Das aktuelle Wetter NRW 23°C

Spielerbewertungen, Abwehr, Teil 2

Mit dem Spiel in Freiburg beendete der BVB eine erfolgreiche Saison 2009/2010. Man ließ Mannschaften wie Stuttgart, den HSV oder Wolfsburg hinter sich und belegte in der Endabrechnung Platz 5 - Europapokal. Klar, das ist das Ergebnis der ganzen Mannschaft und ein toller Erfolg. Trotzdem haben einige Spieler mehr, andere weniger zu diesem Erfolg beigetragen. Es gab Auf- und Absteiger. Spieler, denen vor der Saison niemand so wirklich den Durchbruch zugetraut hätte und andere, auf deren Durchbruch man leider vergeblich wartete. Wie unterschiedlich dabei die Eindrücke sein können, zeigen unsere Bewertungen. Jeweils 3 Redakteure haben sich die einzelnen Spieler vorgenommen und ihre Saisonleistung bewertet.

Neven Subotic

Arne: Die unumstrittene Konstante in der Hintermannschaft des BVB. Alle 34 Spiele absolviert, jeweils über die kompletten 90 Minuten. Dass muss ihm erst einmal jemand nachmachen, wenn auch die Formkurve in den letzten Spielen deutlich nach unten zeigte. Insgesamt dennoch eine mehr als ordentliche Saison des gerade mal 21jährigen. Doch bei aller Liebe und Anerkennung des Gezeigten: Die oft kolportierten zweistelligen Millionenbeträge dürfte ein möglicher Transfer des Serben kaum in die Kassen spülen. Dafür wäre dann doch noch der ein oder andere Entwicklungsschritt von Nöten. Nicht nur deshalb gilt: Unbedingt halten, den Mann! Den einen oder anderen Bock fabriziert Subotic zwar noch immer, in dem Alter sollte das jedoch kaum verwundern. Unterm Strich jedenfalls eine mehr als ordentliche Saisonleistung. Note 2

Vanni: War nicht so stark wie sein Counterpart Hummels und leistete sich häufig den einen oder anderen Stellungsfehler, aber dies darf man einem jungen Spieler wie Neven auch mal verzeihen. Oft hat Neven aber auch bewiesen, dass man sich auf ihn verlassen kann und die Statistik von 34 Spielen á 90 Minuten ist schon ziemlich beeindruckend. Dafür, dass Neven damals aus Mainz kam und man teilweise nicht wusste, was man von diesem Transfer halten sollte, hat er sich prächtig entwickelt und dürfte in der Zukunft seinen Marktwert weiter steigen lassen, auch weil er nach vorne hin immer wieder gefährlich ist, zumindest mit dem Kopf. Seine Freistöße bringen nämlich noch nicht die gewünschte Gefahr und landen meist weit über dem Tor. Aber auch das kann man dem Serben verzeihen, der immer noch eine ordentliche Saison gespielt hat, auch wenn ich ihn nicht so stark fand wie beispielsweise unser Arne. Note 3.

Sascha: An dieser Stelle gibt’s einen Gruß an die Scouts aus der Premiere-League. Subotic hat eine perfekte Saison gespielt. Kein Fehler, drei Tore erzielt und im Aufbau ein Abwehrspieler modernster Prägung. Mindestens 25 Mio. wert. Pfund natürlich – den Euro wollen bald selbst wir Euro-Länder nicht mehr. Und ernsthaft: Bei ihm wechseln sich Licht und Schatten noch zu häufig ab. Manche Spiele wirklich sehr abgeklärt und im Verbund mit Hummels eine sichere Bank und in anderen Spielen mit Leichtsinnsfehlern und Unkonzentriertheiten. Zweikampf- und kopfballstark, dann aber auch mit einer Spieleröffnung, die einen nach Jan Koller im Sturm Ausschau halten lässt. Alles in Allem eine 3+. Da geht noch was nach oben.

Patrick Owomoyela

Jakob: Würden wir an dieser Stelle die Coolness und das Auftreten außerhalb des Platzes bewerten und dabei die Anzahl gegebener Nach-Spiel-Interviews zu Rate ziehen, Patrick Owomoyela würde eine klare Note 1 bekommen. Nur leider gehört zu den Aufgaben eines Fußballprofis auch das Fußball spielen und zu den Aufgaben eines Verteidigers auf der Außenbahn eine Portion Schnelligkeit, Durchsetzungsvermögen und Biss. Diese Grundvoraussetzungen bringt Patrick leider nur selten in sein Spiel ein und mit seiner daraus resultierenden Spielweise hat er sich in Dortmund nicht viele Freunde gemacht. Im Luftkampf ist Owomoyela unbestritten einer der besten seiner Zunkft, gewinnt er doch fast jedes Kopfball-Duell. Das Problem beginnt bei ihm, wenn er den Ball am Fuß hat und das Spiel eröffnen soll oder wenn er quirlige Gegenspieler hat. Da stockt vielen Fans regelmäßig der Atem. Insgesamt reicht es für Owomoyela zu einer guten Note 4, bezieht man sein Auftreten außerhalb des Platzes ein, bewegt er sich im Dreier-Bereich.

