Zu den angenehmen Dingen in meinem Ehrenamt als Bezirksvorsitzender des Fachverbandes Garten- und Landschaftsbau, gehört die Teilnahme am Valentinsball in Bochum. Sich in geselliger Atmosphäre über Grünpolitik zu unterhalten, ist schon etwas anderes, als die üblichen, trockenen Gespräche über fachliche Angelegenheiten.
Dass zu einem solchen Ball natürlich auch Festtagsreden gehören, versteht sich von selbst. Schließlich möchten auch alle Beteiligten richtig eingestimmt werden. Doch dieses Mal traute ich meinen Ohren nicht. Deutschlands Obergärtner Heinz Herker (Präsident des Zentralverbandes) schlug allen Zuhören, darunter auch Bundestagspräsident Norbert Lammert und unsere Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, eine Internationale Gartenausstellung für Bochum vor.
„Ausgerechnet eine solche hochkarätige Ausstellung für Bochum“, dachte ich. Haben wir in Bochum nicht andere Probleme. Schulen, Kindergärten und Schwimmbäder werden geschlossen, Straßen sind erneuerungsbedürftig, die Finanzierung des neuen Konzerthauses steht noch nicht und auch Nokia und Astroh machen das Stadtsäckel nicht voller. Wie soll man, bei aller Liebe zu Grünflächen, das jemandem erklären?
Und dann noch Bochum. Alle Großstädte ringsherum haben schon mindestens einmal eine Bundesgartenschau gehabt. Gelsenkirchen – Essen – Dortmund. In Bochum scheitern schon Bewerbungen um kleinste Meriten im Grünen Bereich.
Natürlich, Gartenschauen sind heute keine Blümchenschauen mehr, sondern richtig ausgewachsene Stadteilentwicklungsprojekte. So war in den Projektstudien, der zurückgezogenen Bewerbung für eine Bundesgartenschau aus dem Jahre 2007 die alte Zentraldeponie voll integriert und hätte den Stadtteil nachhaltig positiv beeinflusst, aber es hätte auch Geld gekostet. Geld, das an allen Ecken und Enden der Stadt dringend benötigt wird.
Wir haben uns angewöhnt kurzfristig zu denken. In Zeiten der knappen Kassen, sind uns über das Stopfen von Löchern, Visionen völlig abhanden gekommen. Heinz Herker fügte noch einige Dinge hinzu, die doch zum Nachdenken anregen. Gerade der Fall Nokia zeige, dass mit einer Subventionspolitik, die sich nur an Unternehmen orientiert, keine dauerhaften Arbeitsplätze und somit auch kein wichtiges Stück Lebensqualität geschaffen werden kann. Wäre es nicht besser, manche Gelder davon in das Lebensumfeld der Menschen zu stecken und somit nachhaltige Lebensqualität zu schaffen, die auch für die Ansiedlung von Unternehmen wichtig ist?
Oft ist die Wahrnehmung einer Stadt von Außen ganz anders als man es als Bochumer gerne sehen möchte. Grönemeyers Hymne an Bochum ist lange her. Seitdem bestimmen Opelkrisen und nun auch Nokia das Bild, das nach außen schimmert.
Wohlgemerkt, die Internationale Gartenschau wäre erst 2017. Aber jahrelange Vorbereitung im Lichte der Öffentlichkeit und dann ein ganzes Jahr im Mittelpunkt stehen, ist mehr Imagegewinn, als eine riesige Werbekampagne. Nicht nur für Bochum, sondern für das ganze Ruhrgebiet. Nach der Kultur 2010 – ein Grünes Image 2017 – für den Wandel in den Köpfen – innerhalb und auch außerhalb des Ruhrgebiets.





0 Kommentar