Dunkelblau oder Steingrau sind des Mannes liebste Farben. So zumindest scheint es, denn auf den Straßen und in den Büros laufen einem die beiden dunklen, langweiligen Töne am häufigsten über den Weg. Alles Bunte jedoch ist den meisten Herren suspekt. Lieber bleibt er unsichtbar. Doch das war nicht immer so. Über viele Jahrhunderte hinweg wetteiferten beide Geschlechter um das prächtigste Gewand. Zwar hat nun dieser Sommer wieder reichlich Farbe für Männer im Angebot, doch ungewiss ist, ob viel davon auch auf die Straße dringen wird.
Fest steht: Uns Frauen könnte das nicht passieren. Zu einem blauen Shirt trägt man die rote Leggins und die gelbe Tasche. Oder zum grünen Shirt die gelbe Hose und die blaue Tasche. Oder zum orangefarbenen Kleid die pinken Schuhe... Ganz klar! Es scheint, als ob die moderne Gesellschaft Charakter und Persönlichkeit verloren hat und sich stattdessen mit dunkler Kleidung «in der eigenen Angst verkriechen» wolle, beklagt der italienische Designer Kean Etro. Die Marke, die seinen Nachnamen trägt, ist bekannt für ihre prächtigen Farben und opulenten Muster. Gleichgesinnte findet Etro in Kollegen wie dem Engländer Paul Smith oder Agatha Ruiz de la Prada aus Spanien, die ebenfalls gegen eine triste Männermode ankämpfen.
Das Thema Farbe ist eben stark weiblich besetzt. Viele Männer haben ganz einfach Angst davor, dass sie zu feminin wirken könnten, erkennt Lale Aktay, Modechefin des in München erscheinenden Männermagazins «FHM». Denn die Frau durfte sich ja auch in der industrialisierten Gesellschaft schmücken. Allerdings, je mehr sie ihrerseits eine seriöse berufliche Karriere anstrebt, übernimmt sie dann ebenfalls zumindest im Job einen eher nüchternen Dresscode.
In diesem Sommer nun hat der Mann, theoretisch zumindest, die Wahl. Es gibt zarte Pastelltöne, etwa bei Jil Sander, knallig-klare Farben zum Beispiel von Burberry Prorsum, Gucci, Laura Biagiotti oder Thierry Mugler und auch Neon wie bei Moschino. Nie aus der Mode - und bei Studenten der Wirtschaftswissenschaft immer sehr beliebt - bleibt ja das rosa Polo-Shirt und der umgehänge fliederfarbene Pullover. Aber wenn wir Frauen ganz ehrlich sind - so richtig gern sehen tun wir das dann auch nicht...





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