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Ein Tach im Leben


Paar Leute haben mir geschrieben, datt sie datt Tagebuchblogging von früher vermissen würden, also datt, wo man aufschreibt, watt man den Tach über so gemacht hat. Dadrum mach ich datt diese Woche hier mal und gucke, wie datt so ankommt.


Also. Gestern morgen hab' ich gesaugt und gewischt, die Katzenklos sauber gemacht und zwei Ladungen Wäsche gewaschen. Mittachs hab' ich zwei Steaks inne Pfanne gehauen, dazu gab datt Nudeln und Erbsen. Nachmittachs dachte ich mir, gehste zur Post, damit die Leser auch unterhalten werden.


Jezz muss man wissen, datt die meiste Stellen, wo Post dran steht, ganich mehr richtich Post können, sondern nur die ganz einfache Sachen wie Briefmarken verkaufen und Pakete annehm. Für schwierige, komplizierte Sachen wie Scheckeinreichungen muss man nache Zentrale hin, weil die hat ein Beamten (sind die eintlich noch beamtet da?), wo sowatt kann.


Weil der Mann der Einzichtse von seine Art weit und breit is', hat der immer gut zu tun und je mehr der zu tun hat, umso langsamer wird der. Wenn der sieht, hui, da draußen warten vier, fünf Leute, dann geht der ersma all seine Bleistifte anspitzen und die Radiergummmis nach Größe sortieren. Wenn der sieht, oh, da steht schon 'ne Schlange von zehn, zwölf Kunden, dann erstarrt der zur Salzsäule und spielt Beamtenmikado (Sie wissen schon: wer sich zuerst bewegt, der hat verloren). Der Mann sitzt nämlich hinter sonne Glastür mit "Beratung!!! Nicht stören!!!"-Schild und blafft jeden an, wo einfach so rein geht, erst recht wenn da keiner is', wo beraten wird. 


Im Schnitt warte ich 'ne halbe Stunde da, heute waren datt 55 Minuten. Jezz bin ich nich doof und nehm mir immer watt zu lesen und 'ne Flasche Wasser mit, aber lesen ging nich. Ein freundlichen Rentner hatte nämlich ein Kleinkind auf 'nem rosanen Fahrrad dabei und datt Kleinkind war ausführlichst seine Fahrradklingel am ausprobieren gewesen. RRIIINNGG!! RNG! RIIINNGG!! ging datt, die ganze Zeit in eine Tour. Wenn einer sich umdrehte und böse guckte, lächelte der Rentner freundlich zurück und wenn jemand watt sachte, lächelte er auch freundlich und nickte dazu. Der Mikadobeamte sah datt, grinste ab und zu und fand datt äußerst lustich, weil er saß ja in seine schallgeschütze Zelle drinne.


Wie ich dann endlich innem Glaskasten bei ihm drinne war, hab' ich schön die Tür aufgelassen, damit der auch watt davon hat. Ich hab' ja verbrannte Finger, da kann man schlecht mit Türen zu machen, ne. Außerdem hab' ich 'ne Wunde am Bein, da muss ich datt Bein immer ausstrecken, so datt man die Tür nich zumachen kann in den winzigen Kabuff. So. Dann hab' ich mir lang und breit erzählen lassen, wie man sonn Scheckeinreichungsformular ausfüllen muss, weil, man will ja kein Fehler machen. Merkwürdigerweise hab' ich aber doch ein Fehler gemacht und musste alles nomma ausfüllen. Mit meine verbrannte Fingers bin ich da aunich so schnell, hömma, da muss ich jede Zahl einzeln hin malen. Danach hab' ich dem noch paar Fragen gestellt über Tagesgeldkonten und Kredite, wo ich schomma da war, weil man will ja gut informiert sein, wenn man sowatt mal brauchen sollte, ne. Nach nur 20 Minuten RRIIINNGG!! RNG! RIIINNGG!! war ich dann endlich fettich - und er mitte Welt.

Im Rausgehn hab' ich dem rosa Terrorzwerch den Kopp getätschelt und dem Oppa freundlich zugenickt. Man muss immer nett sein zu seine Mitmenschen, ne.

 
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