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Baumschutzsatzungen - sinnvoll oder nur populistisch?

Niemand in unserem Lande wird wohl mittlerweile bestreiten, dass Bäume wichtig für unsere Lebenswelt und auch selbst für unser Wohlbefinden sind. Dies gilt sowohl für die ländlichen Gebiete, wo durch extreme „Flurbereinigung“ erhebliche Umweltschäden angerichtet wurden, als auch für den urbanen Raum, wo Bäume selbst das innerstädtische Klima mitbestimmen.

In unserem Lande neigen wir dazu, gerne Dinge mit Gesetzen und Vorschriften zu regeln. Umso mehr die Volksstimmung gerade ein Thema für sich entdeckt hat, desto leichter sind solche Regelungen durchzusetzen. Ja es wird sogar danach gerufen und sie werden Wahlkampfthema. Zurzeit  ist das Thema Volksgesundheit in aller Munde. Jeder möchte, dass der andere gesünder lebt. Rauchern, übergewichtigen Menschen, Autofahrern und vielen andere Gruppen mehr, wird versucht, Verhaltensregeln überzustülpen.

Wenn diese Themen ein wenig aus der „Mode“ gekommen sind, darf und sollte auch einmal nachgefragt werden, was diese Vorschriften überhaupt gebracht haben. Gerade in einer Zeit, als die meisten Menschen ohnehin den Wert von Bäumen erkannt hatten, wurden die ersten Baumschutzsatzungen beschlossen. Für Kommunen war es einfach „in“, ein Baumschutzsatzung zu haben und sie war in vielen Kommunalwahlkämpfen ein Thema. Gegen den Schutz der Bäume gab es keine Argumente, also warum nicht wieder einmal ein beliebtes und aktuelles Thema mit Satzungen regeln.

Meine persönlichen Erfahrungen mit der Baumschutzsatzung in Bochum sind eher negativ. Sie sind bei  Weitem nicht repräsentativ, decken sich aber mit den Einschätzungen vieler Kollegen.

Die ersten negativen Auswirkungen stellten sich bereits ein, bevor die Regelung in Kraft trat. In den Wochen vor ihrem Beginn wurden Bäume gefällt, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. Alte Buchen, Eichen und Kastanien wurden in Massen aus Furcht vor der Satzung einfach abgeholzt. Es war so schlimm, dass die Landschaftsgärtner nur noch fällten und fällten und fällten. Das Holz wurde einfach liegen gelassen und erst als wieder Zeit war, nach Beginn der Satzung, entsorgt. Ich dachte: „ Um sich allein von diesem Kahlschlag alter Bäume zu erholen, braucht die Baumwelt  40-50 Jahre“.

Die zweite negative Auswirkung, die ich leider häufig erlebe, findet in Gärten statt. Häufig ist es so, dass wenn die Menschen älter werden, sie mit dem Laub der Bäume nicht mehr fertig werden. Wer weiß, wie ordentlich manche noch gerade ältere Menschen sind, der weiß, wie sehr sie darunter leiden. Nicht selten komme ich zu älteren Menschen (häufig Frauen, da sie älter als Männer werden), die mit Tränen in den Augen vor Laubbergen stehen. Sie können es einfach nicht mehr schaffen, diese Berge zu beseitigen. Nachbarhilfe? – siehe meinen Beitrag „Sterben der Siedlungsgärten“ (klick). Die Rentenentwicklung der letzten Jahre hat zudem dazu geführt, dass sie sich professionelle gärtnerische Hilfe nicht mehr leisten können. Was tun? Nun meine lieben Lokalpolitiker – wenn Sie die Bäume als so wertvoll erachten, dann sollten sie auch für ein solches Problem eine passende Lösung finden. Populäre Schutzbestimmungen zu beschließen ist nicht schwer – die Probleme haben jedoch die einfachen Menschen.

Als dritten Negativpunkt erlebe ich häufig, dass Bäume gefällt werden, noch bevor sie die entsprechende Größe erreicht haben, dass sie  unter die Satzung fallen würden. In Bochum werden erst Bäume ab 80 cm Stammumfang geschützt. Hier wird die Baumschutzsatzung völlig ad absurdum geführt, da sie es ist, die erst verhindert, dass es einen alten Baumbestand geben kann. Die Menschen suchen sich immer einen Weg, solchen Regelungen zu entgehen.

Noch schlimmer ist es, dass nach Inkrafttreten der Baumschutzsatzungen kaum noch größere Bäume in  Privatgärten gepflanzt werden. Der Trend zu kleinkronigen Bäumen ist ungebrochen. Immer neue Arten werden gezüchtet und verkauft. Selbst in großen Gärten habe ich seid Jahren keine Buche oder Eiche mehr gepflanzt. Die Menschen wollen einfach Herr im eigenen Garten bleiben und sich nicht vorschreiben lassen, welche Gehölze sie dort belassen dürfen und welche nicht.

Meiner Meinung nach, haben Baumschutzsatzungen auf der ganzen Linie versagt.  Was gut gemeint war, ist eine einzige Fehlentwicklung geworden, die umgehend korrigiert werden muss. Die Satzungen haben große Schäden verursacht und den Baumbestand auf Jahre hinaus in die falsche Richtung gelenkt.

Diese Meinung ist vielleicht unpopulär, aber manchmal muss man auch erkennen, dass scheinbar richtigen Maßnahmen das Gegenteil bewirken.  In einigen Zeitschriften (keine Quellenangabe möglich) war zu lesen, dass sich der Baumbestand in den betroffenen Kommunen nicht erhöht hat und zum Teil sogar zurückgegangen ist. Was bleibt, ist ein bürokratisches Monster ohne Zähne, das sowohl den Kommunen, als auch den Menschen, viel Aufwand und hohe Kosten beschert.

Bleibt die Frage:  Bäume schützen, ja – aber wie?

 
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