Ich glaube, ich habe noch nie über dieses Thema geschrieben, doch aus aktuellem Anlaß bietet es sich an. Schach führt Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen, wie aus meiner Sicht kaum ein anderer Sport, zusammen. Auf internationalen Turnieren stehen sich die Teilnehmer nicht nur als Kontrahenten gegenüber, in der Regel wird nach jeder Partie auch miteinander analysiert oder zumindest über die Partie gesprochen. Dieses Sprechen einer gemeinsamen Sprache führt natürlich auch unweigerlich dazu, dass man sich über das Schach hinaus über alle möglichen Themen unterhält und näher kommt. Kulturelle Unterschiede geraten dadurch erstmal in den Hintergrund bzw. werden schneller überbrückt.
Zur Zeit habe ich mich mit einem iranischen Schachmeister angefreundet. Er ist jung, weltoffen, sprachgewandt, überaus gebildet und hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Unter vier Augen unterhält man sich natürlich auch über die aktuelle Lage in seiner Heimat. Er gibt offen zu, welche Position er bezieht, welche Hoffnungen er hegt und wo seine Gedanken sind, auch wenn er sich im Ausland befindet. Nach dem Flugzeugunglück am vergangenen Mittwoch - für sich genommen schon sehr tragisch - war er überaus betrübt, denn es fördert Spekulationen zu Tage.
Mitten im "Schachurlaub" in meiner Heimat mit wahren menschlichen Problemen konfrontiert wird mir mal wieder deutlich, wie gut wir es eigentlich in unserem friedlichen Westeuropa haben. Meinen Freund aus Iran konnte ich zumindest bei einem abendlichen Drink inmitten von vielen Touristen und heimischen Ausgeh- und Feierwilligen wieder auf andere Gedanken bringen.





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