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Samstagmorgen aufgestanden, die Nacht war mal wieder viel zu kurz. Trotzdem der erste verschlafene Gedanke am Morgen: In sechs Tagen ist Derby. Zeit, es den Blauen in allen Belangen heimzuzahlen. Zeit, ihnen mal wieder richtig einzuschenken.

Doch, Moment: Irgendwas war da noch.

 

Richtig! Erstmal muss den Hannoveranern klargemacht werden, dass sie gar keinen Gedanken daran verschwenden brauchen, im schönen Westfalenstadion wieder in die Spur Richtung Klassenerhalt zu finden.

 

Hannover 96: Sieben Niederlagen in Folge, vier Eigentore in der laufenden Saison und heiß gehandelter Abstiegskandidat. Zeit, mal wieder etwas für das doch ramponierte Torverhältnis zu tun.

1. Halbzeit

Also rauf auf´n frisch verlegten Platz, wo sich folgendes feststellen lässt: Weidenfeller ist wieder zurück, Bender auch dabei, Subotic hat ´ne neue Frisur und der Kevin mag die Blauen irgendwie immer noch nicht leiden.

Hannover probiert mit einem 4-2-3-1, den BVB so weit wie möglich vom eigenen Tor fernzuhalten. Der aber lässt nach einer kurzen Phase des Abtastens anmerken, dass er entschieden etwas dagegen hat.

 

9. Minute: Der überzeugende Kuba nimmt Durica den Ball einfach vom Fuß, gibt herein auf den erschreckend freistehenden Panther Barrios, der allerdings aus sieben Metern am heute stark aufgelegten Florian Fromlowitz scheitert.

Keine zwei Minuten später vernaschen Kuba, Bender und Zidan per Direktspiel die komplette linke Verteidigung, Flanke auf Barrios, doch wieder zeigt der Argentinier Abschlussschwäche und setzt den Kopfball drüber. Mehr und mehr die Oberhand gewinnend steht auch die schwatzgelbe Defensive fast im kompletten Spiel sicher. Wird’s doch mal enger ist Roman Weidenfeller sicher zur Stelle.

 

Ganz anders die Hannoveraner. Konstantin Rausch fragt sie gerade, wie er den Ball aus der Luft denn wegpöllen möchte, da kommt Mohamed Zidan an und setzt im Doppelpassspiel mit „La Pantera“ auch noch den Rest der niedersächsischen Verteidigung matt.Der Ägypter verpasst es allerdings, den Ball frei vor Fromlowitz ins Tor zu schieben. Spätestens das hätte die längst überfällige Führung für Borussia bedeuten müssen.

 

Mirko Slomka möchte uns später glaubwürdig verklickern, sein Team habe bis zur 43. Minute hinten sicher verteidigt. Ich frage mich, welches Spiel der gute Mann damit meinte.

Ab jetzt verzichtet Schwarzgelb aus unerfindlichen Gründen allerdings tatsächlich darauf, weiter Druck auf „Die Roten“ zu machen. Das Spiel verflacht, Borussia wirkt, ebenso wie die 96er, unkonzentriert und ideenlos.

Springen wir deshalb in die besagte 43. Minute: Mal wieder rettet Fromlowitz vor Barrios und Kuba. Sahins Ecke findet den frisch geschorenen Kopf von Neven Subotic, der den Ball in Zeitlupengeschwindigkeit über die Linie drückt. Ein Dank an den Barbier ist hier angebracht.

 

Aufgrund der Großchancen in der Anfangsphase sicher verdient.

Die Halbzeitwurst hat trotzdem einen mehr als faden Beigeschmack: Dass Lutz Wagner in seiner letzten Saison als Bundesligaschiedsrichter kein Revierderby mehr pfeifen wird, ist klar. Mit der fünften gelben Karte für Lucas Barrios – leider gerechtfertigt – nimmt er aber trotzdem Einfluss auf das nächste: Lucas fehlt gegen die Blauen.