Web:

Seine oft tapsig und lässig wirkende Spielweise bleibt ein rotes Tuch für viele BVB Fans. Doch Jürgen Klopp hält in Nibelungentreue zu Uwe. Bis zum letzten Spiel stand er immer in der Startelf, selbst wenn er angeschlagen war. In Nürnberg fehlte er dann verletzt. Liegt das nur an mangelnden Alternativen? Die Verpflichtung von Lukasz Piszczek könnte darauf hindeuten. Aber es liegt sicher auch daran, dass Owomoyela verlässlich seine Leistung gebracht hat. Ebenso verlässlich wie er ein paar Böcke schießt, gehört er zu den zweikampfstärksten Spielern beim BVB. Und durch seine Kopfballstärke ist er immens wichtig bei Standardsituationen hinten wie vorne. Es sei denn, er kommt wie in Osnabrück auf die Idee, selbst mal einen Freistoß zu schießen...

Insgesamt hat man aber trotzdem bei ihm das Gefühl, dass noch viel Luft nach oben vorhanden wäre, wenn er sich mal über 90 Minuten konzentrieren würde, daher geht er trotz überragender 8 Assists nur mit einer 3- in die Sommerpause.

Christoph:

Von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde- oder so ähnlich spielte es sich von Spieltag zu Spieltag ab, wenn Owomoyela seine rechte Seite beackerte. An ihm scheiden sich diese Saison sicherlich die Geister. Schenkt man den Statistiken glauben, so ist er sicherlich ein Aktivposten und kann durch gute Zweikampfwerte und eine Vielzahl an Torvorlagen glänzen. Doch der Eindruck, den man auf der Tribüne bekommen konnte war meist ein anderer. Bälle wurden leicht hergegeben und so manch ein Angriff des Gegners wurde direkt durch Owomoyela eingeleitet. Selten gelang es ihm an seine Form anzuknöpfen, die er sicherlich als ehemaliger Nationalspieler einmal gehabt hat. Auch hätte man von dem drittältesten BvB-Profi etwas mehr Führungsqualitäten erwarten können. Doch meist konnte er lediglich in den Spielen überzeugen, in denen es eh "rund" für den BvB lief. Zu häufig passte er sich dem Niveau des Spiels an oder schaffte es gar das Niveau noch zu unterbieten. Fasst man seine gesamte Leistung in der Saison zusammen, kann man diese gerade noch als ausreichend bewerten.

Marcel Schmelzer:

Sascha: Er hat das geschafft, was selbst Chuck Norris schwer gefallen wäre. Er hat unsere Legende auf der linken Außenbahn, Leonardo Dede, ins zweite Glied geschoben. Das hätte man ihm vor der Saison nicht zugetraut und ist immer noch Gegenstand heißer Fandiskussionen. Man darf nicht den Fehler machen, ihn mit dem Dede aus jüngeren Jahren zu vergleichen. Dabei kann er nur verlieren. Er hat sich aber zu einer ernstzunehmenden Alternativen für den älteren Dede gemausert. Bis auf wenige Ausnahmen hat er seine Defensivaufgaben gewissenhaft erledigt und dabei Spieler wie Renato Augusto oder Jefferson Farfan „kalt gestellt“. Alles ruhig, sachlich und schnörkellos im Zweikampf. In der Offensive muss da aber noch etwas mehr kommen. Man merkt ihm auch an, dass er daran arbeitet. Nicht mehr so schüchtern und zögerlich wie zu Saisonbeginn und häufiger bemüht, mal einen Flankenlauf zu starten. Zum Ende hin ging ihm, wie auch dem Rest der Mannschaft, etwas der Akku aus. Für die 2- reicht es noch nicht ganz, aber eine 3+ ist doch auch nicht schlecht.

Scherben: Schmelle hat es tatsächlich geschafft, bereits im zweiten Jahr hintereinander positiv zu überraschen. Waren wir in der letzten Saison noch überwiegend verwirrt, wo plötzlich dieser junge Hüpfer aus der eigenen Jugend aufgetaucht war, so wurde in dieser Saison mal eben die letzte noch aktive BVB-Legende aus der ersten Elf verdrängt. Und das nicht nur mit vielen blitzsauberen Auftritten in der Abwehr, sondern im Laufe der Runde auch mit deutlich mehr Akzenten nach vorn. Keine Frage, da hat Kloppo ein richtig großes Talent aus dem Hut gezaubert, auch wenn es mit Toren und Vorlagen (gerade auch im Vergleich zum Gegenpart Owomoyela) noch etwas mau aussieht. Dennoch in der Summe eine wohlwollende 2-, mehr gibt's dann nach der dritten verblüffenden Saison.

