Ein moderner Rechtsverteidiger besitzt eine gute Technik, kann das Spiel seiner Mannschaft nach vorne treiben und hält die Außenbahn defensiv trotzdem sauber. Beim BVB verteidigt dieser Tage allerdings Patrick Owomoyela hinten rechts. Immerhin ein 11-facher Nationalspieler und DFB-Pokalsieger, womit er dem Großteil der jungen Mannschaft schon einiges voraus hat. Und trotzdem beginnt bei vielen Borussen in letzter Zeit das große Zittern, wenn „Uwe“ in artistischer Art und Weise mal wieder probiert den Ball zu kontrollieren oder ihn länger als drei Sekunden am Fuß führt.
Sein Verhalten gleicht im Moment dem eines schizophrenen Bauarbeiters: Was Patrick Owomoyela sich hinten mit starken Balleroberungen aufbaut, reißt er sich ein paar Meter weiter vorn mit unnötigen Ballverlusten und unüberlegten Pässen wieder ein. Hamburg in der Hinrunde („Autsch!“), das Pokal-Aus in Osnabrück („Auweia!“) und das jüngste Spiel gegen die Eintracht („Oh nein, nicht schon wieder!“) sind leider beste Belege. Wenigstens hat man den 30-jährigen seit dem bitteren Abend im Oktober nicht mehr in unmittelbaren Nähe von ruhenden Bällen gesehen.
Am Samstag ging es zu den Münchener Bayern. Owomoyela gegen Ribéry und wieder mal bot sich den mitgereisten Borussen ein leider vertrautes Bild. Erschreckend viel Platz hatte „Frong“, der ohne die aufopferungsvolle Defensivarbeit von Kuba wahrscheinlich noch mehr Schaden hätte anrichten können. Zum Teil konnte er schalten und walten, wie er gerade lustig war. Dabei weiß die Bundesliga doch nicht erst seit gestern um die herausragenden Qualitäten des Franzosen.
Klar, der Owo ist in guter Verfassung sicherlich eine Bereicherung für das junge Team unserer Borussia, doch (Achtung: Gewagte These!) warum nicht einfach mal Julian Koch an seiner statt bringen. Der 19-jährige hat’s gegen „Die Königlichen“ von Real doch ganz passabel gemacht und weiß auch bei den Amas des öfteren zu überzeugen.
Owomoyela, bisher konkurrenzloser Stammspieler hinten rechts, würde nicht nur ein Pause bekommen, sondern auch spüren, was es heißt, einen angriffslustigen Jungspund im Rücken zu haben. Dass ein Wurf ins kalte Wasser zu einer wahren Offenbarung werden kann, hat Sven Bender ja eindrucksvoll bewiesen.
Das musste jetzt einfach mal sein!
Trotzdem würde es mich freuen, wenn ich in den nächsten Wochen nicht dauernd ein „Vorsicht, Uwe am Ball!“ um die Ohren gehauen bekäme, wenn die schwatzgelbe Nummer 25 am Ball ist.
Unser Coolness-Leader
Wer hat die schickste Frisur im Kader? Bei wem können sich die Teamkollegen Stylingtipps abholen? Wer spricht auch mit 30 noch die Sprache der Jugend? Wer war schon ein erfolgreicher Rapper lange bevor Kevin träumend im Gras lag? Richtig, der Uwe!
Machen diese Eigenschaften ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil unserer Stammelf?
Zusammen mit seinen übrigen Stärken absolut. Wenn van Bommel Hitzfelds Aggressiv-Leader war, dann ist Uwe Klopps Coolness-Leader.
Unser letzter Mann hinten mit Erfahrung und einziger Abwehrspieler des BVB, der schon einen Pott von Wert in die Höhe recken durfte, bringt nämlich neben seiner sympathischen Art auch besondere fußballerische Fähigkeiten ein, auch wenn das außer Jürgen Klopp im Raum Dortmund kaum einer so richtig wahrhaben will. Seine überragenden Zweikampfwerte werden gerne übersehen. Gegen Bayern war er in dieser Statistik wieder vorn, was die Kritik trotzdem nicht zum verstummen bringen konnte. Und das gegen einen Frog Ribery, der zum Schnellsten und Trickreichsten gehört, was der europäische Klubfußball zu bieten hat. Auch wenn „Scarface“ letztlich nicht komplett auszuschalten war, hat Owomoyela gegen ihn besser ausgesehen, als manch anderer und vor allem weit besser als es die Befürchtungen seiner Kritiker zuvor erwarten ließen.
Seine Kopfballstärke ist für einen Außenverteidiger herausragend, seine weiten Einwürfe sind nicht zu verachten und auch technisch bringt der Uwe einiges mit. Durch diese Fähigkeiten, gepaart mit einem guten Auge für die Situation, kann er seinen eher wenig explosiven Antritt oft vergessen machen und auch deutlich schnellere Spieler zur Verzweiflung treiben. Fragt den Frooonk, wenn ihr mir nicht glaubt.
Sicher, seine Konzentration lässt manchmal etwas nach und dann baut er auch mal einen Klops ein. Jedoch wird von vielen beim Uwe nur auf den nächsten Fehler gewartet, während anderen Spielern ein viel größerer Kredit eingeräumt und auch mal ein Fehler verziehen wird.
Wenn in diesem Zusammenhang immer wieder der Einsatz des jungen Julian Koch gefordert wird (übrigens zumeist von Leuten, die ihn höchstens mal 'ne Halbzeit gegen Ronaldo kicken gesehen haben), dann kann ich nur müde lächeln.
Der Junge hat im Moment genug damit zu tun sein Niveau der letzten Saison wieder zu erreichen und zudem fehlt es ihm wegen der ständigen Spielausfälle bei den Amas auch an Spielpraxis.
Wenn das die Alternativlösung sein soll, dann kann ich allen Uwe-Kritikern nur raten, das Träumen einzustellen und sich lieber darauf zu konzentrieren unseren unumstrittenen Stammspieler bestmöglich zu unterstützen und die Daumen zu drücken, dass er sich nicht verletzt.
Denn: Uwe, wir brauchen Dich.





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