Vor genau vier Wochen habe ich ja schon mal einen Trainingslauf rund um Hattingen gemacht ( http://www.derwesten.de/blogs/streckenposten/stories/3370/ ). Gestern war es wieder so weit. Vorher dachte ich eigentlich, na ja, die gleiche Strecke, da gibt's eh nix zu berichten, da brauchste dann auch nix schreiben. Aber auf solch einer Strecke wie dem Hattingen Rundweg mit seinen 60 km und 3520 Höhenmeter gibt's immer was neues, also schreibe ich auch wieder.
Sonntag Morgen, ich hatte mir den Wecker auf viertel vor fünf gestellt, bin aber schon viel eher wach. Der Rest der Familie schläft noch, ebenso der innere Schweinehund. :-) Also schleiche ich mich in die Küche und frühstücke erst mal in Ruhe. Anschließend noch die Verpflegung für 'n ganzen Tag in den Rucksack, Stirnlampe; momentmal, hatte mein Schweinehund nicht letztens bemerkt, dass die Batterien schwächeln?? Wo waren noch die Akkus? So'n Sch...., hätte ich ja wirklich schon am Vorabend prüfen können. Keine Akkus, von den normalen Batterien eine zu wenig, dann muss ich eben die normale LED-Taschenlampe als Reserve in den Rucksack packen.
Um viertel vor sechs bin ich schon an der Ruhr, der Himmel ist fast klar, der abnehmende Mond beleuchtet die ersten paar hundert Meter den Wanderweg an der Ruhr mehr als ausreichend. Der Weg biegt aber recht schnell von der Ruhr ab, ein Stück Straße, dann ein Weg der steil hoch zu einem Bauernhof führt. Den Geräuschen nach zu urteilen kommt mir laut muhend eine Herde Kühe entgegen. Zu sehen ist aber noch nix. Ein paar Meter weiter tauchen vier Gestalten aus der Dunkelheit auf, die vier registrieren mich auch, die "Kühe" verstummen schlagartig. Im Vorbeigehen/-laufen wünschen wir uns einen guten Morgen, danach habe ich die Nacht wieder für mich.
Im ersten kleinen Wäldchen wird es so richtig dunkel, ich merke schon, mit nur einem recht kleinen Lichtkegel kann ich nicht gleichzeitig den Boden und die Umgebung ausleuchten. Also entweder in den Schlamm latschen oder vor den nächsten Baum rennen. Ich laufe lieber noch langsamer als sonst schon und versuche sowohl den Bäumen als auch den Schlammlöchern auszuweichen...
Nach dem Durchqueren einer weiteren Siedlung geht's endlich richtig in den Wald. Und es ist immer noch dunkel wie im.....(denkt Euch selber was aus). Und wirklich, der Wald im Dunkeln ist nicht vergleichbar mit dem Wald am Tag. Man hört Geräusche, die man tagsüber nie wahrnehmen würde, ich schaue mich oft um, aber außer mir ist da niemand. Obwohl ich den Weg jetzt in vier Jahren schon drei mal gelaufen bin und damit kennen sollte wie meine Westentasche ;-), sieht nachts alles ganz anders aus und ich habe hier und da Probleme, mich zu orientieren. An manchen Abzweigungen muss ich die Bäume einzeln anleuchten, um die Wegmarkierung, das eingekringelte H zu finden. Einmal stehe ich auf einer kleinen Lichtung und sehe absolut nicht, wo es weitergeht; erst beim Näherkommen entdecke ich die Lücke zwischen den Bäumen...
Interessant ist auch, wenn man weit vor sich zwischen den Bäumen plötzlich Lichter sieht. Was ist das? Reflektierende Tieraugen? Ein weiterer Verrückter in der Nacht? Die Auflösung bekomme ich ein paar Meter weiter. Ich bin wohl gerade über eine Kuppe gelaufen und sehe die Lichter Hattingens vereinzelt aufblinken. Noch näher dran bekomme ich einen wundervollen Blick über Hattingen-Welcherstadtteilauchimmer bei Nacht. Ich wußte gar nicht, wie hell so'ne Stadt Sonntag morgens um sieben sein kann.
So gerne wie ich im Dunkeln unten an der Ruhr laufe, hier oben bin ich doch froh, als es endlich dämmert, ich kann wieder normal laufen, erkenne den Weg wieder und es ist auch nicht mehr so unheimlich. So ganz im Dunkeln im Wald ist mal 'ne Erfahrung, ich muss sie aber nicht jede Woche haben...
