadt erst wieder am 20. Januar 2009 in den Mittelpunkt des Geschehens. An diesem Tag wird der 44. Präsident die Pennsylvania Avenue herunterfahren um vor dem oben abgebildeten Capitol seinen Schwur abzulegen. Ob es dann zum ersten Mal ein Afroamerikaner, eine Frau, oder doch ein Kriegsveteran ist, wird sich noch zeigen. An diesem Dienstag jedoch sind die Bewohner der Stadt, und ihre Nachbarn in Virginia und Maryland erstmal zur Vorwahl aufgerufen – in einer wichtigen obendrein.
Für die Republikaner um John McCain geht es nicht mehr darum ob, sondern wann der Senator die Marke von 1,091 Delegierten passiert um sich die Nominierung endgültig zu sichern. Auf der Seite der Demokraten könnte Barack Obama entweder mit sieben Siegen in Folge eine Erfolgsserie starten, oder Hillary Clinton mit einem Überraschungssieg in Virginia wieder einmal beweisen, dass man sie einfach nicht abschreiben sollte.
Dieser Schwung, den ein Kandidat nach einer Reihe von Siegen normalerweise ausnutzt um recht schnell zur Nominierung zu kommen, konnte sich bisher keiner der beiden demokratischen Spitzenkandidaten für lange Zeit gutschreiben. Mit den letzten Erfolgen in Louisiana, Washington und Nebraska und guten Aussichten in den drei anstehenden Wahlen kann Obama allerdings zum ersten Mal auf eben diesen Schwung bauen, um Hillary Clinton in großen Staaten wie Ohio, Texas und Pennsylvania näher zu kommen. In nationalen Umfragen überholte der Senator aus Illinois die ehemalige First Lady bereits – zum ersten Mal überhaupt.
In der Hauptstadt selbst gibt es an seinem Sieg keine Zweifel. Etwa 6 von 10 Einwohner sind Afroamerikaner, und der Bürgermeister der Stadt unterstützt Obama ebenfalls. In der proportionalen Vergabe kommt es dem Team um Hillary Clinton lediglich darauf an, ihre Niederlage so gering wie möglich zu halten. Nach letzten Hochrechnungen führte sie knapp in der Delegiertenzahl und könnte es trotz der möglichen Niederlagen auch noch am Mittwoch.
Auch Maryland ist dem jungen Senator sicher, da hier nicht nur 30 Prozent der Bevölkerung Afroamerikaner sind, sondern auch ein großer Anteil Studenten. Diese und andere bescherten Obama am Montag 19,000 Besucher bei einer Wahlkampveranstaltung auf dem Gelände der örtlichen Universität. Vor allem die erhöhte Wahlbeteiligung von jungen Wählern war bisher ein Erfolgsrezept der Kampagne das sich fortzusetzen scheint. „Nur Obama und der Papst,“ meinte ein Besucher der Veranstaltung auf die Frage wer so ein großes Publikum anziehen könnte.
Der dritte Staat der „Potomac-Vorwahlen“ - Virginia - ist der auf den sich alle Augen richten werden. Auch hier führt Obama mit 15 Prozent in den letzten Umfragen, jedoch gilt Virginia mit seinen unterschiedlichen Regionen als gutes Barometer für die Wählbarkeit der Kandidaten im November.
Der Norden, mit seiner Nähe zur Hauptstadt, gilt als Region der Besser-Verdiener und Gut-Ausgebildeten – eine Gruppe für Obama. Die Hauptstadt des Staates, Redmond, hat einen großen Anteil an Afroamerikanern, ihre Vororte wiederum gelten als konservatives weißes Amerika – Vorteil offen. Im ländlichen Südwesten dominieren die sozial Konservativen, im Südosten lebt ein großer Anteil an Afroamerikanern, aber auch Militär-Veteranen. Wie sich diese Regionen entscheiden, könnte ein Signal senden was in wichtigen Staaten wie Ohio, Texas und schließlich Pennsylvania in den kommenden Monaten zu erwarten ist.
Aus diesem Grund standen bei den Reden der beiden Kandidaten vor allem ihr potentieller Gegner, John McCain, im Vordergrund. Virginia wählte zwar in den letzten 56 Jahren immer den Republikanischen Kandidat in der Hauptwahl (Johnson war 1964 die berühmte Ausnahme) doch haben sich in den letzten Jahren mit zwei gewählten Gouverneuren und einem Senator die Zeichen im Südstaat für die Demokraten etwas gedreht.
83 Delegierte werden in Virginia vergeben, 85 in Washington D.C. und Maryland zusammen. Hillary Clinton führt mit derzeit 24 Delegierten (inklusive der Superdelegierten), Barack Obama kann sich jedoch nach knapp 30 Wahlen mit den meisten Wählerstimmen schmücken – 48,4 zu 47,3 Prozent.
Das Land schaut morgen zum ersten und letzten Mal in dieser Saison zu seiner Hauptstadt und deren Nachbarregionen – ein Ende des Rennens ist hingegen nicht abzusehen.





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