Ist Ihre Stadt auch so sparsam mit den Bürgermeister-Kandidaten? Stehen bei Ihnen etwa nur drei oder vier Kandidaten am 30. August zur Wahl? Das ist traurig für Sie, aber es geht auch anders. Gucken Sie nach Duisburg. Dort hat ein wahrer Sturm aufs Rathaus eingesetzt. Elf Kandidaten und Kandidatinnen wollen den Chefsessel im Rathaus erobern.
Mensch, wie demokratisch. So schwärmen die einen. Und durch die Abschaffung der Stichwahl kann es in der einen oder anderen Stadt dann ja auch wirklich die große Überraschung geben. Der Amtsinhaber wird mit wenigen Prozentpunkten geschlagen und Herr Müller vom Aktionsbündnis „Hummelwiese“ neuer Stadtchef. Das sei bürgernahe Politik, jubeln die Befürworter. Wenn die Bürger die etablierten Parteien leid seien, wählten sie eben die Kandidaten, die wirklich ihre Interessen verträten.
Eine sehr romantische Argumentation. Aber leider auch eine, die an der praktischen Politik vor Ort vorbeigeht. Selbstverständlich kann sich jeder Bürger zur Wahl stellen, auch als Bürgermeisterkandidat. Und jede Partei, die im Stadtrat vertreten ist, kann ihren Kandidaten aufstellen. Dieses Recht einzuschränken und es nur einigen Parteien vorzubehalten, ist eine schlechte Idee. Aber überhaupt nicht schlecht wäre es, wenn sich jeder Kandidat darüber Gedanken machen würde, ob er allen Ernstes das Zeug zum Bürgermeister hat.
Bürgermeister schütteln Hände, aber nicht nur. Bürgermeister setzen Spatenstiche, aber nicht nur. Das war früher mal, als Bürgermeister noch ehrenamtlich tätig waren.
Heute sind Bürgermeister auch Chef der Stadtverwaltung, Dienstvorgesetzte. Sie müssen Ahnung haben von Kommunalaufsicht und Finanzen, von Verwaltungsabläufen und Mitarbeiterführung. Einige Rechtskenntnisse können auch nicht verkehrt sein. Sorry, aber das kann nicht jeder. Und Demokratie heißt nicht: Alles, was möglich ist, sollte auch getan werden.
Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob das Stellenprofil eines Bürgermeisters so aussehen sollte, wie es momentan aussieht. Ob man damit engagierte Bürger, die noch nie mit Verwaltung, Finanzen und Recht in Berührung gekommen sind, verschreckt.
Aber Fakt ist, das Stellenprofil verlangt Kandidaten einiges ab. Eine Änderung ist nicht in Sicht. Von mündigen Bürgern erwarte ich, dass sie ihre Fähigkeiten und Talente richtig einschätzen. Was bringt es denn, wenn ein Kandidat gewählt wird, der nach wenigen Wochen feststellen muss, dass Bürgermeister sein doch zu schwer ist und er nicht nur sein Steckenpferd – was von Hartz IV bis zum Naturschutz reichen kann - bearbeiten kann? Wer zahlt die neue Wahl?
Wenn der Wähler, in seiner Funktion als Steuerzahler, nicht noch einmal tief in die Tasche greifen will, sollte er abwägen. David oder doch lieber Goliath? Auch wenn das eigene Herzchen für den kleinen David schlägt: Wenn das Herz einer Stadt mit zigtausenden Einwohnern über Jahre pumpen soll, braucht es einen, der das ausdauernd und langfristig gewährleisten kann. Durch sein Engagement, aber vor allem durch seine Fähigkeiten, sein Wissen und seine Hartnäckigkeit.
Seien Sie nicht traurig. Vielleicht leben Sie in einer Stadt, deren Kandidatenzahl im unteren einstelligen Bereich liegt. Aber möglicherweise können die alle Bürgermeister...
Keine Stadt hat soviele OB-Kandidaten wie Duisburg





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