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Morse-Zeichen auf DVD - Sola Scriptura And Beyond

Manchmal ist die Vergangenheit schneller. Klar, sie war ja meist schon da. Und so ist es auch im Falle der Morse-Brüder Alan und Neal, die im Mai 2007 an zwei aufeinander folgenden Abenden die Bühne der Boerderij im niederländischen Zoetermeer betraten. Vor einem Jahrzehnt hätten sie das noch gemeinsam getan, in Reihen der US-Retro-Progpioniere Spock’s Beard.

Aber die gemeinsame Zeit ist lang her. Gott weiß, ob die Brüder jemals wieder kommerziell zusammen Musik machen. Denn nach seiner Erweckung tritt der bekehrte ehemalige Beard-Boss Neal Morse nur noch auf eigene Rechnung und frei von festen Bandstrukturen auf. Und wie es der Zufall so wollte, waren die verbliebenen Spock’s-Leute eine Nacht vor Neal am selben Ort in den Niederlanden.

Neal wäre also beinahe von seiner ruhmreichen Vergangenheit eingeholt worden. An seinem Abend fragte er etwas besorgt in die Runde, wie viele am Tag vorher auch schon im Konzert waren und ob er ihnen möglicherweise in Teilen eine Wiederholung des Vorabends biete. Denn Neal hat zwar mit Spock’s Schluss gemacht, er steht aber immerhin noch zu den alten Beard-Klängen, die ja zu fast Hundert Prozent aus seiner Feder stammen. Und auch zu jenen aus der Zeit mit der Prog-Supergroup Transatlantic.

Die Show von Neal Morse und seinen Aushilfsmusikern hat es in voller Länge auf die DVD “Sola Scriptura And Beyond” geschafft. Und volle Länge heißt volle Pulle. Allein die Medleys aus den Solo-Alben Testimony und ? (Question Mark) sowie das beinahe komplett gebotene jüngste Studioalbum Sola Scriptura, ein Konzeptwerk zur Geschichte Martin Luthers, machen zusammen gut zwei Drittel der rund drei Stunden Spielzeit aus.

Seit diesem Sommer ist die proppenvolle DVD zu haben, samt Bonus-DVD mit Backtstage-Material. Sie ist nach Testimony Live bereits die zweite Bewegtbild-Veröffentlichung aus Neal Morses Solozeit und bereitet den Boden für das Mitte Oktober 2008 kommende Studioalbum Lifeline sowie die im selben Monat beginnende Europa-Tournee.

Die Sola-Scriptura-DVD steht nun, so viel sei von der noch zu besprechenden CD verraten, sozusagen am Ende und als Dokument der epischen Breite, in der sich Neal Morse seit Jahren seiner Bekehrung, Gott und biblischen Themen widmet. Die DVD bietet die Konzeptalben kompakt jeweils an einem Stück, durchmischt mit wenigen Beard-Songs (The Good Don't Last, Open Wide The Flood Gates und Wind At May Back) und dem Transatlantic-Klassiker We All Need Some Light. Bald wird es bei Neal Morse mal wieder songorientierter, das heißt er packt eine Geschichte in ein Stück, das auch mal für sich selbst stehen darf.

Eine nette Erinnerung an die frühen Solopfade kam beim Anschauen der DVD wieder hoch. Am Schlagzeug sitzt ein kaum zu übersehender Mann namens Collin Leijenaar. Der Niederländer war schon so etwas wie der Roadie von Neal Morse, als der vor wenigen Jahren recht einsam eine Kirchen- und Kirchengemeinde-Kurztour unternahm. Bei den Akustikabenden von Neal Morse strich Leijenaar sanft über die eine oder andere Percussion-Kiste, auch in Münster. Es waren Abende mit reduziertem Aufwand und Anspruch. Jetzt, Jahre später, ist Collin Leijenaar immer noch dabei, darf am vollständigen Kit Krach schlagen und vervollständigt eine Begleitband voller Niederländer. Darunter auch eine weibliche Hintergrundstimme, die von Jessica Koomen stammt.

So wie auf der DVD sieht also die Gegenwart von Neal Morses Musik aus. Ich wünschte, seine Vergangenheit wäre manchmal einen Tag später dran. Was wäre das ein Wiedersehensfest, was für die Zukunft.

 
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