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"Finanzkrise" erreicht Porcupine Trees Steven Wilson

Alle Welt spricht vom Geld, das bemitleidenswert (?) behämmerte Finanzjongleure aktien- und hypothekenweise verbrannt haben. Die Finanzkrise zieht jetzt ihre Kreise bis in die Musikindustrie. Allerdings auf andere Art und weniger wahnsinnige Weise als an der Börse: Gerade kriegen die Freunde und Förderer der angesagten englischen Prog-Rock-Metal-Band Porcupine Tree (PT) die Krise. Ihre persönliche Finanzkrise.

Es hatte fast den Anschein, als wollte Steven Wilson den Fans eine andere Geldanlage in Konkurrenz zum krisensicheren Gold nahelegen: seine für November erwartete erste Solo-Scheibe des PT-Erfinders mit dem Titel Insurgentes (nach einer so benannten Straße in Mexico, in der ein Teil des Albums entstand).

Insurgentes als Konkurrenz zum guten alten Gold

Soll das Eigenkapital in CDs statt Gold flüchten, wenn die Börse gerade nicht taugt? Nun, ganz so weit ist es nicht. Aber die vorerst ausschließlich übers Internet zu ordernde Erstausgabe von Insurgentes war mit 48 britischen Pfund (umgerechnet 62 Euro) fürs europäische Festland nicht gerade niedrig taxiert.

62 Euro. 62 Euro??

Für die Älteren unter uns, jene mit D-Mark-Verbundenheit, sei es umgerechnet: 120 Mark. Für eine CD. Falsch: Für zwei CDs und eine DVD-A mit 5.1- und High-Resolution-Stereo-Mix sowie diversen Filmchen.

Dennoch: Das muss nicht kaufen, wer nicht dringend zu 3000 Auserwählten dieser Welt zählen möchte, die den CDiamanten dann auch gleich zum Schutz besser sofort für immer in ihrem Heim-Tresor wegschließen sollten.

Die Geschichte schlug mittelhohe Wellen. Nicht so sehr wegen des exorbitanten Preises. Die Fans sind teures Zeug von Porcupine Tree gewöhnt: Bei Steven Wilson sind limitierte Editionen in 16 verschiedenen Formen und Formaten (blaues Vinyl, gelbe CD, angebissenes Cover - nein, Halt! Ich werde unsachlich...) ja nichts Neues. Was mehr oder weniger streng limitiert ist (als gäbe es unendliche Auflagen von irgendwas...), darf gleich etwas teurer verscherbelt werden - sind ja auch ausreichend Liebhaber unter uns (fragt mich...).

Königlicher Ärger

Nein - der Ärger über den Preis entstand eher über den Anteil für Porto und Verpackung am Gesamtpaket. 18 von 62 Euro gehen an die Royal Mail. 18 Euro für ein CD-Päckchen. Da setzte bei vielen doch das Verständnis aus und der Zweifel ein, ob da nicht (auch noch) übers Einwickelpapier etwas hinzuverdient werden wollte. Die Finanzkrise wurde beinahe zur Vertrauenskrise. In Label, Band und/oder Wilson.

Zur Ehrenrettung des veröffentlichenden, Wilson-nahen Labels (Burning Shed) sei gesagt, dass auf die Diskussionen in PT-Foren und die Klagen direkt an die Plattenfirma umgehend reagiert wurde. Europa kriegt das Bündel jetzt 5 britische Pfund günstiger, das bringt das Gesamtpaket nun beinahe unter die 100-D-Mark-Grenze: etwa 55 Euro.

Erklärt wird der Porto-Rabatt mit einer Falschinfo der königlichen Post. Die habe schlicht falsche Preise übermittelt.

Und dann die überfällige Produktinformation

Burning Shed sah sich aber auch genötigt, offenbar längst überfällige Informationen über das eigentliche Produkt nachzuliefern. Schließlich sind gut 10 Euro für Porto immer noch eine hohe Hausnummer. Allerdings wiegt die Erstausgabe schwer, 1,6 Kilogramm.

1,6 Kilo. 1,6 Kilo für ein Drei-Disc-Werk?? Das Schätzchen kommt eben nicht in einer lieblosen Verpackung daher, Jewel Case und so. Nein, es gibt besonders hergestellten Hartkarton, luxuriöse Fotodrucke und allerlei Schnickschnack mehr sowie eine spezielle Versandversicherung.

Steven Wilson will die erste CD, auf der nur sein Name und nicht der eines Projektes (wie No-Man, Bass Communion, IEM, Blackfield...) steht, offenbar für die Ewigkeit glänzen lassen. Der CD-Einband, Fotos und Artwork seien extrem teuer, Wilson habe das vorfinanziert. Und das alles, so teilt Burning Shed im Dark-Matter-Fan-Diskussionsforum mit, verhindere, dass Steven Wilson sich eine goldene Nase an der Auflage verdiene. Er habe mehr Herzblut als Profitgier in das Soloscheibchen gesteckt.

Hier im Wortlaut:

"As for the actual product price, the elaborate hardback booklet has  specially commissioned photography/ artwork and is incredibly expensive to produce. SW has paid for this himself. The cost of manufacturing alone ensures that Steven won't make a great profit on this even if all the copies sell out. This was definitely a labour of love rather than a ticket to easy money."

Das Ende der Krise

Die PT-Finanzkrise war also eine vergleichsweise gute Krise, eine kurze Fankrise. Die meisten haben sich mit der Erklärung des Labels zufrieden gegeben. Andere warten sowieso auf das Frühjahr 2009, wenn eine Ausgabe für die Plattenläden dieser Welt erscheinen soll. Irgendwie wird die auch limitiert, bestimmt.

Bezeichnend bloß, dass nicht schon im Vorfeld über Besonderheiten, Gewicht und Versandversicherung ausreichend informiert wurde. Damit hätten sich die CD, die noch nicht einmal erschienen ist, und ihr Schöpfer eine völlig überflüssige Diskussion erspart. So wurde im Vorfeld mehr über Verpackung als über Inhalt eines Kunstwerks diskutiert. Denn das soll es ja bei allen unrhythmischen Geburtswehen sein/werden.

 
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