Vom 11. bis 17. Mai 2009 fand die 17. Computer-Schachweltmeisterschaft statt. Wie nicht anders zu erwarten gewann Rybka, zum dritten Mal hintereinander, mit 1,5 Punkten Vorsprung vor den Programmen Junior, Shredder und Deep Sjeng. Es ist erstaunlich wie wenig über diese Weltmeisterschaft im Vergleich zu den gerade laufenden bzw. gelaufenen Top Events berichtet wurde, gibt man zu Bedenken, dass kein Mensch, zumindest nominell, auch nur annähernd so stark ist wie eines der Top Programme. Laut dieser Rating-Liste hat Rybka zur Zeit eine Elo-Zahl von unglaublichen 3231, Junior 2912, Shredder 3019 und Deep Sjeng 3030. Auch das Programm Hiarcs, das auf dem fünften Platz landete ist mit einer nicht zu unterschätzenden Elo-Zahl von 3005 gelistet. Wie aussagekräftig diese Zahlen im Vergleich zu den menschlichen sind, lässt sich schwer sagen, da sie durch das Spielen untereinander ermittelt werden.
Was bleibt also übrig, außer die Partien als Maßstab zu nehmen? Einige Programme aus dem unteren Feld - als Nicht-Computerschach-Experte weiß ich nicht nach welchen Kriterien die Teilnehmer ermittelt werden - glänzten durch abseitige Eröffnungen und taktischen Schwächen. Aus dem Spitzenfeld ragte Junior als Taktikmonster heraus und ist somit etwas für Romantiker. Shredder dagegen verlegte sich auf das solide Spiel und verlor keine Partie. Über alle stand jedoch Rybka. Seinen Stil würde ich als universell bezeichnen. Rybka verteidigt verflucht präzise, opfert Material für Aktivität und rechnet von allen Programmen am Besten. Insbesondere die Partien aus der ersten und letzten Runde haben es mir angetan.
Rybka - Deep Sjeng
17th World Computer Chess Championship Pamplona, Spain (1), 11.05.2009
Stellung nach 17.Da3:
Rybka hatte bereitwillig seinen König nach f1 gestellt, um dafür das Läuferpaar und einen starken Freibauern auf der a-Linie zu erhalten. 17...Tfb8 17...Dh4 mit der Pointe 18.Dxc5?? Ld4-+ sieht logischer aus, da der König auf f1 im Mittelspiel ein Problem für Weiß darstellt. Im entstehenden Endspiel dagegen ist das kein Problem. 18.Dxb4 Txb4 19.Ta2 Ld4 20.h4 Se4
Die Stellung sollte ungefähr ausgeglichen sein. Weiß pocht auf das Läuferpaar und einen starken Freibauern auf der a-Linie. Die schwarzen Figuren sind aber gut postiert und beherrschen das Zentrum. 21.Th3! Der Bauer f2 interessiert Rybka nicht. Es ist viel wichtiger den zweiten Turm ins Spiel zu bringen. 21...Lxf2 22.Ld3 La7 23.b3 Sc3 24.Tc2 Ld4 25.Ke1 Lg7 26.Lc4 Sd5 27.Le3 e6 28.g4 Tbb8 29.Ta2 f5 30.gxf5 gxf5 31.Kf1 Kf7 32.Lf2 Le5 33.Td3 Ld6 34.a7 Tc8 In der Zwischenzeit hat Weiß die schwarzen Figuren von ihren aktiven Positionen verdrängt. Doch wie soll er hier weiterkommen?