2. Halbzeit

„Alle Deutschen genießen Freiheit nach dem Gesetz – Stadion-, Stadt- und Ausreiseverbote sind Schikane pur und der Tod der Fankultur.“Mit diesem Spruchband leiten die Fans der Südtribüne ihrerseits den zweiten Durchgang ein. Sportlich beginnt Hälfte zwei, abgesehen vom Tor, wie die zweite endete: Das Spiel dümpelt, gespickt von einigen Konzentrationsfehlern, vor sich hin. Nur die Defensivzentrale steht, bis auf einen folgenlosen Aussetzer von Subotic, weiter sicher.Für einen kommenden Absteiger mag das reichen, in den nächsten Wochen könnte man mit so einer Leistung allerdings Probleme bekommen.

 

Wo wir gerade von Absteigern sprechen: Wenn nichts mehr geht, dann hilft eben der vollkommen demoralisierte Gegner, in diesem Fall Hannover, auf die Sprünge.

Im Westfalenstadion ist bereits die letzte halbe Stunde eingeleitet, als der einzige Afrikameister im Team des BVB einen Freistoß von der linken Seite hereinbringt und Mario Eggimann den Ball mit dem Kopf gekonnt ins eigene Tor bugsiert – 2:0.

Im Süden ist’s egal, wie diese Tore fallen, dort ist das Spiel abgehakt. Nun beginnt das Einsingen für die marode Turnhalle: Liebesgrüße wie „Scheiß 03+1“, „Wer nicht hüpft, der ist ein Scheißer“ werden Richtung GE gesendet.

Während die Süd träumend im Gras liegt und der Gast aus Niedersachsen keinerlei Anstalten macht, am Spielstand noch etwas zu ändern, könnte der Spielbericht an dieser Stelle zu Ende sein. Doch Jürgen Klopp beginnt angesichts der Sperre des besten Dortmunder Torschützen, Alternativen für den kommenden Freitag zu finden.

Hervorzuheben sei hier Tamas Hajnal, der den fünffachen Gelbsünder von nun an ersetzt. Mit Agilität, Übersicht und öffnenden Pässen weiß der Ungar im Spielaufbau zu überzeugen.

 

Das Dortmunder Spiel verlagert sich jetzt des öfteren auf die linke Seite, wo Kevin Großkreutz deutlich stärker spielt als noch im ersten Durchgang.

Angetrieben von Nuri Sahin als Balleroberer und Lenker, dem Dortmunder Jungen und Flügelflitzer Kuba kommen die Borussen zu weiteren Chancen. Zweimal scheitert der Pole dabei allerdings an Florian Fromlowitz (65. und 77. Minute).

Die Entscheidung fällt erst kurz darauf, als der Ball nach gutem Zuspiel von Hajnal auf Zwischenstation Owomoyela Nelson Valdez (zuvor für Mohamed Zidan gekommen) vor die Füße fällt und der nichts besseres damit zu tun weiß, als ihn einfach nur noch einzuschieben.

 

3:0 - Bums, das hat gesessen. 96 wird von den Rängen nun endgültig in die zweite Liga verabschiedet und wird doch noch einmal frech, als Arouna Koné nach dem einzig vernünftigen Angriff der Gäste in der 81. Minute den BVB-Walzer stört und das 3:1 erzielt. Doch die Niedersachsen lassen weiterhin jeglichen Kampf vermissen.

Im direkten Gegenzug scheitert Großkreutz nach schöner Einzelaktion frei vor Fromlowitz, bevor er sieben Minuten später mit dem 4:1 nach klasse Vorarbeit von Mats Hummels den Schlusspunkt setzt. Der Dortmunder Junge ist bereit für’s Derby.

Was bleibt?

 

Trotz durchschnittlichem Spiel Hannover mit 4:1 (achte Niederlage in Folge) nach Hause geschickt, Fromlowitz insgesamt 28 Bälle um die Ohren gehauen und gezeigt, dass es für sie an diesem Nachmittag im Westfalenstadion nun wirklich nix zu holen gibt.

 

Alles wie gehabt – in fünf Tagen ist Derby!

 
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