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Moritz A. Sachs: „Die ‚Lindenstraße‘ ist für mich keine Parallelwelt!“

Wer kennt sie nicht, Deutschlands wohl bekannteste TV-Seifenoper, die „Lindenstraße“! Der Dauerbrenner unter den Serien geht bereits in sein 26. Jahr. Von Anfang an mit dabei war nicht nur Marie-Luise Marjan (70) alias „Mutter Beimer“, auch ihr Serien-Kind „Klausi“ (gespielt von Moritz A. Sachs) steht seit der ersten Folge vor der Kamera. 26 Jahre sind eine lange Zeit, deshalb gibt es beim „Blick hinter die Kulissen“ am Drehort in Köln viele spannende Details zu entdecken, Neuigkeiten zu erfahren und natürlich auch die eine oder andere Anekdote zu hören.


Kälteempfinden? Negativ. Hitzewallungen? Volltreffer! Egal ob Winter oder Sommer, die Darsteller der „Lindenstraße“ müssen vor der Kamera stehen – und das sehr oft draußen, bei Wind und Wetter. Im Sommer schwitzen sie deshalb so richtigen, denn dann werden bereits die Folgen für den Winter gedreht. Bei 30 Grad im Schatten tragen die Künstler dann Winterjacke, Handschuhe und Schal. Doch auch die Winterzeit ist nicht besser. Dann wird schon der Frühling vorgegaukelt. Dass heißt, dünne T-Shirts, kurze Hosen oder Röcke und leichtes Schuhwerk, bei frostigen Außentemperaturen. Weshalb aber dennoch kaum ein Schauspieler richtig friert, weiß Marie-Luise Marjan: „Je nach Wetterlage braucht man Wärmeunterwäsche, wenn draußen gedreht wird.“ Doch auch dabei ist Vorsicht geboten, denn überall sind kleine Fallstricke verborgen. Der Teufel im Detail: „Die Wäsche sollte unter dem Kostüm natürlich nicht auftragen."


Erstaunlicherweise geht das Tagesgeschehen am Set, egal zu welcher Jahreszeit, völlig normal von statten. Die Lastkraftwagen fahren ohne Unterlass durch das Studiogelände, sie lassen sich kaum von einem „Dreharbeiten“-Schild abhalten. Konsequenz: Die Darsteller, Statisten und Komparsen müssen oft wieder zurück zur Ausgangsposition. Die ganze Szene wird noch einmal gedreht. Doch nicht nur fahrende Autos und Lkw sind ein Problem, auch der nahegelegene Köln-Bonner-Flughafen sorgt für erzwungene Drehpausen. Immer dann, wenn ein großer Flieger über das Gelände der „Lindenstraße“ hinweg fliegt, wird die Aufnahme gestoppt und kurz danach wieder von vorne angefangen. So kann es schon ein wenig dauern, bis eine ehemals wirklich kurze Szene dann endlich im Kasten ist.


Für die Schauspieler, die fünf Tage in der Woche am Set sind, kann das schnell langweilig werden. Besonders dann, wenn sie in dieser Szene Pause haben und erst später wieder an der Reihe sind. Bloß, was kann man auf dem Studiogelände im abseitigen Köln-Bocklemünd in dieser Zeit machen? Diese Frage kann am besten einer beantworten, der seit 1985 mit von der Partie ist! „Wenn ich Pause habe, dann lese ich viel oder schwatze mit Kollegen“, lacht der 32-jährige Moritz A. Sachs. Der sympathische Schauspieler ist nicht nur mit, sondern auch in der „Lindenstraße“ aufgewachsen. Die Zuschauer konnten verfolgen, wie er als Kind allerlei Flausen im Kopf hatte, die vielen Probleme der Pubertät durchlitt und wie er sich schließlich als Erwachsener dem Leben stellt. Ob er da manchmal mit Realität und Fiktion durcheinanderkommt? Wild schüttelt er mit dem Kopf und antwortet energisch: „Die  ‚Lindenstraße‘  ist für mich keine Parallelwelt, denn ich weiß, dass sie meine Arbeit ist.“ Doch wie sein Leben ohne diese Straße aussehen würde, das kann er sich nicht vorstellen. Nachdenklich sagt er: „Mir würde das Gesamt-Konstrukt fehlen. Für mich ist das hier mein zweites  Zuhause geworden.“


Auch wenn die Schauspieler wissen, was real ist und was nicht, die Zuschauer wissen es oft nicht. „Wenn mich Fans auf der Straße grüßen, rufen die schon eher ‚Hey, Lotti‘“, so Gunnar Solka (40), alias „Lotti. „Ich bin ja auch schon fast sieben Jahre dabei! Viele Fans verbinden mein Aussehen schon mit der Rolle. Alle anderen unterscheiden allerdings Rolle und Privatmensch“, erzählt bei einem kleinen Schwätzchen in der Drehpause. Für sich selber grenzt er ab, was ist Serie, was ist wahres Leben. Er verrät: „Wenn ich Lotti spiele, wird meine Stimme anders, etwas höher! Denn Lotti ist aufgedrehter als ich es bin.“


26 Jahre „Lindenstraße“  - da passiert so einiges, besonders beliebt bei den Zuschauern sind die so genannten „Outtakes“, die Versprecher. Doch für die Schauspieler bedeuten sie oft eine Qual. Verhaspelt sich ein Kollege,  „muss man sich ganz stark konzentrieren, um nicht loszulachen“, berichtet Marie-Luise Marjan. Doch auch das klappt nicht immer: „Schaut man dem Partner in die Augen und entdeckt eine Unsicherheit, verspricht sich prompt der Nächste und wir fangen alle an zu lachen." Der Lachflash ist vorprogrammiert. Und danach ist es ganz schwer, die Szene im ursprünglichen Sinne abzudrehen…


Was echt ist und was nicht bei der „Lindenstraße“, verraten die Schauspieler in der nächsten ECHO DER FRAU. Dort gibt es auch viele Fotos vom „Blick hinter die Kulissen“. Die Ausgabe erscheint am Mittwoch, 4. Mai 2011.

Foto: Ralf Zenker

 
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