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Skandalöse Spielansetzungen in der Dritten Liga

DSP27

 

Keine Vorkommnisse in der Hinrunde

Dabei fragt man sich eigentlich zuerst, was in der Hinrunde der aktuellen Spielzeit eigentlich so gravierendes vorgefallen ist, damit der DFB letztlich zu derartig drastischen Mitteln greifen muss. An der aktuellen Sicherheitslage und den nicht vorhandenen Ausschreitungen in den deutschen Stadien der ersten vier Ligen dürfte es wohl ebenso wenig liegen wie an den Erkenntnissen eines sogenannten Sportwissenschaftlers aus Hannover der allen möglichen Medien seit Jahren das Phänomen der „Hooltras“ verkauft.

 

Betrachtet man insbesondere die Auftritte des schwarzgelben Anhangs in der Hinrunde, so darf man uns Fans getrost eine weiße Weste bescheinigen. Selbst bei den eher als kritisch zu betrachtenden Gastspielen in Jena, Osnabrück oder Aue zeigte man sich von seiner besten Seite. Mal mehr oder weniger volle Gästekurven, lautstarker und leidenschaftlicher Support und kreative Aktionen sorgten stets für die bestmögliche akustische und optische Unterstützung unserer Zweitvertretung. Selbst als ein Fan in Sandhausen von einem übermotiviertem Ordner nebst Quarzsandhandschuhe fast blind geschlagen wurde reagierte man überaus besonnen. Warum man nun Spiele wie Offenbach (parallel mit Frankfurt) auf einem Sonntag oder Jena (parallel zum Derby) auf einen Freitag verlegt und dies eben mit dem Thema Sicherheit begründet, bleibt vielen Fans ein Rätsel. Hinzu kommt, dass man mit Offenbach, Jena oder Dresden gar keine Berührungspunkte hat. Auf der anderen Seite belässt man Spiele gegen Vereine wie Ingolstadt und Heidenheim auf einem Samstag, obwohl diese ohne Fananhang an der Strobelallee aufschlagen werden. Schwatzgelb.de nahm diese bedenkliche Entwicklung noch vor dem Jahreswechsel zum Anlass um bei der ZIS nähere Hintergründe in Erfahrung zu bringen. Außer einer Lesebestätigung der Anfrage bekam man leider keine Rückmeldung. Letztlich ist dies aber auch mehr als logisch.

Verlogenheit des DFB und der Polizei

Denn DFB und ZIS wissen wohl am besten wie verlogen ihre Politik ist. Auf der einen Seite hat man bei Einführung der dritten Liga diese in den siebten Himmel gelobt und auf der anderen Seite tut man alles erdenkliche, dass das Ansehen dank künstlich herbeigeführtem Zuschauerschwund dieser immer weiter abnimmt. Wer kann denn bitte ein Heimspiel des BVB II gegen Heidenheim ernst nehmen, wenn sich noch nicht mal 500 Zuschauer in der Roten Erde einfinden, weil die Profis zeitgleich im Ruhrstadion beim VfL zu Gast sind? Aus Heidenheim werden sich gut eine Handvoll Fans einfinden, auf Heimseite wird man wohl nur wenige Idealisten finden. Ein trauriges Bild, was sich in der Rückrunde leider bei vielen Spielen wiederholen wird. Soll dies bitteschön die dritte Liga sein, die der DFB vor knapp drei Jahren so angepriesen hat? Ist Fußball in diesem Fall eigentlich noch ein Breitensport der die Masse der Bevölkerung erreichen soll, oder erscheinen viele Vereine nur als lästiges und unbequemes Beibrot die es aus der Liga zu entfernen gilt? Denn der Aufwand in Bezug auf Ordnungsdienst oder technische Ausstattung der Spielstätte bleibt auch bei Spielen gegen Vereine wie Wehen, Heidenheim oder Sandhausen derselbe. Ob ein Heimspiel gegen Ingolstadt also vor 2.000 Zuschauern oder nur vor 500 Zuschauern stattfinden wird ist demnach völlig egal - die Kosten allerdings dieselben. Diese Entwicklung treibt in den letzten Wochen und Monaten immer mehr Vereine in Richtung Insolvenz.

