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Wir wollen Erfolg - aber keinen Bürgermeister fürs Revier

Baranowski

Nah an den Menschen wollen alle Politiker sein. Das behaupten sie inständig und andauernd, und besonders intensiv im Wahlkampf. So hat diese Woche der Oberbürgermeister von Gelsenkirchen einen herrlichen Vorschlag gemacht, der alles ist, nur nicht nah an den Menschen. Frank Baranowski will einen Regierenden Bürgermeister fürs Revier.

 

Das Manko dran: Einen Regierenden Bürgermeister wollen die Menschen nicht. Jedenfalls die meisten. Und was bitte ist eigentlich das Revier? Wo fängt es an, wo hört es auf?

Was Gelsenkirchen ist, wo die Stadt anfängt und wo sie aufhört, wissen die Menschen. Gleiches gilt für Herne, Hattingen, Mülheim oder Essen.

 

Das zweite Manko: Baranowskis Vorschlag kostet Geld. Denn nicht nur der Regierende Bürgermeister will am Ende des Monats ein bisschen Gehalt auf dem Konto haben. Auch das Ruhr-Parlament, so wie es Baranowski vorschlägt, lebt nicht von Luft und Liebe. Aber, und das ist das Interessante daran, die restlichen Oberbürgermeister und die Landräte, von denen die wenigsten Bürger wissen, wofür sie gut sind, sollen ebenfalls im Amt bleiben. Und eine zweite Kammer bilden, vergleichbar wohl mit dem Bundesrat. Respekt, auch der Regionalverband Ruhr (RVR) soll noch dick mit ins Geschäft.

 

Ich sehe sie schon fließen, die Steuergelder.

 

Eigentlich soll ja alles besser werden, sagt Baranowski. „(...) Es geht darum, gemeinsam Dinge zu organisieren, die von großer Bedeutung für die ganze Region sind, es geht darum, dass bei herausragenden Fragen nicht mehr jede Stadt für sich alleine entscheidet, was wichtig ist.”

 

Tja, viele Politiker verderben allerdings den Fortschritt. Und nur weil man sich auf einen Mann oder eine Frau an der Spitze des Reviers einigen könnte, heißt das noch lange nicht, dass plötzlich Frieden herrscht. Interessen von Städten, Einrichtungen oder Einzelpersonen und ihre offene oder unterschwellige Durchsetzung verschwinden nicht mit einer Neuorganisation.

 

Die Idee der Ruhrstadt ist so gut wie tot. Und das ist gut. Städte können nur im Wettbewerb zueinander gut werden. Was nicht ausschließt, dass es Kooperationen gibt, zum Beispiel im Nahverkehr. Dabei geht es zudem nicht ums Revier allein, eine Verkehrsgesellschaft für Nordrhein-Westfalen wäre ein Traum.

 

Zwangsfusionen bringen nichts, denn sie behindern nur Innovationen. Ergebnis ist ziemlich oft die Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners. Die Gefahr ist groß, dass Städte nicht mehr ringen um Investoren, Einkaufszentren oder neue Parks. Sie könnten sich zurücklehnen, irgendeiner da oben wird schon etwas entscheiden.

 

Wettbewerb kann Verlierer produzieren, aber er bietet zu jeder Zeit auch die Möglichkeit, den großen Coup zu landen.

 

Und was spricht gegen zwei Deutsche Fußball-Meister aus dem Revier - Borussia Dortmund 2010 und Schalke 04 2011?

 

 

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