Das aktuelle Wetter NRW 25°C

Kinderschach

Das Thema Kinder- bzw. Schulschach habe ich hier, soweit ich mich erinnern kann, noch nie angesprochen, doch nun ist es aktuell. Seit diesem Schuljahr leite ich eine Schulschach-AG, mehr durch Zufall und durch eine Bekannte, deren Sohn zur Grundschule geht. Ich kenne einige Leute, die an Grundschulen Schach-AGs leiten, gerade hier im Ruhrgebiet, und ich habe den Eindruck, dass es der einzige Bereich im Schach ist, von dem man sagen kann, dass er "boomt". Während Schach sonst als Sport oder wie immer man es nennen will, kaum von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, sind Eltern und Lehrer, so mein Eindruck, ganz begeistert, wenn man so eine AG anbietet. Es soll ja einige Studien geben, z. B. die immer wieder erwähnte aus Trier, die zeigen, dass Schachunterricht eine positive Wirkung auf die "Kleinen" hat bezüglich verschiedener Bereiche wie Förderung der Konzentration, der Sozialkompetenz oder des Wahrnehmungsvermögens. Ich will weniger darauf eingehen, als vielmehr heute kurz über meine Erfahrungen berichten.


Vor einem halben Jahr hatte ich mir, mehr aus Neugier, die Hefte zur Stappenmethode besorgt, und so dachte ich, dass ich gut gewappnet bin für diese Mission. Doch schon bald wurde klar, dass ich ohne Improvisieren kaum auskommen werde. Ich hatte unterschätzt welch "Gruppendynamik" und je nachdem wer mit wem sitzt, sich in einer Ansammlung von bis zu zwölf Kindern entwickeln kann. Da ich weniger der autoritäte als vielmehr der kumpelhafte Typ bin, mag ich keine Drohungen im Sinne von: "Wenn du jetzt nicht ruhig bist, dann schicke ich dich zur Rektorin." Dementsprechend lasse ich mich zwei Mal die Woche auf einen Lärmpegel jenseits des Alltäglichen ein, aber es lohnt sich. Denn der "Streß" wird locker von den leuchtenden Augen der Kinder kompensiert, wenn man sie einfach spielen lässt und sie glücklich sind, und irgendwie sind sie ständig glücklich. Methodisch hat sich bei mir herausgestellt, dass es sinnvoll ist zumindest eine halbe Stunde "Theorie" zu lehren, hin und wieder auch Aufgabenblätter lösen, und danach einfach spielen zu lassen. Mehr als eine halbe Stunde erscheint mir weniger sinnvoll, denn es handelt es sich bei allen Kindern um Anfänger, die kaum überlegen vor einem Zug. Irgendwann haben sie auch genug und darauf muss man sich einstellen. Das war am Anfang gar nicht so leicht, aber inzwischen habe ich eine vernünftige Linie gefunden. Generell habe ich inzwischen auch einen großen Respekt vor Grundschullehrerinnen - ich würde gerne auch Lehrer schreiben, doch an dieser Grundschule lehren fast nur Frauen - denn es erfordert viel Kraft und Ausdauer täglich die Kinder zu bespassen und ihnen gleichzeitig auch etwas beizubringen. 


Es wäre schön, wenn hier andere "Gleichgesinnte" ihre Erfahrungen als Kommentar posten würden. Würde mich interessieren wie sie vorgehen und welche Materialien sie benutzen. Inzwischen gibt es ja massig Literatur zum Thema.

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6021755/create

0 Kommentar