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Overbeck verunglimpft Schwule - und die Politik schweigt

Overbeck

 

Das war mal wieder ein Volltreffer der katholischen Kirche, genauer gesagt des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck. Woche für Woche beten die Gläubigen in den Gottesdiensten für ihn, und er erklärt allen Ernstes einem Millionenpublikum, dass Homosexualität "widernatürlich und eine menschliche Fehlentwicklung" sei.


Als Christin kann ich da nur ganz entschieden widersprechen. Ich glaube an den Schöpfergott, an den, der nach meinem Glauben die Menschen erschaffen hat. Er hat Männer und Frauen erschaffen, die, wenn sie denn wollen, Kinder bekommen können. Er hat aber auch all die Männer und Frauen erschaffen, die schwul und lesbisch sind. Die Kirchen predigen immer wieder, dass Menschen die Liebe nicht selber machen können. Sie sollen vielmehr anerkennen, dass die Liebe zwischen zwei Menschen ein Geschenk ist. Ein Geschenk Gottes. Und wenn ein Mann einen anderen Mann liebt, ist das demnach auch ein Geschenk Gottes - und keine Sünde.


Die Äußerungen von Franz-Josef Overbeck haben mich entsetzt – und zwar so sehr, dass ich hier in diesem Blog etwas über meinen eigenen Glauben geschrieben habe. Was ich sonst sehr selten mache. Eigentlich nie. Bestimmt auch völlig zu Recht. Denn ich bin Redakteurin und ich denke, dass es nur wenige interessiert, was und an wen ich glaube. Aber ich bin auch niemand, der alle naselang die christlich-abendländische Kultur bemüht, weil ich meine religiös-konservativen Parteifreunde und Wähler zufrieden stellen will.


Das ist eher die Sache von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. An vielen Schulen und Gerichten hängen schon lange und anscheinend unbemerkt keine Kreuze mehr an der Wand. Aber als sich die Präsidentin eines neuen Gerichtszentrums in Düsseldorf, um die Neutralität zu wahren, gegen die Kreuze entschieden hat, brauste Rüttgers auf – und berief sich auf die beschriebene christlich-abendländische Kultur. Was er genau darunter versteht, sagte er nicht. Vielmehr gebrauchte er die Begriffskonstruktion als Totschlagargument.


Nach dem Patzer von Bischof Overbeck aber schweigt Rüttgers. Genau wie die anderen nordrhein-westfälischen Parteien. Einzige rühmliche Ausnahme sind die Grünen, die in einer Pressemitteilung am Nachmittag erklären, dass sie die Äußerungen des kirchlichen Würdenträgers zu Homosexualität für inakzeptabel halten. „Wir Grüne erwarten von allen Religionsgemeinschaften in unserem Land, dass sie in Wort und Schrift diese Gesetze einhalten und die dort formulierten Werte an ihre Mitglieder vermitteln.“ Explizit nennen sie die Streichung des §175, die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft und die Verabschiedung des Allgemeinen Gleichbehandlungs-Gesetzes.


Die Kirchen sind in Deutschland keine Bastion. Für sie gilt kein eigenes Recht, auch wenn der ein oder andere Würdenträger das gerne hätte. Das Grundgesetz und die deutschen Gesetze müssen wie für Juden, Muslime und Glaubensgemeinschaften auch für Christen der Maßstab sein. Und aus diesem Grund finde ich es sehr beschämend, dass – bis auf die Grünen – keine Partei in NRW den Bischof öffentlich in die Schranken weist.


Im Wahlkampf in NRW scheint die Würde von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen nicht viel zu zählen. Ich möchte mir aber gar nicht den Aufschrei ausmalen, hätte ein Nicht-Christ bestimmte Verhaltensweisen und sexuelle Identitäten in dieser diskriminierenden Art und Weise verunglimpft.

 

 

 
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