Christoph: Wenn jemand es schafft eine Größe wie Dede auf der linken Abwehrseite zu verdrängen und das Fehlen des Brasilianers kaum auffällt, dann muss der Spieler eine richtig gute Saison gespielt haben. Wie ein fleißiges Bienchen sammelte Schmelzer durch seine überzeugenden Leistungen Respekt beim Publikum. Sein Stellungsspiel- großartig für sein Alter und seine bisherige Erfahrung. Sein taktisches Spielverständnis zeigte sich im Zusammenspiel mit seinem Mitspieler auf der linken Seite und wirkte für den Zuschauer so, als ob er schon seit Jahren die Position in der Bundesliga spielt. Seine anfängliche Nervosität und Unsicherheit, die er in der Saison zuvor noch in manchen Situationen aufblitzen ließ, war in dieser Saison vergessen. Für keinen Laufweg zu schade und beißt er sich in jedes Spiel hinein uns lässt so manchen gegnerischen Spieler schlecht dastehen. Lediglich seine Vorstöße in der Offensive könnten noch häufiger und seine Flanken noch effektiver werden. Insgesamt kann seine Saisonleistung als gut bewertet werden.

Julian Koch

Web: Eine durchwachsene Saison für den jungen Senkrechtstarter. In der Regionalliga 08/09 hatte er sich noch derart in den Vordergrund gespielt, dass Klopp es nicht für nötig erachtete einen Ersatz für Lee oder Rukavina zu verpflichten. Und im Sommer überzeugte er auch viele Fans durch einen couragierten Auftritt gegen Real Madrid. Doch in dieser Saison wurde es etwas stiller um Julian. Einige Unentwegte bringen ihn zwar immer wieder anstelle von Owo ins Spiel, aber der Trainer sieht das wohl mit gutem Grund (noch) anders. Sein Bundesliga-Debut feierte Julian im Westfalenstadion gegen Gladbach, insgesamt kam er nach zwei Einwechslungen aber nur auf 17 Spielminuten. Spielpraxis sammelte er in der Dritten Liga, sofern der Spielplan es zuließ. Bei den Amas kam er insgesamt 24 mal zum Einsatz.

Zu Beginn der Saison tat Koch sich ziemlich schwer mit den Anforderungen der Dritten Liga und im Herbst wurde er auch noch durch einen Handbruch zurückgeworfen. Später in der Saison konnte er seine Vielseitigkeit beweisen, als er auch im rechten und zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde. Insgesamt konnte er nicht ganz an die überragende Vorsaison anknüpfen, daher: Bundesliga – keine Bewertung, Amateure – 3-

Sven: Er debütierte inoffziell beim Testkick gegen Real Madrid und zeigte schon da, was er so kann. In der dritten Liga hingegen hat er keine Glanzleistungen mehr bringen können. Das war in der vierten Liga, als er auf sich aufmerksam gemacht hatte, noch ganz anders. Man darf gespannt sein, wie er sich in Duisburg schlägt. Ein Talent ist er auf jeden Fall. Note 3

Tommy: Für Julian Koch begann die abgelaufene Spielzeit mit einem echten Kracher. Denn der Dortmunder Junge wurde tatsächlich in der zweiten Halbzeit des Freundschaftsspiels gegen Real Madrid im Westfalenstadion eingewechselt. Mit großer Sicherheit wird für Julian damit ein großer Kindheitstraum in Erfüllung gegangen sein. Doch ob Klopp ihm damit wirklichen einen Gefallen getan hat sei mal dahin gestellt. De facto konnte Koch noch nicht die Entwicklung nehmen, die sich viele Fans erhofft hatten. So waren Spiele in der dritten Liga in denen Koch herausstach eher die Ausnahme. Eher das Gegenteil war vor allem bei den Spielen gegen Unterhaching und Jena der Fall, wo der BVB II aufgrund individueller Fehler Kochs wichtige Zähler abgeben musste. Dass dabei viele Forumsmitglieder quasi permanent einen Wechsel Kochs für Uwe Moyela forderten, zeigt zudem die falsche Erwartungshaltung vieler Fans, zumal Koch selbst noch zur U19-Fraktion gehört. Sofern Koch in der nächsten Saison beim MSV jedoch regelmäßig Spielpraxis in der zweiten Bundesliga erhalten sollte, wird er in zwei oder drei Jahren eine echte Alternative auf der rechten Seite sein.

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6009579/create

0 Kommentar