Ralph Nader kann es einfach nicht lassen. - Ralph Nader zeigt, dass die USA nicht nur aus Demokraten und Republikanern bestehen kann oder darf. Das sind meistens die Argumente von beiden Seiten, wenn Nader mal wieder seine Kandidatur zum Präsident ankündigt – so geschehen am Sonntag bei NBC’s „Meet The Press“.
„Dissens ist der Ursprung von Fortschritt; und in diesem Sinne kandidiere ich als Präsident der Vereinigten Staaten,“ sagte Nader in der Fernsehshow von Tim Russert. Er wurde sofort vom Moderator auf seine Rolle als Kandidat im Jahre 2000 aufmerksam gemacht, als Nader 2,7 Prozent der Stimmen - immerhin knapp 3 Mio. Wähler - auf sich vereinigen konnte. 97,000 davon erhielt der damalige Kandidat der Grünen Partei in Florida, wo sich George W. Bush am Ende mit weniger als 800 Stimmen gegen Al Gore durchsetzte.
Gore wäre mit den Stimmen von Nader (die sich laut Umfragen 2:1 gegen Bush und für den Vize-Präsidenten entschieden hätten) und dem daraus resultierenden Sieg in Florida ins Weiße Haus eingezogen. Bis zum heutigen Tag haben ihm Demokraten im ganzen Land dafür verantwortlich gemacht, dass er allein für die Wahl von Bush, und damit für die letzten sieben Jahre verantwortlich ist.
„Nicht Präsident Bush, nicht die Demokraten im Kongress, nicht die 250,000 Demokraten die in Florida für Bush stimmten?“ war seine Antwort am Sonntag auf diesen Vorwurf. Aber so einfach kann er sich nicht aus der Affäre ziehen. Man darf sich schon die Frage stellen, was ohne die chancenlose Kandidatur Naders vor acht Jahren passiert wäre. Im Hinblick auf den Irak-Krieg, die Folterungen in Abu Ghraib und Guantanamo ist das Ergebnis für viele erschreckend.
Damals trat der Advokat für Konsumenten an, da er zwischen Bush und Gore keine großen Unterschiede feststellte und eine Alternative bieten wollte. Kritiker meinen er hätte alle Vorraussetzungen für eine Kandidatur zum Präsident: Er sei älter als 35 Jahre und in den USA geboren – mehr aber auch nicht. Die Reaktionen der Demokratischen Politiker und der Medien sind bei seiner dritten Kandidatur eindeutig. Nader tritt vor allem wegen seinem großen Ego an. Selbst Nader sieht ein, dass in dieser Wahl sehr wohl ein Unterschied zwischen Barack Obama und John McCain bestehen würde, allerdings sieht er Obamas bisherige Arbeit mehr als kritisch. Er sei genauso den Unternehmen und machtvollen Menschen verfallen wie jeder andere auch, so Nader.
Hillary Clinton reagierte auf die Nachricht einer Kandidatur Naders mit: „Oh, das ist wirklich schade. Ich weiß noch als er das schon mal getan hat. Das ist für keinen gut, besonders nicht für unser Land.“ Obama verwies auf die vergangenen Taten Naders, äußerte jedoch auch Kritik: „Ralph Nader verdient enormen Lob für seine Arbeit als Advokat der Konsumenten. Aber seine Rolle als andauernder Kandidat bringt er kein Essen auf den Tisch der Arbeiterklasse.“
Mike Huckabee, der immer noch als Präsidentschaftskandidat der Republikaner bezeichnet werden muss, freute sich wohl am meisten über die Ankündigung Naders: „Ich denke eine Kandidatur Naders wird immer den Demokraten mehr Stimmen wegnehmen als den Republikanern. Als begrüßen Republikaner natürlich seinen Eintritt in das Rennen.“
Nader wurde in den Sechziger Jahren bekannt, als er Autofirmen dazu zwang Sicherheitsgurte serienmäßig einzubauen. Als Anwalt gründete er viele Gruppen zum Schutz der Konsumenten und war durchaus ein Held in vielen Schichten der Bevölkerung. Seine letzten zwei Kandidaturen haben seinem Image im Land allerdings stark geschadet. Im Jahre 2004 erhielt er nur noch 0,3 Prozent der landesweiten Stimmen, vor allem weil er in nur 34 Staaten auf dem Wahlzettel stand. Damals klagten die Demokraten gegen Unterschriftenlisten und verhinderten eine Kandidatur Naders in Staaten wie Kalifornien, Ohio und Pennsylvania. Nader hat deswegen zwei Klagen eingereicht, berichtet die New York Times.
Auf die Frage des Moderators ob er es sich verzeihen könnte eine historische Wahl eines Afroamerikaners durch seine Kandidatur zu verderben, antwortete Nader gewohnt trocken: „Wenn die Demokraten dieses Jahr keinen Erdrutschsieg einfahren können, sollten sie den ganzen Laden dicht machen und in einer neuen Form beginnen.“
Wie immer wird entscheidend sein, ob Nader mit seiner Agenda in den Medien Aufmerksamkeit erhält. Er ist in keiner Lage zu gewinnen, und wahrscheinlich auch nicht dafür verantwortlich wenn es die Demokraten nicht schaffen; aber er kann die Themen der Wahl mitbestimmen und auf Dinge aufmerksam machen, die von den beiden großen Parteien nur allzu gerne vernachlässigt werden.
Ab dem Wochenende wird dieser Blog für zwei Wochen direkt von der Ostküste der USA berichten. Washington D.C., New York, Providence und Boston sind Etappen, die man hier live verfolgen kann.





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