Dass die "Bürgerbewegung Pro NRW" in der Tat Bürger bewegt, und zwar solche, die gegen die rechtspopulistische Propaganda der vom Verfassungsschutz beobachteten Vereinigung auf die Straße gehen: Man konnte es am Sonntag wieder erleben, beim Landesparteitag in Gelsenkirchen. 600 Menschen kamen zur Gegendemo am Schloß Horst, wo sich Pro NRW sein Gastspiel in der Glashalle zuvor vor Gericht hatte erstreiten müssen. So transparent der Ort scheint - Medien waren von Pro NRW ausgesperrt. DerWesten-Nutzer BilderBaron hat Fotos gemacht
Man darf vermuten, dass man sich bei Pro NRW über Gegen-Aktionen wie in Gelsenkirchen durchaus freut. Sichern sie doch Aufmerksamkeit, erhöhen sie die Wahrnehmung nach außen. Und wenn man sich zu solchen Anlässen noch als Opfer gerieren kann, ist das eigene Selbstbild vom aufrechten Werte- und Tugendbewahrer bestens bestätigt. So heißt es in der Pressemitteilung zum Parteitag: "Dank des umsichtigen Polizeieinsatzes konnten trotz einiger hundert Gegendemonstranten die rund 200 Pro-NRW-Parteitagsteilnehmer ... ohne Schikanen in die Glashalle des Schlosses gelangen." Puuh, welchen Gefahren man sich als Rechtsextremist heute in der Öffentlichkeit aussetzen muss...
Aber wie wäre es mal mit einer anderen Vorgehensweise. Eine Anti-ProNRW-Strategie, sie könnte auch so aussehen:
Wo immer sich die Gelegenheit bietet: Sprechen Sie Pro NRW-Vertreter an. Geben Sie ihnen zum Ausdruck, wie sehr Sie ihren Einsatz schätzen. Wie wichtig Sie finden, dass es Menschen gibt, die das Gebot der Toleranz anderen, Fremden, gegenüber nicht tolerieren und sich zum Beispiel dafür einsetzen, die „brutale Jugendkriminalität“ zu beseitigen und die „rücksichtslose Straßenkriminalität“ zu bekämpfen (die Zitate sind Pro NRW entnommen). Je nachdem wie viel Zeit Sie haben und wie sehr die zunehmend beglückte Miene Ihres Gegenübers Sie motiviert: Streuen Sie gegebenenfalls ein, dass „unter dem Adolf alles besser war“, fügen Sie (entgegen Ihres besseren Wissens) hinzu, dass es damals ja gar keine Kriminalität mehr gab und fragen Sie, inwieweit Pro NRW sich auch dafür einsetze, wieder mehr Autobahnen zu bauen.
Machen Sie deutlich, dass man es gar nicht hoch genug bewerten kann, dass es Menschen gibt, die in der Gesellschaft endlich mal aufräumen und ihr rechtspopulistisches Gedankengut in den Rathäusern verbreiten wollen. Bestätigen Sie in allen Punkten die Ansichten von Pro NRW (zum Beispiel: "Begabtenförderung statt Massenzuwanderung", "Kulturpolitik für den Normalbürger statt Steuergeld-Verschwendung", "Bürgerfunk statt Parteibuchsender" etc.).
Anschließend, wenn sich um Sie womöglich weitere Pro NRW-Aktive geschart haben, man Ihnen vielleicht auf die Schulter klopft und Ihnen eine Spendendose hinhält – die Sie, mangels Barschaften aufgrund Ihres kürzlich erlittenen Jobverlusts vorgeben, leider jetzt nicht füllen zu können: Deuten Sie an, dass es Ihnen kein größeres Anliegen sei, als die Ideen und Ziele von Pro NRW in Ihren Bekannten- und Freundeskreis weiter zu tragen und bitten Sie um Informationsmaterial. Räumen Sie ab, was sie kriegen können.
Des weiteren: Werben Sie bei Freunden und Verwandten, bei Nachbarn, bei wem auch immer, es Ihnen nachzutun. Suchen Sie Internetforen auf. Treiben Sie die Wahlprognosen in die Höhe. Geben Sie Pro NRW die Gewissheit, Mehrheitsfraktion in den Räten und Kreistagen zu werden, flächendeckend. Sorgen Sie für zischende Kronkorken bei Pro NRW – natürlich nur VOR der Wahl.
Denn: Bei der Kommunalwahl machen Sie ihr Kreuz bei einer anderen, nicht extremistischen Partei.
Wählen kann Spaß machen – Sie haben es am 30. August in der Hand.





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