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Grün kann jeder???

„Vom Büro hinaus in die Natur“, so prangt es in großen Lettern über einem Zeitungsartikel unserer Werbezeitung in Bochum. Darunter ein farbiges Bild mit lauter strahlenden Menschen, mit und ohne orangfarbenen Warnwesten, die z. T. mit Arbeitsgeräten bewaffnet, in die Kamera lächeln.

Mit Slogan wie „Stadt bietet mehr als 100 Menschen eine neue Perspektive –Fit für den Arbeitsmarkt“ oder auch „Wir legen großen Wert auf Qualität“, wird der Eindruck vermittelt, dass hier Gutes für die Stadt und Arbeitslose getan wird. Die Rede ist von so genannten „Zusätzlichen Arbeitsgelegenheiten“. Vor allem Werbeblättchen ohne viel Mitarbeiter aber auch Lokalredaktionen größerer Zeitungen übernehmen gern unreflektiert diese Pressemitteilungen von Kommunen.

In welcher Stadt laufen sie nicht herum, die Kolonnen, die aus statistischen Gründen und zur Entlastung des kommunalen Geldsäckchens irgendwelche Arbeiten im Grünsektor verrichten. Meine Erfahrungen sind allerdings ganz anders als die Werbesprüche der Kommunen und Arbeitsagenturen es vermitteln wollen.

Erfahrungen sollen diese Menschen sammeln und fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt? Was das für Erfahrungen sind, im Winter jeden Tag Laub zu beseitigen, Bürgersteige von Wildkräutern zu beseitigen oder wochenlang Strauchwerk zu schleppen, mag das Geheimnis der Kommunen sein.

Was wird aus dem ersten Arbeitsmarkt? Den ungefähr 16.000 Beschäftigten in Garten- und Landschaftsbaubetrieben in NRW stehen ca. 43.000 Gemeinwohlarbeitsplätze im Grünen Bereich gegenüber. Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass solche Arbeitsgelegenheiten erst den ersten Arbeitsmarkt beseitigen. Seit den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der 80er Jahre wurden Hunderttausende zeitlich begrenzt in den Grünen Bereich gesteckt. Wo sind sie alle?

Mit Hilfe dieser Maßnahmen wurden Stellen in Grünflächenämtern abgebaut und der Etat zur Pflege der Außenanlagen heruntergefahren, was auch in den gewerblichen Betrieben zum Arbeitsplatzabbau geführt hat. Wenn die Maßnahme für die „zusätzlichen, bezuschussten Arbeitskräfte“ ausgelaufen ist, kein Problem für die Kommune, von der Arbeitsagentur gibt es Nachschub. Zurück bleiben Menschen, die bei Regen und Kälte im Freien mit der Hoffnung auf Perspektive gearbeitet haben, wohl aber in diesem Bereich nie einen Arbeitsplatz finden werden, da auch ihre eigene Maßnahme lediglich zur Beseitigung von Arbeitsplätzen benutzt wurde.

Aber Grün kann ja jeder???

 
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