Es gibt einen weiteren guten Grund, am 25. Oktober 2008 Teil eines vorhersehbar adrett gekleideten Opernpublikums zu sein.
Schließlich ist der Rosenhof zu Osnabrück nicht irgendein Konzerthaus.
Rosen, Hof, Friedensstadt - welch Zutaten für einen unvergesslichen Abend.
Und wer jemals in einem Spielcasino schweigend, aber gerührt (nicht geschüttelt), seiner Geldvermehrung beigewohnt hat, wird ahnen, dass gerade solche Orchesterwerke unter die Haut eines jeden Klassik-Liebhabers gehen müssen, die dem Stadt des schnellen Geldes gewidmet sind.
Stop.
(Regieanweisung: Es vergehen einige Minuten. Dann setzt er sich wieder an die Tastatur.)
So. Mit Frühstück im Bauch tippt es sich samstags vormittags einfach besser.
Vergesst das Kursive, ich habe mich (nicht nur schrifttypisch) wieder aufgerichtet.
PUNK ist das Thema.
Aber was für ein hübscher.
Im Vorprogramm der sehnlichst erwarteten Dänen-Rockabilly-Metaller von Volbeat steht die Spaßmacher-Fraktion aus Frankfurt namens Serum 114. Und das hat auch ein wenig mit dem schrägen Einstieg oben zu tun.
Serum 114 (promo-pic: Netinfect)
Serum 114 (promo-pic: Netinfect)
Serum 114 ist mit dem gleichnamigen Debütalbum nicht noch irgendeine Punk-Scheibe rausgerutscht, die volle Hose geradewegs zu den Ärzten deines Vertrauens führt.
Natürlich gibt es Nummern, die bis auf das Voll-Beat-Auf-Die-Zwölf-Tempo links rein und rechts wieder raus rauschen, etwa der Schlussakkord Durch Diese Augen oder Sorgenkind. Was aber stark hängenbleibt, sind neben der sehr direkten Art der deutschen Texte jene Weisen, die ihre herrlich metallischen Wurzeln voll ausleben.
Das Einstiegs-Serum 114 wirkt nicht nur schön schnell, sondern lässt die Gitarre manchmal auch metalsolomäßig allein auf die Menschheit los. Völlig begeistert bin ich - für die Spielcasino-Freunde von oben kommt jetzt der Moment der Erinnerung und des Brückenschlags zu Beitragszeile 8 - vom Stück Las Vegas, das auf hübsche Weise die Geldvernichtungsfreude von Zockern knallig-künstlerisch umsetzt. Und dabei den Refrain auch noch in den Stand von Nationalhymnen-Texten erhebt, jenem Teil zumindest, der im ausgehenden 19. Jahrhundert noch keinen braunen Beigeschmack hatte.
Ist das bereits aufs Höchste vergnüglich, knallt Serum 114 mit Schönen Gruss / Deine Frau direkt danach, an neunter Stelle des Lieder-Albums, einen derben Stampfer zu möglichen Ver(w)irrungen des menschlichen Zusammenlebens raus. Die Gitarrenriffs darin sind manchmal für einen Moment auch ein Gruß an AC/DC oder die Melodic-Hardrock-Fraktion unter uns. Das Dreier-Paket als mein Höhepunkt des Albums schnürt Serum 114 schließlich sofort mit Stadt Ohne Licht, ein sehr melodiöses und hartes Stück Musik, das mich fast vier Minuten vergessen lässt, zu Punk-Bands eigentlich nie so recht den Zugang gefunden zu haben.
Ein wenig Skandal-Geruch muss offenbar auch sein, wenn es mit einem Debütalbum in die weite Musikwelt hinausgeht.
In Müller-Westernhagens Dicke-Manier schmeißt Serum 114 ein Stück auf den Markt, das ja sowas von aufrüttelnd sein soll. Nur geht es in Du Bist Zu Fett zunächst nicht um die Fettpölsterchen in uns allen, sondern - Zeigefinger zeigt moralisch auf fünf vor Zwölf - um die Kalorienarmut von abgemagerten Laufsteg-Püppchen.
Bühne frei für ein Zitat von Esche, dem Serum-114-Sänger:
"Der Song ist eine handfeste Kritik an der Magersucht von Möchtegernmodels, die meinen, sie hätten mit einem Gewicht von vierzig Kilo zu viel auf den Rippen."
Äh, ja, gut, dass das mal jemand gesagt beziehungsweise gesungen hat. Weil, es eifern ja auch viele Mädchen diesem Unschönheits... Ja, ja. Und natürlich gibt es gleich auch noch ein Video im Web dazu, guckt ihr hier.
Gut, dieses Sendungsbewusstsein hinein in die Boulevard-, Friseurbesuch- und Stammtisch-Themen sei angesichts einer unterm Strich ansprechenden Platte einfach mal verziehen.
Und als Aufwärmer für Volbeat ist Serum 114 allemal eine gute Wahl, garantiert.
Im Westen ist das Paket hier und dann zu sehen:
23.10.2008 - Köln, E-Werk sowie knapp am Westen vorbei:
25.10.2008 - Osnabrück, Halle Gartlage





0 Kommentar