Das aktuelle Wetter NRW 26°C

Ein Redakteur ist kein Bildredakteur

Und ein guter Bildredakteur kennt seine Photographen und erwartet sich, dass sie ihr Material selbst editieren und ihm nur eine Auswahl der besten Bilder zukommen lassen. Schliesslich hat er noch anderes zu tun. Bei Qualitätsmedien ist diese Arbeitsweise gang und gebe und verbunden mit einem vorangehenden telefonischen Briefing über Inhalt der Geschichte, wo im Blatt und warum und überhaupt. 

Bei Boulevardblättern wird jeder Mist ins Archiv genommen (und dann auch nur nach Mistkilopreis bezahlt) und die Bildredaktion hat lediglich die Aufgabe, alles ranzuschaffen was scharf ist.

Und dann gibt es noch die dazwischen, meist Jungredakteure oder größenwahnsinnige Altredakteure, aus Medien, die unterbesetzte, einfach billige und daher unausgebildete Bildredaktionen haben.

 

Mindestens einmal im Jahr habe ich folgenden Dialog.

"Was, nur fünf Bilder? Kann ich alle sehen?"

"Nein."

"Aber Sie haben doch sicher mehr gemacht."

"Ja und? Ich will auch nicht ihr Interview redigieren, oder darf ich?"

Damit ist das Thema meist vom Tisch.

 

Der zweite Dialog ist dann:

"Vielleicht da vor dem Bild."

"Wollen Sie selber durchschauen?"

"Nein, nein. ..... Da hinten, das wäre doch ein Motiv."

"Soll ich ihren Einstieg schreiben?"

Thema vom Tisch.

 

Das sind zwei verschiedene Berufe, da kenne ich keine Gnade. Nur, weil jetzt jeder knipst, braucht er nicht mitreden. Ich lasse mir bei einer Reportage gerne sagen, dass dieses oder jenes Motiv noch gut wäre, weil es im Text vorkommt (bei gutem Briefing gibt es das Problem auch nicht), aber bei Portraits entscheide ich. Basta.

 
Diesen Artikel bookmarken?

0 Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.derwesten.de/services/trackbacks/blogs/6016493/create

0 Kommentar