Die gute Nachricht gleich vorweg: Ich bin ins Ziel gelaufen und damit nun offiziell ein Marathon-Läufer!
Nur mit Salat komme ich nicht weit
Aber mal von Anfang an: Die Vorbereitung ist super gelaufen und hat viel Spaß gemacht. Meine Fitness hat sich stetig verbessert. Bei der ASV Winterlaufserie in Duisburg konnte ich meine persönlichen Bestzeiten über 10km und Halbmarathon deutlich steigern und auch der 15km-Lauf war klasse.
Im Training ist mir bei einem 25km-Lauf der „Mann mit dem Hammer“ begegnet: Nach 22km ging ganz plötzlich nichts mehr und ich bin nach Hause geschlichen. Aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, dass ich nicht nur viel trinken muss, sondern auch Kohlenhydrate zum Laufen brauche. Nur mit Salat komme ich nicht weit.
Der zweite Versuch über 25km lief glänzend, auch mein längster Vorbereitungslauf über 30km beim Kultur-Run hat gut geklappt. Der letzte lange Lauf über 16km bei Gladbeck läuft war schon fast zu leicht.
Wildfremde Menschen umarmen mich
Wieder einmal habe ich Begleitung von Diane, für die dies der 9. Marathon bzw. Ultra ist. Vor dem Start treffen wir Yogi, Gerd und Tobias von den Borbecker Raketen. Auch Tobias wird heute seinen ersten Marathon laufen.
Gerd und Yogi treffen ständig Bekannte. So sehe auch ich einmal einige der Leute, die ich bisher nur aus Blogs und Kommentaren kannte. „Ich kenne Dich nicht, ich umarm' Dich trotzdem.“ So herzlich können Läufer sein. ;-) Von der BSG WAZ treffen wir Michael, einer unserer Ultras.
Das Wetter ist etwas kühl, aber es regnet nicht wie vorhergesagt. Erst später bekommen wir eine willkommene Erfrischung.
Du schaffst es, Christian
Vom Start weg lief unsere Gruppe gemütlich los. Gerd, Yogi und Diane bremsen uns Anfänger immer wieder ein, heute ist Ankommen das Ziel. Bald sind wir über die Oberkasseler Brücke und wieder zurück: Halbmarathon. Ich fühle mich großartig. Unsere Gruppe ist inzwischen etwas größer geworden: Ralf, der heute auch seinen ersten Marathon läuft und live über sein Mobiltelefon Zwischenberichte gibt, und zwei junge Damen in Schwarz, die einfach nur unter fünf Stunden bleiben wollen.
Die Zuschauer am Streckenrand sind toll. Immer wieder werden wir angefeuert, aus großen Boxen schallt Musik. 42km Party, das stimmt schon. Auf den Startnummern stehen groß unsere Vornamen. Ich freue mich immer, wenn jemand meinen Namen ruft: „Super! Du schaffst es, Christian!“.
Nach 27km werden meine Beine schwer. Auch Diane muss kämpfen und lässt sich kurz darauf zurückfallen. Nach 29km kann ich das Tempo von Tobias und Yogi leider nicht mehr mitgehen; die beiden werden später eine tolle zweite Hälfte laufen. Außerdem muss ich eines der Toilettenhäuschen aufsuchen. Als ich wieder herauskomme, sehe ich Diane ca. 200m vor mir laufen. Sie hat sich schon wieder erholt. Ich schaffe es noch einmal aufzuschließen, aber dann ist die Luft raus.
Beine wie Streichhölzer
Die nächsten Kilometer sind eine Qual: Gehen und Laufen wechseln sich ab. Ohne Diane wäre ich vermutlich nach 33km ausgestiegen. Mein Magen fühlt sich schlecht an: Gel und und Gel-Chips vertrage ich zwar gut, aber ich habe es wohl etwas übertrieben.
Die Beine fühlen sich an wie aus Streichhölzern gemacht. Jede Elastizität ist verschwunden. Die Waden sind hart, die Sehnen bis zum Zerreißen gespannt. Wir überholen Wolfgang. Diane ruft „Du schaffst es, Wolfgang!“ Dann sehen wir: Es ist Wolfgang Clement. Es geht ihm auch nicht besser als mir. Die Königsallee kommt mir unendlich lang vor.
Ab Kilometer 40 laufen wir wieder durch, langsam aber konstant. Das ist besser als 500m laufen und dann wieder Gehen. Der Schritt wird wieder etwas runder. Die Sonne kommt raus und ich friere nicht mehr so.
Jetzt ist der Schmerz weg
Dann sind wir am Rheinufer. Das 42 Kilometer-Schild ist zum Greifen nah. Wieso sagt der Sanitäter „Nur noch 600 Meter“? Egal, ich kann das Ziel sehen. Jetzt ist der Schmerz weg, es reicht sogar noch für einen Schlenker, um Freunde und Arbeitskollegen am Streckenrand abzuklatschen.
Der Weg bis zum Burgplatz wird noch einmal sehr lang. Dann genieße ich erst einmal die Verpflegung: Wasser, alkoholfreies Weißbier, Krapfen. Die Duschen sind komfortabel und herrlich heiß.
Regeneration
Ein Wannenbad am Abend, leckeres Essen, Couch. Ich schwanke zwischen Hitzewallungen und Frieren. Das Herz pumpt kräftig, die Beine scheinen immer noch zu laufen. Das Wichtigste: Die Füße haben durchgehalten. Und am Montagmorgen habe ich noch nicht einmal einen richtigen Muskelkater.
Warum ich so eingebrochen bin, kann ich mir selber nicht recht erklären. Ich kann jedenfalls den Spruch „Der Marathon beginnt erst nach 30 Kilometern“ absolut nachvollziehen.
Was ich beim nächsten Mal anders machen werde? Ich werde sicherlich noch mehr lange Läufe in die Vorbereitung einbauen. Und ich werde beim nächsten Marathon noch mehr Respekt vor der Strecke haben. Auf jeden Fall aber werde ich, wenn es möglich ist, noch einen Marathon laufen.





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