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Death Prog-Rock hat einen Namen: My Own Private Alaska

myownprivatealaska

Nicht zu fassen, einfach nicht zu fassen. Was? Die Band My Own Private Alaska (herrliches Kürzel: MOPA, ich fahr fast drauf ab).

Bevor es jemand anders tut, sichere ich mir schnell die Markenrechte an der Musikrichtung "Death Prog-Rock". Wie, gibt's schon, die Sorte? Wer soll das sein, anders als MOPA? Schreibt's mir bitte im Kommentar, dann vergleiche ich und sag euch, ob ihr tatsächlich eine Ahnung habt, worum es hier geht.

Ohne Gleichen. MOPA ist different, würde der Ami sagen und verrückt meinen. "Death Prog" verfehlt den Kern der Sache natürlich um Längen, sollte auch nur ein Hingucker sein. Das Trio aus Frankreich bietet auf fünf der sechs Stücke des selbstbetitelten Albums (erscheint bei Believe Records) eine Mischung aus Klavier, Schlagzeug und Geschrei. Das letzte Stück First Steps ist rein instrumental. Moment, habe ich richtig geschrieben?

Klavier.
Schlagzeug.

Geschrei.

Ist da nicht etwas falsch? Okay, wir sind hier nicht bei der Sesamstraße, und die Antwort lautet: Nein, das passt schon.

Klavier spielt der T., Schlagzeug der Y. und mit seinem Kehlkopf der M. Punkt. Die Jungs mit dem einen Buchstaben und dem einen Punkt dahinter verstehen ein Debütalbum auf die Erde zu werfen, das zugleich abschreckend und anziehend ist.

Die teils schönen, teils psychedelischen Pianoläufe werden durch heftigste Schlagzeugeinlagen aufs Schärfste nach vorne gepeitscht. Das lässt sich beim Eingangstrack Die For Me (If I Say please) alles nicht sonderlich überraschend an. Aber dann setzt sich der geneigte Hörer in seinem Ohrensessel ruckartig auf. Herr M. schreit in ungesunder Tonlage gleich mit dem ersten Wort seinen Weltschmerz heraus und kommt nicht mehr zur Ruhe. M. ist das Markenzeichen und auch der Zugang für die Musik - oder der Ausschaltimpuls.

Was Death-Metal-Sänger an Gegrunze, Gestöhne und Gedröhne aus den Tiefen ihrer Bässe rausbrechen, legt M. einige Lagen höher. Das muss lebensbejahend gemeint sein, sonst hätte der Mann bereits nach dem ersten Stück im Studio eiligst und ohne Umwege freiwillig das Jenseits aufgesucht. Weil er das aber ein ganzes Album durchhält (bin mal auf die Tour gespannt, von wegen Heiserkeit und so), werden wir uns also wohl weiter anraunzen lassen dürfen.

Wer sich vom Eingangsstück nicht hat irritieren lassen, kommt schon etwas geschmeidiger durch das ähnlich gelagerte Page Of A Dictionary, das sehr melancholisch ist, in trüben Tagen für die Seele allerdings keinen Sonnenstrahl flutet.

Kill Me Twice kommt als viertes Stück eher still daher, als Zuhörer wirst du zuerst ohne Orchestrierung angeblökt, aber dann ist die Kombination eine zum Schreien schöne Ballade. Es gibt Momente, da vergisst M. seine Masche, so wirkt es zumindest, und setzt einen Schwung Wörter gekonnt in Gesang, beinahe in Sprechgesang um.

Erstaunlich, wie hemmungslos My Own Private Alaska auch gegen die Verheißung eines Song-Titels Musik machen kann: I Am An Island - wer Inselromantik erhofft, sollte besser die Koffer packen und das Weite suchen. Hier gibt's gehämmerte Drums und Wucht-Piano, Abgründe der Geschreikunst tun sich auf, und das wird mit hartem Experimental-Jazz verwebt ("Hurz", hätte Hape Kerkeling dazu vermutlich beigesteuert). Wer ist wirklich reif für die Insel - Privat-Alaska oder der Zuhörer?! Fantastisch!

Grandios ist der dritte Song Ego Zero, sozusagen der G. des Albums, der mit einem rhythmischen und ins Ohr gehenden Klavierthema beginnt und deutlich zeigt, dass Geschrei, Geklimper und Gehaue eine unglaublich wirkungsvolle Balance eingehen können. Wer bis hierhin im Album geblieben ist, wird alle anderen Stücke mit anderen Ohren hören. Wer aber mit Ego Zero beginnt, wird vermutlich das Album nicht verstehen, vielleicht zu schnell dem Pop-Appeal erliegen, den der Rest so nicht bietet.

Insofern versuche ich es mal mit dem Gegenteil von Anspieltipps. Den Zugang zum Album von My Own Private Alaska bekommt man nicht durch das eingängigste Lied. Das eingängigste Lied muss man sich verdienen, also beinahe für den Schluss aufheben. An dem steht ja eigentlich als letztes Stück ein wundervolles Klavierstück, das auf Schmusekurs mit den strapazierten Trommelfellen geht.

Aufheben muss sich der Westen auch einen Konzertbesuch für später. Nur andere Regionen der Republik kommen in den Genuss eines Auftritts im Vorprogramm von Will Haven. Wer den Weg auf sich nimmt, wird belohnt, hier die Termine:

14.09.08 Marburg (D), KFZ
15.09.08 Berlin (D), Lido
16.09.08 Hamburg (D), MarX
17.09.08 Leipzig (D), Conne Island
19.09.08 Saarbrücken (D), Garage
20.09.08 München (D), Feierwerk
21.09.08 Frankfurt (D), Nachtleben

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Unterm Strich

Kann weg
Kann sein, dass ich dafür nicht geschaffen bin
Kann ins Archiv
Kann in der Nähe des Players bleiben
Kann mit in Urlaub
Kann ich nicht genug von kriegen

 
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