Ein Gespräch gestern nach Feierabend. Ich werde gefragt: „Was ist denn heute so den ganzen Tag passiert?“ Ich zähle ein paar Dinge auf und ende mit der Meldung, dass SPD und Grüne vor der Landtagswahl gemeinsam in Berlin auftreten wollen, um Einigkeit zu demonstrieren – und um Jürgen Rüttgers zu stürzen.
„Ach, was für eine Harmonie“, sagt mein Gesprächspartner. „Und was will diese vermeintlich linke Alternative dann tun? Vielleicht die Internationale singen?“ „Ne“, sage ich, „die wollen halt für einen Politikwechsel demonstrieren und zeigen, dass sie nach einem Wahlsieg über den Bundesrat besonders drei Projekten das Wasser abdrehen wollen: der Kopfpauschale, der Harakiri-Steuerreform der FDP und der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke.
„Ja, aber was soll das denn?“, fragt der Gesprächspartner weiter. „Wenn ich irgendwas nicht haben kann, sind das solche Pseudo-Aktionen. Zudem wissen die doch gar nicht, ob es für Rot-Grün reicht. Vielleicht macht’s ja auch der Rüttgers mit den Grünen.“ Und schiebt entrüstet nach: „Die haben meine Stimme doch noch gar nicht, aber machen schon einen auf Koalition.“
„Was singen die denn nun?“, fragt der Dritte im Bunde, der auch zum Fußball gucken gekommen ist. „Wie, singen?“, frage ich zurück. „Ja, die müssen doch irgendwas singen. Das setzt doch Emotionen frei“, meint er. Da mischt sich der andere Gesprächspartner wieder ein: „Vielleicht die Nationalhymne.“ Ne, die ist nun wahrhaftig der CDU vorbehalten, damit werden sich die Roten und Grünen keine Sympathiepunkte sichern. „Dichten wir doch einfach das Schalke-Lied um“, sagt der Dritte, blau-weißer Fan seit Jahren und bereits beim dritten Bier während des Champions League-Viertelfinales Bayern gegen Manchester United.
Und so hörte sich das dann an:
Rot und Grün, wie lieb ich Dich
Rot und Grün, ich hoff auf Dich
Rot und Grün muss ja der Landtag sein
Rot und Grün ist unsere Anti-Rüttgers-Kur.
Die beiden Jungs stockten – und „jetzt singen wir das Lied nach unserem Gusto weiter“:
Hätten wir den Wahlsieg schon
Machten wir es dem Guido gleich
Alle Minister, neu an Rhein und Ruhr,
werden erst einmal zur großen Lachfigur.
Hanne ist voll Zuversicht
Dochs Geld reicht für ihre Ziele nicht
Dann wird sie wie der Rütti sein,
und Arbeiterführerin nur zum Schein.
Tausend Stimmen für Rot und Grün
darauf hofft der Siggi aus Berlin.
Tausend Stimmen, die bewirken wollen,
dass die Linken draußen bleiben sollen.





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