Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass heute der Tag war, an dem meine Fähigkeiten als Mann gefordert waren. Lange genug hatte ich mit ansehen müssen, wie nach und nach jeder Schmutz und Unrat dieser Welt, Besitz von meinem Lieblingsplatz nahm. Zugegeben, ein wenig hatte ich mich in meinen Sessel zurückzogen und dem Treiben freien Lauf gelassen. Hilflos und ohne inneren Antrieb hatte ich über die Wintermonate zugesehen, wie Schicht für Schicht des Übels, sich meines Platzes bemächtigte.
Nun war es soweit. Die frischen Sonnenstrahlen des fantastischen Frühlingstages gaben mir neue Kraft, ja ließen sie wahrlich in mir explodieren. Ich war erfüllt von Tatendrang. Im Radio lief das Lied, „Wenn nicht jetzt, wann dann“ und es stimmte genau in diesem Augenblick.
Ohne zu zögern begab ich mich auf die Suche nach meiner persönlichen Schutzausrüstung. Aber wie in jedem Frühjahr war sie nicht aufzufinden. Auch das konnte mich in diesem Augenblick nicht aufhalten. „Liebling, wo hast Du meinen Blaumann wieder versteckt“? , hörte ich mich sagen. „Da wo er immer ist“, schallte es prompt zurück. Ich „.liebte“ diese Antworten. Nach solchen präzisen Aussagen war ich stets genau so schlau wie vorher. Hätte ich gefragt, wenn sie dort läge?
Es dauerte noch ungefähr eine halbe Stunde, dann war ich ausgerüstet. Blaumann an und gelbe Regenjacke drüber. Gummistiefel? Wo waren meine Gummistiefel? „Liebling, weißt Du, wo meine Gummistiefel sind“? „In der Garage, wie immer“, kam es ein wenig liebevoll, genervt zurück. Aber natürlich. Ein richtiger Mann hält Ordnung. Ist logisch und vernünftig alle Dinge, die zusammengehören auch zusammen zu lagern.
Nun holte ich noch kurz die Maschinen und Geräte aus dem Garagenregal, überprüfte sie gründlich und dann konnte es losgehen. Ich schloss den Schlauch an, steckte den Stecker in die Außensteckdose und drückte den Hebel der Macht. Doch nichts geschah. Aber natürlich fand ich als erfahrener Mann umgehend die Ursache. Ich ging zur Terrassentür öffnete sie und rief: „Liebling, kannst Du einmal die Außensteckdose einschalten. Mit meiner dreckigen Kleidung kann ich nicht in die Wohnung“. Wieder geschah nichts. „Liebling, bist Du da“? „Einen Moment bitte“, konnten meine Ohren eine genervte Stimme vernehmen, „ meinst Du, ich lasse sofort immer alles fallen, wenn Du rufst“.
Nach einer halben Ewigkeit, so kam es mir jedenfalls vor, erhielt ich die Energiezufuhr, die ich und meine Ausrüstung brauchten. Dann ging es wirklich los. Ein Druck auf den Hebel und das Wasser strömte mit 120 Bar aus meinem Hochdruckreiniger. Welch eine Kraft. Der Schmutz flog einfach nur so davon. Ein fantastisches Gefühl so viel Energie in seinen Händen zu haben und zu bändigen.
Im Nu war die Terrasse sauber. Und weil ich gerade einmal dabei war, kamen noch die Gareneinfahrt dran und der Hauseingang und die Mauer und der Regenschirmständer und …
Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit. Nebenbei hatte ich noch widerlegt, dass Männer sich vor Reinigungsarbeiten im und am Haus zu drücken versuchen. Nein, auch ich war bereit, mich an den Mühen zu beteiligen.
Irgendwann war es Zeit für eine Pause. Ich legte meine dreckige Schutzkleidung über den Gartenstuhl, denn das Mittagessen war fertig.





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