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Roskilde: The Music. The Party. The Feeling. (DVD)

roskilde dvd

Unverhüllt vor Gott stehen. Eine religiös-philosophische Annäherung an eins der größten Rock- und Popfestivals? Die aktuelle DVD zum dänischen Open-Air-Festival Roskilde (erschienen bei edel) schafft selbst das. Ein Geistlicher stellt in einer Sequenz den Bezug zum einheimischen Nihilisten Sören Kierkegaard her. Und das Unverhüllte darf beim Ansehen der DVD durchaus wörtlich verstanden werden. Blank gezogen wird darauf auch. Aber tatsächlich ist, wenn alle Masken fallen, wohl eher ein Lebensgefühl gemeint.

Das Lebensgefühl Roskilde-Festival, der Reinkarnation von Woodstock in der Alten Welt, wird binnen 100 Minuten, im Rückblick auf acht Jahre, durchaus deutlich. Dem dänischen Filmemacher Ulrik Wivel gelingt eine erstaunliche Aneinanderreihung von scheinbar Belanglosem hinter der Bühne, Bizarrem auf den Campingplätzen und Bewegendem in den Berichten von Besuchern und Veranstaltern.

Zwischendurch dachte ich, mir werde vermutlich nur eine einzige Szene der DVD in Erinnerung bleiben. Nicht die eingestreuten Songs von Placebo oder Franz Ferdinand, nicht die austauschbaren Bilder des teils enthemmten Camplebens. Sondern wie es einem unbekannten Schwarzseher gelingt, mit einem eleganten Sprung von einem Kasten aus einen Absperrzaun zu überwinden und unerkannt in der Menge der Stehend-Wasserlasser unterzutauchen. Jump. Eintritt frei.

Allerdings sind es die Kontraste, die dann doch stärker nachwirken. Brennende Zelte, auf die die (zumeist ehrenamtlichen) Helfer in Vorbesprechungen hingewiesen werden - fast klinische Kälte dagegen bei den Interviews mit dem unaufgeregten Festival-Direktor der Jahre 1972 bis 2002, Leif Skov. Psychedelische Momente in Zelten und dem Morast verregneter Fußwege – die nüchterne Herangehensweise der Rettungskräfte an sturzbesoffene Komatrinker.

An zentraler Stelle der DVD dann der Rückblick auf 2000. Gedränge, Panik, es kommt zur Katastrophe beim Auftritt von Pearl Jam. Acht Festival-Besucher sterben. Das Musikprogramm des Abends wird abgebrochen, die Veranstalter entscheiden sich am Tag danach zur Fortsetzung des Festivals. Ex-Direktor Skov versucht eine universelle Einordnung des Geschehenen: Wer das Grauen beiseite lasse, komme schließlich doch zu keiner Erklärung für das Unglück. Außer: Roskilde stehe auch in diesem Moment für das Leben, das sei nicht zu zerstören. Man öffne sich für die Freude und Begeisterung an der Musik und der Gemeinschaft, aber man werde auch verwundbarer. Dagegen könne man nichts tun.

Die Macher der Doku gönnen dieser Erkenntnis eine Zeit zu wirken. Stille. Schlafende junge Menschen. Um der Szenerie das Bedrückende zu nehmen, ist das erste Thema, als die DVD ihre Sprache wieder findet: Alkohol. Einem jungen Herrn wird aus dem Zeltinneren Aquavit zum Frühstück angeboten. Willkommen im Leben!
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Das Festival 2009 hat gerade stattgefunden. Anfang Juli ging es wieder über drei Tage.

 
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