Blut, überall Blut! Die Badewanne ist über und über mit Blut bedeckt. Es riecht unangenehm, penetrant und leicht süßlich – nach Tod! Was Chefinspektor Moritz Eisner (gespielt von Harald Krassnitzer, 50) zu sehen bekommt, ist kein angenehmer Anblick: die Leiche ist entstellt. Der Kopf – abgetrennt, die Beine – abgetrennt. Doch die Leichenteile bringen den Chefinspektor nicht aus der Ruhe. Routiniert versucht er, den kniffligen Fall im Milieu der China-Mafia zu lösen. Mit involviert sind hunderte Hühnerkrallen, die aus einem Container purzeln.
Doch, keine Panik: weder das Blut, noch die Leichenteile oder der Geruch – nichts ist echt. Alles ist nur gespielt. Doch halt, das stimmt nicht! Die Hühnerkrallen, die sind echt! „Die Szene mit den Hühnerteilen zu drehen, war sehr skurril. Es waren nämlich echte Hühnerkrallen, aber dadurch, dass bedecktes Wetter herrschte, stank es am Set nicht so sehr. Aber ich werde wohl eine Weile brauchen, bis ich wieder beim Chinesen essen werde“, verdeutlicht Schauspielerin Adele Neuhauser (52). Sie spielt die Polizistin und Alkoholikerin Bibi Fellner.
Am Set des Wiener „Tatorts“ geht es wuselig zu. Wie anstrengend ein Drehtag in sengender Hitze in einem Schulgebäude in Wien ist, wird im TV-Film nicht deutlich. Die stickige Hitze im Raum, der das Polizei-Büro darstellen soll, nährt sich der 30 Grad. Gelüftet werden darf nicht, wegen der Nebengeräusche. Die Tür wird während des Drehens geschlossen, wegen der Nebengeräusche. Zwölf Menschen, viele Scheinwerfer und Kameras befinden sich auf engstem Raum. Doch für Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser heißt es: konzentriert bleiben und den Text wieder und wieder aufsagen – bis die Szene im Kasten ist. Und der Schweiß sich seinen Weg bahnt.
In den Pausen, bei eisgekühlten Getränken und neben einem laut surrenden Ventilator stehend, öffnen sie ihr Herz und plaudern über längst Vergangenes, ihre Sehnsüchte und die Angelina Jolie Österreichs!
Mit einem Lächeln erzählt Harald Krassnitzer über seinen ersten Einsatz als Chefinspektor: „An meinen ersten Schuss als Moritz Eisner erinnere ich mich noch gut, denn ich musste einen Hund erschießen. Die Verfolgungsjagd hatte schon ein mulmiges Gefühl bei mir ausgelöst. Denn, wenn ein Rottweiler hinter dir her rennt, dann läufst du automatisch schneller. Mit dem Polizeihund, der diesen Wachhund gespielt hat, habe ich mich während der Dreharbeiten sogar angefreundet. Es war faszinierend zu sehen, wie er während des Drehs scharf und danach total brav war.“
Bibi Fellner und Moritz Eisner sind erst seit wenigen Folgen ein Dream-Team. Wie würde Harald Krassnitzer denn seine Kollegin beschreiben? „Sie ist für mich eine der spannendsten und aufregendsten Schauspielerin, die wir in Österreich haben, mit unheimlich vielen Facetten. Diese Frau kann aussehen wie Angelina Jolie hoch 10, hat unglaublich viel Sex-Appeal und Schönheit, aber sie überzeugt auch total in ihrer Rolle als schwere Alkoholikerin! Diese Fülle von Gesichtern und problembehafteten Persönlichkeiten haben nur ganz wenige Schauspielerinnen und das ist ein Glücksfall für uns. Sie ist ein Mensch, der immer danach trachtet, zu geben. Sie zickt nicht, bringt sich kollegial ein und sie hat einen enormen Humor. Bei uns werden die Lachmuskeln wirklich beansprucht!“
Trotz des witzigen Umgangstons am Set, gibt es auch ernste Momente. Besonders dann, wenn es um das Thema Sehnsucht geht. Nachdenklich gesteht Adele Neuhauser: „Die Sehnsucht ist ein mir sehr vertrautes Gefühl. Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch und dadurch auch sehr sehnsüchtig. Sie hat ein gewisses Maß an Traurigkeit, aber gleichzeitig auch die Chance auf einen positiven Ausgang – das ist eigentlich auch schön, die Hoffnung bleibt. Ich sehne mich oft nach dem Meer… oder nach dem Bett, wenn ich müde bin! Und ich habe Sehnsucht… nach Griechenland!“ Und auch Krassnitzer ist sanfter, als man es ihm zutrauen würde. Lächelnd verrät er: „Ich habe Sehnsucht, aber ich verrate nicht, wonach. Denn sie ist wie ein Traum, den man sich erfüllen muss. Wenn man Sehnsüchte ausspricht, haben sie keine Kraft mehr und verlieren ihre Magie, Dann sind sie nur noch Dampfplauderei.“
Was die beiden Schauspieler über Blut, Waffen und Leichen denken, verraten sie in der nächsten ECHO DER FRAU. Sie erscheint am Mittwoch, 17. August 2011.
Foto: Matthias Hombauer





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