Falsches Zeichen an die Fanszene

Gerade für die Dortmunder Szene sind die kommenden Spielansetzungen ein falsches Zeichen. Im Vorfeld wusste ein jeder aus der aktiven Dortmunder Fanszene, dass sich etwaiges Fehlverhalten bei den Spielen der zweiten Mannschaft sehr wohl auf die kommenden Spielansetzungen auswirken würde. In Bezug auf das vorbildliche Verhalten bei den Heim- und Auswärtsspiele des BVB II darf sich dementsprechend niemand über die Ansetzungen in der Hinrunde 2009 beschweren, da immerhin 14 von 21 Spielen ohne größere Probleme zu besuchen waren.

 

Durch die neuerlichen Ansetzungen könnten sich nun allerdings jene Personen bestärkt fühlen, die nach wie vor der Meinung sind, dass sich guter Umgang im und um das Stadion eh nicht auszahlt. Die Folge wäre beispielsweise dass man Pöbeleien der gegnerischen Kurven nicht einfach mal so eben ignoriert oder müde belächelt, sondern gezielt auf diese Einladungen wartet um diese letztlich auch anzunehmen. Spiele gegen Wuppertal oder Regensburg werden auf keinen Fall parallel zu den Spielen der Profis verlegt werden können, so dass hier der DFB und ZIS einfach ein völlig falsches Signal zu einem falschen Zeitpunkt setzen. Aber sowohl beim DFB als auch bei der Polizei scheint man mittlerweile beratungsresistent zu sein. Da wird lieber weiter auf die repressive Schiene gesetzt, anstatt endlich mal einen Schritt auf die Fans zuzugehen und diese für ein richtig gutes Auftreten in 2009 zu belohnen. Kommunikation beruht schließlich immer auf zwei Schultern.

BVB-Geschäftsführung ist gefordert

Großes Unverständnis ruft zwischenzeitlich auch das Verhalten der BVB-Geschäftsführung bzw. der BVB-Offiziellen auf den Plan. Heinz Keppmann wird beispielsweise nicht müde jedes Jahr den schwatzgelben Anhang auf der Jahreshauptversammlung für die Auftritte bei den Amateurspielen zu loben. Leider schafft es Keppmann wiederholt nicht auch Polizei oder DFB vom guten Auftreten des eigenen Anhangs zu überzeugen. Dass Keppmann nach den brutalen Übergriffen der BFE auf Dortmunder Fans beim Auswärtsspiel in Worms den eigenen Fans die Schuld an den Übergriffen gab zeigt deutlich, dass Teile der BVB-Verantwortlichen leider nicht bereit sind sich schützend vor ihren Anhang zu stellen, wie man es von vielen anderen Vereinen her kennt. Denn gerade in Bezug auf die Vorfälle in Worms haben Verantwortliche der Polizei Wochen später das Fehlverhalten einiger Beamten während der Rückfahrt von Worms nach Dortmund eingeräumt. Hier hat der BVB eindeutig eine große Chance vertan.

 

Doch auch Hans-Joachim Watzke oder Dr. Reinhard „Anwalt der Fans“ Rauball könnten sich in Anbetracht der doch recht festgefahrenen Lage in Frankfurt für die Amateurszene einsetzen. Auch Watzke betonte auf der letzten BVB-Jahreshauptversammlung, dass er alles erdenkliche für den Klassenerhalt der zweiten Mannschaft tun werde. Da fragt man sich gerade in Angesicht der Verletzenmisere bei Profis und Amas, warum Watzke hier nicht endlich einschreitet und gegen die Überschneidungen protestiert. Schließlich können so unter Umständen viele Spieler wie Ginczek, Tyrala, Öztekin oder Koch weiterhin wertvolle Spielpraxis in der dritten Liga sammeln, anstatt wenn überhaupt nur wenige Minuten Bundesligaluft zu schnuppern. Auch für Mario Götze wäre es nach dem Spiel in Köln nicht verkehrt sich bei den Spielen gegen die alten Haudegen der 3. Liga an das raue Klima der Profiligen zu gewöhnen. Dem Punktekonto des BVB II würden derartige Einsätze bestimmt gut zu Gesicht stehen.

 

Dass es auch anders geht zeigt das Beispiel Stuttgart II. Hier wurden in der Hinrunde beispielsweise vier (!) Heimspiele hintereinander an einem Freitag ausgetragen. Dies war nicht dem Spielplan der Profimannschaft oder den Stuttgarter Kickers geschuldet mit denen sich der VfB II das Stadion teilen muss, sondern dem Engagement des Vereins. Überflüssig zu erwähnen, dass das letzte Spiel vor dieser ungewöhnlichen Freitagsserie gegen den BVB II ausgetragen wurde. Natürlich an einem Samstag und zeitgleich mit den BVB-Profis.

 
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