Das aktuelle Wetter NRW 19°C

Bürgermeister müssen mit Parteienlogo werben

rOLAND

Es gibt Bürgermeister-Kandidaten, die wollen den Bürgern partout nicht sagen, für welche Partei sie antreten. Jedenfalls nicht auf ihrem Plakat. Der Gladbecker SPD-Kandidat Ulrich Roland begründet das damit, dass er das Bürgermeisteramt nicht als Parteifunktion verstehe, sondern als ein Amt für die ganze Stadt, das Neutralität erfordere. Auch in Monheim lässt  OB-Kandidat Tim Brühland seine Parteizugehörigkeit offen. Er will lieber „ein guter Fang für Monheim am Rhein“ sein.

 

Peter Hinze, Bürgermeister-Kandidat in Emmerich, wollte auf seiner Homepage zunächst ebenfalls auf das Parteilogo verzichten. Zumindest auf der Startseite. Erst nach einem Klick auf die Rubrik „Person“ sollten die Nutzer erfahren, wo er politisch zu Hause ist. „Die Bürgermeisterwahl ist eine Personenwahl”, erklärte Hinze im April die Entscheidung, auf das Parteilogo zu verzichten. Doch mittlerweile steht bereits auf der Startseite, dass Hinze der Kandidat der Emmericher SPD ist.

 

Und das ist auch die richtige Entscheidung. Es ist ja schön, wenn sich Bürgermeister als Mann oder Frau für alle Bürger verstehen. Dennoch ist es nur transparent und demokratisch, wenn sie ihren (potenziellen) Wählern mitteilen, wo sie herkommen, wer sie aufgestellt hat – und wem sie in einer gewissen Art und Weise auch verpflichtet sind.

 

Amtsinhaber behaupten gut und gerne, dass doch jeder wisse, welcher Partei sie angehörten. Schön wär’s. Bei Umfragen im Bekanntenkreis, wer denn aktuell Chef im Rathaus sei, fallen erstaunlich viele Namen. Auch welche, die längst a.D. sind. Sorry, liebe Bürgermeister, aber es zeugt doch von Hochmut und Überheblichkeit, wenn man sich selbst einen solch hohen Bekanntheitsgrad zuschreibt. Dabei liegt es auch nicht immer am uninteressierten Wähler, dass er große Augen macht, wenn er den Namen oder die Partei des aktuellen Bürgermeisters hört. Vielleicht gehört dieser Bürger einfach nur zu einer Gruppe, die Bürgermeister nicht so gerne besuchen. Weil sie zu unpopulär oder gar zu kritisch sind.

 

Und es ist auch ein Trugschluss, dass Bürgermeister, selbst wenn direkt vom Volk gewählt, völlig unabhängig sind. Manchmal verhalten sie sich so. Aber wenn sie immer und immer wieder ihre Parteifreunde, die ja für ihre Aufstellung als Kandidat verantwortlich waren, brüskieren, war es wahrscheinlich die letzte Kandidatur. Und anschließend als freier Kandidat sein Glück zu versuchen, ist auch nicht jedermanns Sache. Außerdem: Ein Bürgermeister kann die besten Ideen haben. Hat er keine Mehrheit im Rat, bleibt es bei der schönen Idee. Und wenn dann die eigene Fraktion nicht mitzieht, ist es schon mehr als peinlich.

 

Bürgermeister-(Kandidaten) erwarten in der Regel absolute Loyalität und ausgiebige Wahlkampf-Hilfe von ihren Parteien. Eine Einbahnstraße darf das aber nicht werden. Und aus diesem Grund ist das Parteienlogo auf dem Bürgermeister-Wahlplakat das absolute Minimum.

 

 

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6015069/create

0 Kommentar