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Bass Communion - Molotov And Haze

0Molotov and Haze

Bass Communion wird in der Liste der Hart-gerockt-Blog-Rezensionen künftig nur zufällig ganz in der Nähe von Bassinvaders gelistet sein. Im Falle des Bassinvaders-Projekts von Helloween-Mitglied Markus Großkopf wummert es ja ordentlich dank allem, was eine Heavy-Combo so braucht. Mit Ausnahme einer Gitarre (oder auch mehrerer).

Bass Communion ist ganz und gar nicht Bassinvaders, wummert nicht, sondern es brummt. Und das ist auch gut so. Wenn man als Hardrocker denn Geduld und Toleranz mitbringt, sich auf die Geräuschkulissen einzulassen, die Steven Wilson in seinem Ambient-Projekt Bass Communion so aus Gitarre und Laptop zimmert. Gitarre. Und Laptop. Kein Gesang, kein Schlagzeug, kein gar nichts.

Wer sich allein von diesen Zeilen abschrecken lassen möchte, dem sei ferner mit einem gedruckten Schnelldurchlauf geholfen. Die vier angebotenen Stücke des aktuellen BC-Albums Molotov And Haze (erschienen bei Important Records) ähneln in der Reihenfolge

  • einem von Wallauten unterfütterten Rasenmähergeräusch im hohen Gras (Molotov 1502, 15 Minuten 30)
  • sphärischen Klängen, die von unter Drogen stehenden, Harfen zupfenden Engeln stammen (Glacial 1602, 13 Minuten 10)
  • einem nicht enden wollenden Geräusch, das quietschende Autobremsen hinterlassen, in das sich bereits die Sirenen der nahenden Rettungsfahrzeuge, des kreisenden Helikopters und der Löschflugzeuge mengen (Corrosive 1702, 12 Minuten 26)
  • der Arbeit von Enterprise-Techniker Scotty, die daraus besteht, den defekten Beamer bei laufendem Materialisierungsvorgang zu reparieren, um eine Tüte Luft aus der unendlichen Weite des Weltalls vor dem Nichts zu retten (Haze 1402, 23 Minuten 10)


Nun hat es Ambient-Musik so an sich, dass sie sich nicht im herkömmlichen Begriff von Lied bewegt. Akkorde, Melodien und Gitarrenriffs haben in dieser Art Musik selten etwas zu suchen. Und doch ist es gerade für Hardrock-Freunde durchaus interessant, was ein Mann, der Heavy-Kracher wie Shallow oder Blackest Eyes für Porcupine Tree komponierte, sonst noch so aus seinem Hirn saugt.

Steven Wilson (pic: Volker Stephan)

Gelungen ist ein Ambient-Stück grundsätzlich dann, wenn sich aus einer kleinen Sequenz etwas Großes entwickelt. Und so müsste die Herangehensweise (auch) an die neue, mittlerweile achte Bass-Communion-Platte angelegt sein. Gelingt es Wilson, aus dem Kern des ersten Klanges eine ganze Soundlandschaft zu schaffen, die lange trägt?

Das werden im Fall von Molotov And Haze ambient-ungeübte Ohren vermutlich schnell mit "Nein" beantworten. Je länger aber der Geduldsfaden wird, desto geschulter wird das Ohr, meine ich zumindest bei mir festzustellen. Corrosive 1702 ist ein mächtiges, lautes Stück, das die Nuancen hinter den aufgetürmten Klangbergen nur schwer zugänglich macht. Dagegen wirken die beiden ersten Stücke des Albums geradezu sanft und zart.

Der Kontrast von Corrosive 1702 zu Haze 1402 könnte größer nicht sein. Aus einem kaum wahrnehmbaren Beginn heraus nehmen helle Klänge über die Minuten zu, wellenartig wechseln sie sich mit tiefen Tönen ab, ehe das überaus melancholische Stück im Nichts verschwindet, aus dem es entstand.

Wilsons Bass Communion ist ein Projekt, das Ambient, Drone und elektronische Musik mischt. Molotov And Haze ist einer der ersten Versuche Wilsons, in dieses Geflecht auch Klänge zu weben, die aus Gitarre und Laptops generiert sind. Das ist auf der Platte unüberhörbar. Erstaunlich, was der Mann alles kann.

Kuttenträger werden dennoch zur Minderheit zählen, wenn Steven Wilson eine seiner raren Auftritte als Bass Communion vor Publikum gibt – am 1. November 2008 im Antwerpener CC Luchtbal (Belgien). Es ist sozusagen der Gegenbesuch bei Hauptact Fear Falls Burning, dem Ein-Mann-Gitarren-Klangzauberer (namens Dirk Serries oder auch "vidnaObmana"), der jüngst in Düsseldorf für Wilsons anderes Projekt No-Man den Einheizer spielte. Wilson wird auch in Fear Falls Burnings abendlicher Bühnenformation ein Gastspiel geben.

In Antwerpen zählen dann eher Männer wie Thomas Hanke zu den Ohrenzeugen (zu sehen gibt’s ja nicht viel), der über die Maßen Porcupine-Tree-Fan ist, selbst in einer Klanggruppe namens Private Eyes Of Art an Gitarre, Keyboard und Computer Soundlandschaften entwickelt und mich inständig gebeten hat, mit Bass Communion nicht zu hart(gerockt) ins Gericht zu gehen. Müsste geklappt haben.

So, ich muss aber jetzt ins Löschflugzeug, Wale wässern und die Tüte Luft wieder im Nichts des unendlichen Alls aussetzen.

Kein
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Unterm Strich

 
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