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Null Gitarren - Nur Gitarren (Eine Episode in zwei Akten)

Episode I: Null Gitarren

Die Idee für diese Doppelepisode "Null Gitarren – Nur Gitarren" kam mir im Januar, als ich nahezu zeitgleich auf zwei völlig verschiedene CDs aufmerksam wurde. Weil sie so unterschiedlich sind, wage ich gar nicht erst den Versuch eines Vergleichs. Allein der so gänzlich andere Ansatz bei diesen beiden Veröffentlichungen ist die Klammer für den Blog-Beitrag. Anders gesagt: Was es nicht alles so gibt, bekommt hier in zweifacher Ausfertigung eine Huldigung. Episode Zwei folgt bald, Inhalt bleibt noch geheim, Spannuuung.

Frisch gepresst: Bassinvaders - Hellbassbeaters

Bassinvaders - Hellbassbeaters (CD, Januar 2008)

Bassinvaders - Hellbassbeaters (CD, Januar 2008)

Episode I handelt von einem Projekt des Helloween-Mitglieds Markus Großkopf. Schon erstaunlich, welche Ausmaße eine simple Idee bekommen kann. Mit der CD namens Hellbassbeaters hat Bassist Großkopf unter dem Projekttitel Bassinvaders eine wirklich interessante Scheibe Musik geschaffen, die gänzlich ohne Gitarre auskommt (erschienen am 25. Januar beim italienischen Label Frontiers Records).

Und damit ist der Weg frei für ausgeprägte Bass-Spielereien. Bevor ich näher auf das Ergebnis eingehe, können wir schnell noch ein paar Pseudo-Weisheiten abhandeln.



Der Bass an und für sich, ein paar Weisheiten

Bass ist eine Art Gitarre, für die, die es nicht wissen sollten. Wer auf E-Gitarren fixiert ist, kann den Großkopf-erten Verzicht auf das harte Brett der Klampfer wohl nicht verstehen.

Daraus folgt die nächste Weisheit: Der Bass dient gemeinhin als Unterlage und (nebst Schlagzeug) als Schrittmacher für einen Song, zu mehr taugt er im Heavy Metal kaum.

Weisheit aus Musikerkreisen: Bass ist zweite Reihe. Wer als Gitarrist zu spät zu einer Band stößt und feststellt, dass es schon einen seiner Art gibt, darf noch maximal die Rhythmus-Gitarre spielen oder kriegt den Bass umgehängt.

So, fertig.

Bassinvaders – das Konzept

Markus Großkopf gibt seine persönliche Antwort auf derlei Dinge. Ausgehend von der Überzeugung, dass zum Beispiel die Musik von Motörhead eigentlich keine Gitarre bräuchte, wollte er den entsprechenden Beweis antreten. Guter Kniff von Großkopf: Die Platte unterliegt nicht dem Verdacht, eine Helloween-Scheibe ohne Gitarre zu sein.

Im Gegenteil: Sie ist eine Helloween-Scheibe ohne Gitarre.

Und eine von Rage ohne Gitarre,

eine von Destruction ohne Gitarre

und eine von Sodom ohne Gitarre.

Großkopf fand drei allseits bekannte Bassisten, Sänger und Komponisten ihrer jeweiligen Bands (in der Reihenfolge Peavy Wagner, Schmier und Tom Angelripper). Wodurch die vorliegende Scheibe eine Art Sampler von neuen Songs der vier Gruppen ist, mit den jeweiligen Ausprägungen des Heavy Metal zwischen Power-Melodic und hammerheftig.

Die Platte

Mehr noch. Großkopf ließ den Mitstreitern nicht nur freie Hand beim Schreiben der Stücke, sondern verpflichtete auch noch eine ganze Reihe von Bassisten, die den Stücken Soli zufügte, von Sängern und Schlagzeugern. Netterweise listet das Booklet den Anteil eines jeden Musikers haarklein auf. So ist zum Beispiel Fates Warnings Joey Vera auf dem "Rage-Stück" Far Too Late von Peavy Wagner mit einem erstaunlichen Solo zu hören. Billy Sheehan (unter anderen Steve Vai) veredelt die typische Wagner-Midtempo-Nummer Romance In Black. Und, und, und.

Gleich das Intro von Gamma Rays Dirk Schlächter Awakening Of The Bassmachine zeigt an, dass wir uns auf der Platte bisweilen in der Maschinenhalle des Heavy Metal befinden. Großkopfs Song Voices etwa führt dermaßen ins klangliche Tiefpaterre der Vier- bis Fünfsaiter, dass es einem die Innereien durchwalkt. Herrlich melodiöse Bassläufe bietet auch die Interpretation des Helloween-Klassikers, Eagle Fly Free, vom 1988er Album Keeper Of The Seven Keys Part 2. Dazu passt die ab und an wie Dio klingende Stimme von Apollo Papathanasio (Firewind, Ex-Time Requiem, Ex-Majestic).

Apropos Gesang: Der Verzicht auf die E-Gitarren nimmt den Stücken nichts von ihrer Kraft, andersrum lässt er tatsächlich Raum, dass sich selbst die "feinen" Stimmen der Herren Angelripper und Schmier entfalten. Ehrlich, nie fiel es mir leichter, mich auf das, pardon, Brüllen einzulassen. Es wird eben nicht durch hartes Gitarrengewitter untermalt, sondern ist sozusagen auch in Nuancen hörbar. Meine Ohren mögen das fast.

Weg mit den Weisheiten

Weg mit den Weisheiten: Die Platte kommt ohne Gitarren hervorragend aus, weil die Bässe sich neuen Spielraum erobern und somit locker an die Stelle ihrer "großen Brüder" treten. Wer keine Gitarre vermisst, hat den besten Beweis, dass der Bass viel mehr als nur Hintergrundmusik liefern kann. Weisheit drei kann ich nicht als Dummheit outen, zu oft haben Gitarreros den Bass-Part in einer Band übernommen, weil ihr Lieblingsgerät schon besetzt war. Spätestens Hellbassbeaters aber zeigt, dass auch aus Bassisten etwas werden kann, wenn es Kilmister, Wagner, Sheehan, Großkopf oder der großartige Herr Myung (Dream Theater) nicht längst gezeigt hätten...

P.S. Gruß und Dank an Undercover-Sandra, ohne die... Du weißt schon.

 
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