Ein Problem bleibt aber auch als es heller wird. Es ist Herbst, es ist daher zwar wunderschön, wenn die Blätter sich an den Bäumen verfärben, aber ein Großteil der Blätter liegt schon trocken am Boden. Und diese Blätter verdecken alles, was darunter ist. Schlammlöcher, Bodenunebenheiten, lose Steine auf denen man umknicken könnte, Äste, Wurzeln und sonstige Stolperfallen, nix ist zu erkennen. Eigentlich nicht auszudenken, was alles passieren könnte. Zum Glück passiert mir aber dieses Mal nichts. Neben dem Telefon sollte ich mir vielleicht demnächst, vor allem wenn die Temperaturen niedriger sind, auch 'ne Rettungsdecke als minimale Notfallausrüstung mitnehmen. Ich glaube so ganz alleine im Wald würde es im Notfall schon etwas länger dauern, bis Hilfe zur Stelle ist.
Nach den ersten drei bis vier Stunden bekomme ich eine leichte Sinnkrise, aber nur ganz kurz. (Hat mein Schweinehund mich wohl doch nicht gefunden). An dieser Stelle überhole ich eine ganze Familie (nanu, sonst ist hier nie jemand...), einer davon mit 'nem leuchtend roten Zettel in der Hand. Einen km weiter ein Paar, auch mit Zettel, sie spricht mich an: "Hallo, Sie müssen mir jetzt helfen. Wir nehmen hier gerade an einer Schnitzeljagd teil und uns fehlt nur noch eine Lösung."
Das interessiert mich. Ich frage die beiden erst mal aus. Die Schnitzeljagd wird hier einmal im Jahr von einem lokalen Sportverein veranstaltet. Jeder kann teilnehmen, es gilt eine Strecke zu finden und zu erwandern (ca. 1 1/4 Stunden Wanderzeit), an Kontrollstellen müssen Wettbewerbe durchgeführt werden wie z.B. Teebeutelweitspucken oder dreibeiniger Dreisprung rückwärts in einem Sandkasten. Hört sich echt interessant an. Und während die Teilnehmer den Weg suchen müssen sie noch zwei Seiten mit Fragen beantworten. Darunter so nette Fragen wie das Geburtsjahr von Helmut Kohl oder in welchem Jahr Heinrich böll den Literaturnobelpreis bekommen hat. Und die Antwort die noch fehlt natürlich. Jemand hat die Buchstaben von deutschen Städtenamen durcheinandergewürfelt. Die Aufgabe ist dann, den Städtenamen herauszubekommen. In diesem Fall ist es "BURGIWASCHEN". Ich würde gerne weiterhelfen, mir fällt aber nichts sinnvolles ein. (Stadt, Land, Fluß war noch nie meine Stärke....)
Zumindest ist meine Sinnkrise endgültig vorbei, in den nächsten Stunden denke ich dafür noch ausgiebig über "Burgiwaschen" nach. Irgendwann finde ich auch eine mögliche Lösung, zu Hause stellt sich aber heraus, dass es einen solchen Städtenamen in Deutschland nicht gibt.
Nach ca. 7 Stunden merke ich, dass ich heute grottenschlecht in der Zeit liege. Ganz zum Schluß gibt es eine Möglichkeit ca. 1-2 km abzukürzen. Sollte ich diese vielleicht nehmen? Nach 9 Stunden stelle ich fest, dass die Zeit gar nicht so viel schlechter ist. Ich verwerfe die Abkürzung (hätte ich wohl sowieso nicht gemacht...).
Kurz vorm Ziel ruft meine Frau mich an und macht mir Mut: "Na, soll ich Dich völlig entkräftet irgendwo auflesen?!?" "Nee, danke, ich hab' nur noch 500 Meter bis zum Auto..."
Insgesamt habe ich mit 10:25 nur 10 Minuten länger gebraucht als beim letzten Mal und die gingen locker für das Laufen im Dunkeln und für "Burgiwaschen" drauf, also insgesamt eher eine Verbesserung. (Ja, ich weiß, man kann sich alles irgendwie schönreden)
Abends habe ich noch Matthias, meinem Schwager, vom Lauf und von "Burgiwaschen" erzählt. Eine Sekunde Bedenkzeit, dann die Antwort: "Na ist doch klar, die Lösung ist ...."
Vielleicht macht Laufen ja doch blöd.....
So und jetzt viel Spaß beim rätseln, aber bitte ohne Computer, Navi oder sonstige Hilfsmittel. Besser noch auf einer unbekannten Wander-/Laufstrecke, auf der man nach Wegweisern suchen muss. Wer die Lösung findet darf zur Belohnung rausfinden, wer die Schnitzeljagd veranstaltet und im nächsten Jahr selber teilnehmen.
Burgiwaschen
von wat4640 am 20.10.2008, 0 Kommentar, Permalink, Trackback URL





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