Es war ein angenehmer Grund, der mich gestern zur Landesgartenschau nach Rietberg führte. Ein Auszubildender von mir, der im Mai seine Prüfung zum Landschaftsgärtner abgelegt hat, wurde dort bei einer Verbandsveranstaltung mit der zweitbesten Prüfungsnote (1,28) vom Verband Garten- und Landschaftsbau NRW dafür ausgezeichnet. Dies erfüllt natürlich auch mich als Ausbilder und Ausbildenden mit Stolz. Außerdem ein willkommener Grund, mich samt Familie auf den Weg nach Ostwestfalen zu machen und mir nach dem offiziellen Teil, auch einmal die Landesgartenschau anzusehen.
Die kleine Stadt von weniger als 30.000 Einwohnern, die sich auch noch auf verschiedene Gemeinden „Ortsteile“ verteilt, hat es geschafft eine Landesgartenschau zu organisieren. Dies muss man betonen, da selbst meine Heimatstadt Bochum, mit ungefähren 400.000 Einwohnern, bisher wohl zwischendurch mal Willens, aber nie in der Lage war, eine Gartenschau durchzuführen. Ständige Diskussionen über Geld, über Sinn und Unsinn einer solchen nachhaltigen Stadtentwicklung, haben alle Verantwortungsträger stets erstarren lassen. Bei der letzten Veranstaltung über dieses Thema, die erst im Frühsommer dieses Jahres stattfand, verwies der Vorsitzende der Grünen Ratsfraktion, zur Verwunderung aller Beteiligten, auf die negativen Auswirkungen einer Gartenschau auf das Stadtklima in Bochum.
Gartenschauen sind ja schon lange keine Blümchenschauen mehr, sonder gezielte Stadtentwicklungsprojekte, die der nachhaltigen Verbesserung des Wohnumfelds dienen. Dies ist auch ganz deutlich bei der Landesgartenschau in Rietberg zu sehen.
Zunächst schaute ich mir die Themengärten an, die stets neue Anregungen geben und bei den sich Garten- und Landschaftsbauer und Architekten mit verschiedenen Themen beschäftigen. Dann war Juniorzeit und er zeigt meiner Frau und mir, die vielen Spielbereiche, die er entdeckt hatte. Auch hier hat die Landesgartenschau einiges zu bieten. Sehr sympathisch fand ich bei diesen Spielbereichen, dass man nicht auf „größer – moderner – komplizierter“ gesetzt hat, sondern dass die Bereiche und Angebote so gestaltet sind, dass die ganze Stadt dies auch in Zukunft nutzen kann. Wie man so schön sagt:“ Man hat den ganzen künstlerischen Kopfsch…, weggelassen und sich auf das konzentriert, was Kinder und Jugendliche brauchen.
Beim weiteren Gang über die Gartenschau vielen mir die vielen Vereine auf, die dort aktiv waren. Auf den Veranstaltungsbühnen traten Tanzgruppen, Fanfarenchöre und Musikgruppen aus der Umgebung auf und selbst die Ausstellungen waren von Vogel- und Kaninchen- und Pferdezüchtern gestaltet. Alles eingerahmt von naturnahen Vegetationsflächen, aber auch wunderschönen Staudenbeeten, die ein reiner Augenschmaus waren. Zwischendurch stets einige künstlerische Elemente eingestreut, so dass auch die Gedankenwelt nicht zu kurz kam. An einem Informationsstand schaute ich mir den Übersichtsplan der Gartenschau noch einmal näher an und wurde prompt von einem höflichen Mann angesprochen, ob er mir weiterhelfen könne. Er erzählte, dass er nebenan wohne und zeigte auf eines der Häuser, die direkt an die Gartenschau grenzen. Dann erfuhr ich mit schwärmerischen Worten viele Dinge der Gartenschau aus erster Hand. Die Begeisterung des Mannes war ansteckend. „Bei uns“, dachte ich,“ gäbe es bestimmt eine Bürgerinitiative gegen Lärmbelästigung, Geruchsbelästigung, Pupbelästigung o. ä. . Aber hier lieben die Menschen ihre Gartenschau, vielleicht auch, weil sie mitten im Leben der Menschen ist und nicht eine überkandidelte Spielwiese einiger Selbstdarsteller.“
Eine Gartenschau kostet viel Geld und wird nur von der Bevölkerung akzeptiert, wenn sie sich dort wohlfühlt und sie als Gewinn für ihr Umfeld betrachtet. Als Grab von Steuergeldern für Meriten einer Minderheit ist nicht geeignet.
Durch die lange offizielle Veranstaltung vorher, reichte natürlich nicht die Zeit, alles zu sehen. Aber meiner Frau und mir hat es gefallen und wir wissen genau, noch bevor die Landesgartenschau Rietberg ihre Pforten schließt, kommen wir noch einmal wieder.
Unser erster Eindruck: Sympathisch und mitten im Leben





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