Seit heute gibt es einen neuen Pseudo-Skandal. DGB-Chef und Anwärter auf den Arbeitsminister-Posten, Guntram Schneider, hat sich zu einem äußerst, sagen wir mal, unnötigen Gag hinreißen lassen. Er soll Briefzusteller augenzwinkernd dazu aufgefordert haben, Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) in seinem Privathaus in Pulheim mal genauer zu beobachten. Wer bei Rüttgers Briefe und Pakete zustelle, solle das Postgeheimnis wahren, aber auch ganz genau hinschauen.
Anfängerfehler von Schneider auf seinem neuen Anwärter-Posten - und sicher kein ernst gemeinter Aufruf zu einer Straftat. Die Briefzusteller haben gelacht, Entschuldigung von Schneider war in Ordnung. Schwamm drüber.
Wenn man allerdings liest, was CDU und FDP so an Reaktionen aufgefahren haben, alle Achtung. Da war die Rede von einem „Skandal“, sogar von „Spionage“ und „Schnüffel-Schneider“. Drei S-Wörter, mit denen die Koalition ihre Empörung öffentlich machte. Und Schneiders direkter Kontrahent, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, lässt sich zitieren mit den Worten: „Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn ausgerechnet ein Gewerkschafter, der Minister werden will, versucht, anständige Briefzusteller als SPD-Wahlkampfhelfer zu missbrauchen. Das ist unanständig.“
Bei soviel Scheinheiligkeit wird mir ein bisschen übel. Es gibt Situationen, wenn man die mal genauer bedenkt und mit dem eigenen Tun und Reden vergleicht, dann sollte man einfach mal die Klappe halten.
Höchstens eines ist erlaubt: Besserung geloben - auf allen Seiten.





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