35.b4! Stark. Rybka scheut sich nicht vor einem weiteren Bauernopfer. Die b-Linie wird geöffnet, worüber ein Turm in die siebte Reihe eindringen kann. In der Folge wird deutlich, dass Schwarz gegen die aktiven weißen Figuren kaum etwas ausrichten kann. 35.b4 ist sehr lehrreich. 35...Lxb4 Schwarz musste nehmen, da 36.b5 drohte. 36.Ta4 Mit jedem Zug verbessert Rybka nun seine Stellung maximal. 36...Le7 37.Tb3 Sc7 38.Tb7 Sd5 39.Kg2 Sc3 40.Ta5 Wie sich das Bild gewandelt hat. Es droht 41.Txf5+. Hier gibt es schon keine Verteidigung mehr für Schwarz. Der Raumvorteil ist für weiß partieentscheidend. 40...Sb5 40...Sd5 41.Lxd5 exd5 42.Lc5 Te8 43.Ta6 Kf8 44.Txc6 Lxc5 45.Txc5+- 41.Lxb5 cxb5 42.Taxb5 Tc2
43.Tc5! Damit durchbricht Weiß die schwarze Verteidigung endgültig. Der Bauer a7 geht gleich durch zur Dame. 43...Ta2 44.Tcc7 Te8 45.Tb8 e5 46.Txe8 Kxe8 47.Tc8+ Kf7 48.a8D Txa8 49.Txa8 1-0
Vor der letzten Runde hatte Junior die Chance durch einen Sieg Rybka zu überholen. Es entwickelte sich eine hochklassige Partie, in der Rybka wohl das Einzige Mal im Turnier seine ganze Rechenpower aufbieten musste, um das Gleichgewicht zu wahren. Am Ende verschmähte Schwarz/der Programmierer vielleicht wegen der Turnierkonstellation das Remis und verlor.
Rybka - Junior
17th World Computer Chess Championship Pamplona, Spain (9), 17.05.2009
Stellung nach 42.c4:
Vielleicht die entscheidende Stellung in dieser Partie. Schwarz hatte einen Bauern geopfert, um am Königsflügel anzugreifen. Rybka hatte den Angriff abgewehrt, doch die schwarzen Figuren stehen weiterhin sehr aktiv. Außerdem ist der a-Bauer schon sehr weit vorgerückt. 42...Dc7 Dürfte ungenau sein, wie gleich zu sehen sein wird. 42...Da4 43.c5 (43.Sb4?? Tb2-+) 43...Txc5 44.Dd8 Taxc2 45.Txc2 Dxc2 46.Dh8+ Kg5 47.Dd8+ mit Dauerschach wäre ein logisches Ende dieser hochklassigen Partie gewesen. 43.Sb4! Schwarz gibt nun beide Türme für die Dame, was ein Fehler sein dürfte. Die weißen Türme dringen sehr bald in die schwarze Stellung ein. 43...Td8 Es ist nicht klar, ob Weiß nach 43...Tb2 44.Dxa3 Txb1 45.Txb1 Dxc4 46.Sd5 auf Gewinn hätte spielen können, da seine Grundreihe sehr schwach ist. 44.Dxd8 Dxd8 45.Sxa2 g5 45...Lf2 46.c5 Le3 47.c6!! Lxc1 48.Txc1 Dc8 49.Sb4 g5 50.c7 Kg7 51.Sd5 a2 52.Ta1+- 46.Td1! Vertreibt die Dame von der Diagonale d8-h4. 46.c5 ist wegen 46...g4! nicht klar. 46...Dc7 46...De7 47.Tb6+ Kh5 48.Tdd6+-
47.c5! Lenkt die Dame ab, um mit den Türmen auf der siebten Reihe einzudringen. Verschmäht Schwarz den Bauern, so dringen die Türme halt über die sechste Reihe ein. Es wird zwar noch nicht deutlich, aber die Partie ist gelaufen. In der Folge muss Schwarz einzige Züge machen, um nicht sofort zu verlieren. 47...Dxc5 48.Tb7 Lf2 48...g4 49.Td5 Df8 50.Tb6+ Kg7 51.Td7+ Kh8 52.hxg4+- 49.Tdd7 Df8 50.Tbc7! Mit der Idee 51.Tc6+. Schwarz steht auf Matt, das nur dadurch verhindert wird, dass die eigene Dame kritische Felder überwacht. 50...Kh5 50...Df6 51.Sb4 usw. 51.Sc3
Jetzt kommt auch der Springer ins Spiel. 51...Dg8 51...Ld4 52.Tc6 Dg8 53.Se2! Lf2 (53...a2? 54.g4+! fxg3 55.Sxg3+ Kh4 56.Sf5+ Kxh3 57.Th6#) 54.Ta7! a2 55.Taa6 Dg7 56.Txa2+- 52.Td6 Dh8 53.Sd5 a2 53...Kh4 54.Se7+- 54.Ta6 Ld4 55.Txa2 Dh6 56.Ta8 1-0
Dem lernbegierigen Adepten (Lasker) empfehle ich das Nachspielen aller Partien dieses Turniers mit besonderem Augenmerk auf die Partien der erstplatzierten Programme. Für mich ein Genuß.











