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Eleonore Weisgeber: Beobachtet vom Rasenmähermann

Der Rasenmäher dreht stoisch seine Runden. Danach sieht der Rasen akkurat aus, die Farbe ist sattgrün. Nichts lässt den Mann auf dem Rasenmäher seine Arbeit unterbrechen, im Gegenteil, er ist so in Gedanken versunken, er sieht erst in allerletzter Sekunde, dass eine junge Frau mit wild fuchtelnden Armen vor seinem Mäher steht und ihn anbrüllt!

 

Schockiert macht er den Mäher aus, will sie gerade zurechtweisen, aber er kommt erst gar nicht zu Wort. Stattdessen schreit die junge Frau erneut, er solle doch bitte das Mähen einstellen, jedenfalls für einige Minuten, hier werde gedreht! Der Mann auf dem Mäher guckt verdutzt, blickt sich um und erkennt: verdammt viele Menschen stehen auf „seinem“ Rasen, Unmengen an Ausleuchtern und auch zwei große Kameras sind ihm im Weg. Und ihm wird bewusst: hier ist nichts mehr mit Rasenmähen. Er steigt von seinem Arbeitsgerät ab und beobachtet die Szenerie neugierig.

 

Eifrig schieben einige kräftige Männer Schienen über das noch nicht gemähte Gelände. Diese werden an einer ganz bestimmten Stelle aneinander gelegt und schließlich stellen die Männer eine schwere Filmkamera inklusive Mini-Sitz darauf. Auf dem Sitz nimmt sofort der Kameramann Platz. Ein Sonnenschirm steht in einigem Abstand, darunter hockt ein Mann und blickt hochkonzentriert auf den kleinen Bildschirm, der vor ihm steht.

 

Die wild winkende junge Frau steht inzwischen in der Nähe des Menschenauflaufes. Sie spricht scheinbar mit sich selbst. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt der  Rasenmähermann, sie spricht in ihr Headset, leise und bestimmt. Er erkennt, in der Mitte steht ein kleiner Tisch, um ihn herum stehen ein Hocker und ein Klappstuhl. Ganz in der Nähe stehen zwei Frauen, schön geschminkt und fein angezogen. Eine andere Frau zupft an ihren Haaren herum, zieht den Lippenstift nach und tupft vorsichtig über die Stirn, immerhin sind es 27 Grad im Schatten.

 
Plötzlich kommt Bewegung in die Gruppe, eilig verlassen alle den Platz, nur die zwei hübschen Frauen bleiben dort. Die eine setzt sich, die andere geht ein Stück zur Seite. Dann das laute Kommando: „Action!“ Erstaunt beobachtet der Rasenmähermann, was jetzt passiert. Die Kamera fährt langsam vor, die jüngere Frau geht ihr entgegen, während die ältere Frau auf ihrem Stuhl sitzen bleibt und in einer Zeitschrift blättert. So ganz kann sich der Rasenmähermann keinen Reim darauf machen, was er da gerade sieht.

 

Es ist eine Filmszene, die im schottischen Duns, in der Nähe zu England, beim Anwesen „Manderston“ gedreht wird. Die ältere Frau ist die deutsche Schauspielerin Eleonore Weisgerber (62), die jüngere ist ihre englische Kollegin Rebecca Night (26). Der Film? Ein Teil der Rosamunde Pilcher-Reihe „Vier Frauen“. Das Wetter ist herrlich, die Ruhe inzwischen auch. Die Vögel zwitschern, die Blätter der Bäume wehen leicht im Wind. Selbst in nur einigen Metern Entfernung hört man nicht, was sich die beiden Frauen erzählen. Doch genauso schnell, wie die Ruhe eintrat, hört sie wieder auf.

 

Wieder beginnt das Gewusel, die Haare werden drapiert, die Scheinwerfer ausgerichtet, die Stühle wieder in den Schatten gezogen, denn die Sonne ist in diesem kurzen Augenblick wieder ein Stückchen gewandert. Mit einem fröhlichen Lachen erzählt Eleonore Weisgerber mir in der kurzen Drehpause: „Da die Engländer kein Deutsch sprechen können, reden wir Deutschen dann auch untereinander Englisch. Alles andere wäre sehr unhöflich.“ Der schottische Rasenmähermann steht nicht weit entfernt und guckt uns irritiert an. Er hat unsere deutsche Unterhaltung absolut nicht verstanden. Eleonore Weisgerber nickt Rebecca Night zu, denn die muss schon wieder los. Night bekommt jetzt einige Anweisungen von Regisseur Giles Foster. Heute ist für Eleonore ein anstrengender Tag, denn sie ist fast in jeder Szene, die gedreht wird, mit von der Partie. Doch wenn sie einmal einen freien Tag hat, so wie am vergangenen Tag, „dann fahre ich hier in Schottland sehr viel Auto. Dabei habe ich mich sehr schnell an den Linksverkehr gewöhnt. Natürlich gibt es aber immer noch Situationen, in denen ich mich richtig konzentrieren muss, weil die Kupplung und die Handbremse auf der anderen Seite sind“, erzählt sie.

 

Mit dem Linksverkehr hat der Rasenmähermann bestimmt keine Probleme, eher mit den vielen fremden Menschen, die auf „seinem“ Rasen stehen. Denn die Szene wird wiederholt – immer und immer wieder! Der Mann wird unruhig. Er darf nicht weiterarbeiten, denn es ist zu laut. Doch was soll er machen? Pause, genau! Mit einem kühlen Wasser in der Hand beobachtet er weiter.

 

Für fünf Szenen, die an diesem Tag abgedreht werden, benötigt das Team zehn Stunden. Übertrieben lang? Nein, denn das Team arbeitet genau. Es achtet auch auf die kleinsten Details und lässt sich Zeit, bespricht jede Bewegung – das stellt der Rasenmähermann jetzt erstaunt fest. Und eben dieses lieben die Fans der Rosamunde Pilcher-Verfilmungen, die Liebe zum Detail. Was aus dem Rasenmähermann geworden ist, ist übrigens unbekannt. Er war irgendwann einfach weg!

Was noch alles am Set von der Rosamunde Pilcher-Verfilmung geschah, steht in der nächsten ECHO DER FRAU. Sie erscheint am Mittwoch, 13. Juli 2011.

 

Foto: Graeme Hunter

 
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