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Ich bleibe dabei: Nicht jeder kann Bürgermeister

Autobahn

Hat irgendwer behauptet, dass Wahlkampf Spaß macht? Ja? Dann will ich ein Gegenbeispiel liefern, und zwar eine Podiumsdiskussion zur Autobahn 52.

 

Am Freitagnachmittag hatte ich nichts Besseres zu tun und nahm an einer Bürgermeisterdiskussion in Gladbeck teil. Es ging um den Ausbau der A 52. Seit Jahren Streitthema in der Stadt. Ausrichter war die Bürgerinitiative „Stoppt die A 52“.

 

Ich glaube, es reicht, die skurrile Veranstaltung in einigen Stichworten nachzuzeichnen. Ironie nicht ausgeschlossen:

 

  • Beginnen sollte die Veranstaltung um 16 Uhr. In der Zeitung stand, dass die Initiative erst eine Einführung gebe und ab 17 Uhr die Kandidaten diskutierten. Um 16.30 Uhr hatte noch niemand das Wort ergriffen. Das Gemurre des Publikums nahmen die Veranstalter erstaunlich gelassen hin: Man sei schließlich nicht für das verantwortlich, was in der Zeitung stehe. Und außerdem hätte man genug Informationstafeln aufgebaut. Do it yourself: Musste sich der interessierte Bürger eben selber die Einführung geben.
  • Die Bürgermeister-Kandidaten der großen Parteien sprachen flüssig und einigermaßen verständlich über ihre Vision der ausgebauten A 52. Unterm Strich soll die Autobahn mitten in der Stadt durch einen Tunnel geführt werden, die angrenzenden Naherholungsgebiete sollen geschützt werden.
  • Die anderen Kandidaten, nun ja ... Besonders hervorzuheben die Ausführungen der linken Vertreter. Der eine hatte angeblich tiefste Verbindungen ins Bundesverkehrsministerium. Dort läge bereits ein genehmigter Plan vor, und zwar ohne Tunnel. Diskussion demnach zwecklos, sagte der Mann. Doch schlug er zwei Sekunden später vor, die Autobahn über eine andere Trasse am Stadtrand führen zu lassen. Ich sage: Diskussion zwecklos, wenn der Plan doch bereits genehmigt ist.
  • Die Alternativ-Trasse am Gladbecker Stadtrand bringt auch Politiker aus der Nachbarstadt Gelsenkirchen auf die Palme. Denn besonders glaubwürdig ist man als Gladbecker nicht, wenn man den Tunnel mitten in der Stadt mit Verweis auf die Umweltbelastung ablehnt, die Autobahn dann aber an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen bauen lassen will. Das betonte auch die linke Vertreterin aus Gelsenkrichen. Pikant: Linke Vertreter aus Gladbeck fordern genau diese Lösung. Und einer von ihnen stellte dann auch noch einmal klar: „Ich bin Vertreter der Linken. Und die Dame ist nur Mitglied einer linken alternative Liste.“ Aha...
  • Ein DKP-Vertreter forderte eine gänzlich neue Verkehrspolitik. Als Kommunalpolitiker eigentlich nicht sein Metier. Aber weil es in 20,30 Jahren eh keine Autos mehr gebe, seien neue Autobahnen zwecklos. Außerdem viel zu teuer. Das Geld könne man besser in ein Sozialticket investieren, „damit die armen Leute auch mal wieder Bus fahren können“. Großer Applaus von einem Herrn in der ersten Reihe. Der stand kurze Zeit später auf und verließ den Saal, weil sein I-Phone klingelte.
  • Höhepunkt war allerdings der Bürgermeister-Kandidat der Hartz-IV-Initiative. Mit ihm gebe es keine Autobahn 52 durch Gladbeck. Und er hätte da so eine „dösige Idee“. Ziel sei es nämlich, die Autobahn durch Einwände so lange zu verhindern, bis die Politik sie nicht mehr bauen wolle. Er fragte in die Runde: „Weiß jemand, wem die Grundstücke an der potenziellen A 52 gehören? Gilt da vielleicht britisches Gebietsrecht?“ HIIIIIIIIIILFE!! Jetzt war nicht nur der Applaus, sondern vor allem das Gelächter groß.

 

Sorry, meine Herren. Aber so kann ich Sie nicht wählen. Politisches Kabarett ist toll, aber bitte nicht eine Woche vor der Wahl. Und ich glaube, dass ich nicht die Einzige bin, die einem etablierten Kandidaten ihre Stimme gibt. Denn solchen Exoten mit, sagen wir mal, sehr eigentümlichen Ideen, kann ich mein Vertrauen einfach nicht schenken.

 

 

Weiterer Blog-Eintrag: 11 Kandidaten sind zuviel - Nicht jeder kann Bürgermeister

 

 

 
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