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Foot Touch

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Die Tage werden kürzer, meine Läufe werden länger. Und da ich auch schneller werden möchte, stehen die verschiedensten Intervalle auf meinem Trainingsplan. Damit ich z. B. bei 7x400m die Übersicht nicht verliere, hat mir die beste aller Ehefrauen ihre Polar-Uhr mit Laufsensor geliehen. Meine Einwände, dass mir das Ding zu kompliziert sei, wurden mit einem „Wenn ich das kann…“ fortgewischt. Allerdings gab sie mir auch gleich den Rat, die Intervallfunktion zu vergessen, denn das sei „viel zu kompliziert.“

 

Nachdem ich einen Abend im Hotel mit der Programmierung dieses technischen Wunderwerks verbracht hatte, musste ich zustimmen. Es scheint in Finnland nicht üblich zu sein, Strecken- und Zeitintervalle in einer Trainingseinheit zu mischen. Und Aufwärmen bzw. Cooldown ist auch nicht vorgesehen.

 

Aufgrund der Jahreszeit und der traurigen Notwendigkeit des Broterwerbs bin ich oft gezwungen, mein neues liebstes Hobby zu Zeiten durchzuführen, in denen meine Kollegen noch die Hotelbetten testen und die Wintersternbilder deutlich zu sehen sind. Auch dafür wußte meine Frau Rat und gab mir eine Stirnlampe mit. Da ich inzwischen jede Angst vor Blamagen verloren habe, dachte ich schon gar nicht mehr an den Effekt, den dies auf arglose Passanten haben würde.

 

So startete ich also kurz nach dem Einschlafen (laut Uhr morgens um sechs) im Hotel mit vollem Gerödel: Laufcomputer, Laufsensor, Stirnlampe, Brustgurt – Brustgurt? Verflixt, vor lauter Krimskrams hatte ich das Ding doch glatt zu Hause vergessen. Nun gut, da wüsste ich also zumindest, wie weit und schnell ich gelaufen bin, und ein Gefühl für meinen Puls habe ich inzwischen entwickelt.

 

Im Gegensatz zu Mallorca, wo Wigald Boning von LKW heimgeleuchtet wurde, scheint es in Leimen üblich zu sein, harmlose Jogger mit Photonenkanonen zu jagen. Ich wurde durch entgegenkommende morgendliche Pendler mit halogen- und xenonverstärkten Scheinwerfern so geblendet, dass die kaum sichtbare Andeutung eines Wegs vor mir sich in vollkommener Schwärze verlor. Die Stirnlampe war dagegen so hilfreich wie ein Staubwedel im Sandsturm. Da ich inzwischen genug Passanten erschreckt hatte, schaltete ich mein Lichtlein ab und verließ mich auf das Gefühl, wenn ich links oder rechts das Gras am Wegesrand streifte.

 

Die Verluste an Sehkraft und Brustgurt, zusammengenommen mit der Fantasielosigkeit finnischer Uhrensoftwareentwickler, hatten noch eine weitere fatale Konsequenz: Die an sich geniale Idee des „Heart Touch“ klappt ohne den Brustgurt natürlich nicht. „Heart Touch“ ist eine Funktion der Polar-Uhr, die ausgelöst wird, wenn man in die Nähe des Brustgurts kommt. Nett ist, dass damit auch das Licht eingeschaltet werden kann. Da die Intervallfunktion bei der vorgesehenen Trainingseinheit leider nutzlos ist, war mein Plan eigentlich, hin und wieder einen schnellen Blick auf die Uhr zu riskieren, um zu sehen, ob die 400m bereits erreicht sind. Mangels Brustgurt und „Heart Touch“ war jetzt leider Fummelei an Knöpfchen angesagt. Das macht bei einem 400m-Intervall keinen Spaß. 

 

Nach dem dritten Intervall öffnete sich dann auch noch die Schleife an meinem rechten Schuh. Von dieser bekannten Nebenwirkung des Laufsensors hatte ich zwar schon gehört, aber morgens um Sechs kann ich noch nicht an alles denken. Und als ich mich herunterbeugte, den Schuh wieder ordnungsgemäß zu schnüren, begab es sich, dass der hochpreisige Laufcomputer an meinem linken Handgelenk sich dem Laufsensor an meinem rechten Fuß näherte. Und mit einem fröhlichen „Piep“ ging das ersehnte Licht an.

 

Für den Rest des Laufs hatte ich eine Menge darüber nachzudenken, inwiefern diese gänzlich undokumentierte „Foot Touch“-Funktion praxisrelevant sein könnte. Eventuell könnte man eine neue Form des Skippings entwickeln, bei der man im Lauf und überkreuz jeweils Hände und Füße einander nähert mit Erfolgskontrolle durch den Laufcomputer? Eine Umsatzsteigerung der Laufcomputerindustrie durch die beiden unvermeidlich notwendigen Sensoren für die noch freien Hände und Füße wäre auch noch möglich. Und natürlich wären spezielle Hosen mit optimierter Beinfreiheit ein Muss für jeden professionellen „Power-Skipper“. Die neue Trendsportart?

 

Mein Fazit dieses Trainings:  Zuviel Technik lenkt nur vom Laufen ab und ich kann 400m ausreichend gut abschätzen, ohne alle fünf Sekunden auf die Uhr  schauen zu müssen. Der Laufsensor ist klasse für lange Strecken, für kurze Intervalle ist die 400m-Bahn unersetzlich. Und im Dunkeln zu laufen ist für mich immer noch suboptimal.

 
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